Sprachursprung und Sprache – 2. Teil

Sprachursprung und Sprache – eigene Gedanken – 2. Teil

Ich finde den Schluss des Aufsatzes von K. Kahnert inspirierend und weiterführend.

Denn Sprache nimmt offensichtlich eine funktionelle Notwendigkeit ein, dass es zu einer freien Wirksamkeit kommen kann.

Auf welcher Evidenz und Begründungsbasis steht diese funktionelle Notwendigkeit? Um die transzendentalen Wissensbedingung der Sprache weiter zu bestimmen, gehe ich gemäß WL 1804/2 so vor, dass begriffsmäßig alles auf eine unbedingte Einheit zurückgeführt werden muss, mithin auf ein absolutes Ich, damit umgekehrt der Sinn und der Ort der transzendentalen Sinnbestimmung von Sprache zwecks freier Wirksamkeit abgeleitet werden kann.

1) Die Ausgliederung eines konkreten, individuierten Ichs ist nur möglich unter Vorgabe und Gegebenseins anderer konkreter Iche, die mittels Aufforderung entdeckt und erschlossen werden. Die prinzipielle Aufgabe der WL, begriffliche Durchdringung der Wirklichkeit zu leisten und diese als Philosophie darzustellen, ist im Begriff und in der Form des Sich-Bildens erreicht, sodass sich verschiedene Ebenen der Erkenntnis und der Begriffe objektivieren lassen: Ich greife aus der Analyse der Struktur des transzendentalen Wissens von J. Widmann (gemäß WL 1804/2) die Begriffe heraus: Bild, Idee, Realität, Natur, Logos, Geschichte, Sinn, Ich, das Wesen, Liebe, Du, Gefühl, Urteil, Relation, Wir. 1

Das konkrete einzelne Ich, das im Zusammenhang der Analyse der Sprachentstehung und der transzendentalen Sinnbestimmung von Sprache, hier in einem 1. Teil nach Kahnert und jetzt nach meinen bescheidenen Reflexionen in einem 2. Teil vorausgesetzt wird, ist bereits ein faktisches Ziel und den Wissensbedingungen nach theoretisch aufgestellt.

Die Selbsterkenntnis eines konkreten Sich-Erkennens ist ein individuelles Sichsetzen, aber ebenso ein universelles Setzen, woraus das einzelne Sich-Setzen im Gegenüber zu einem konkreten Du als konkretes Ich sich herausdisjungieren und individuieren kann.
Die individuellen wie universellen Wissensbedingungen von Ich-Du-Wir wären aber wiederum nicht möglich denkbar und begründbar, gingen beide nicht in einer genetischen Einheit aus dem absoluten Ich eines göttlichen Seins- und Erkenntnisgrundes hervor.

Soweit dem individuellen Wollen in seiner Intention, als auch dem universellen Wollen nach, muss der Zahl nach ein göttlicher Erkenntnis- und Seinsgrund vorausgesetzt werden; es gilt aber offensichtlich auch, dass Ich und Du doch verschiedene, eigene, selbständige Gründe ihres Selbstseins und ihres konkreten Erfüllungsstrebens haben. Sie sind sich formal gleich in ihrem unbedingten Geltungsstreben, d. h. leiten sich vom „VATER“ eines Wir ab, haben EINEN lebendigen Grund des Wir-Seins, sie sind aber in ihrer zeitlichen Explikation ihres Selbstseins und Geltungsstrebens aus dem absoluten Bestimmungsgrund des absoluten Ichsheraus verschieden.

2) Was jetzt eine Praxis dem genauen Begriff nach ist, kann transzendental als Disjunktionsbegriff (als Disjunktionseinheit) a) der Voraussetzungen des Sehens nach und b) in einem Theoriebegriff zu diesen Voraussetzungen des Sehens, wie es theoretisch zur Selbst-Erkenntnis und zur Selbstbestimmung kommen kann, ermittelt werden.
Ich verweise hier auf die transzendentale Wissensstruktur, wie sie J. Widmann in der WL 1804/2 herausgearbeitet hat.2
Der Theoriebegriff der Selbsterkenntnis und Selbstbestimmung, wie er apriorisch von der WL aufgestellt ist, ist theoretisch vollendet, aber das praktischen Streben und Leben wird a) praktisch nur individuell vollzogen und b) mangels eingeschränkter Kräfte und mangels endlichem Verstand nur in einem sehr eingeschränkten Sinne. Die verschiedenen Bereiche der erkennbaren Wirklichkeit sollen deshalb nicht geleugnet werden, sie können aber nicht gleichzeitig und von jedem einzelnen Individuum erkannt und erstrebt werden. Gibt es dafür einen Ausgleich? Meine Sicht: Die Sprache enthält den Thesaurus kollektiver Erfahrung, was der einzelne nicht erkennen und leisten kann.
Die Erfahrung des einzelnen wie der vieler anderer Personen wird aufgebaut in konkreten Formen einer aktualen Gegenwart von Natur-, Sprach-, Sinn- und Geschichtserfahrung.

3) Die naturale und zeitliche und geschichtliche, sprachliche und werthafte Selbst-Erkenntnis und Selbstbestimmung ist ein Übergehen in der Einschauung des individuellen Wollens und einer damit verbundenen Intention – beziehungsweise, wenn wir vom individuellen Wollen abstrahieren, so liegt dem individuellen Wollen ein allgemeiner Wille und eine allgemeine Grundintention zugrunde: Sie ist ein Übergehen in einem allgemeinen Wollen und einer damit verbundenen Grundintention.

Die Sprache in ihrer Vielfalt und Schönheit der Syntax, Semantik und Pragmatik ist in einer langen, geschichtlichen Reihe kollektiver Erfahrung gebildet. Sie ist Mittel und Werkzeug eines andeterminierenden Tuns, Werkzeug eines intentionalen Austausches, Anstoß zu schöpferischem Denken und selbstständiger Nachkonstruktion der Willensmomente und ihrer Intentionen. Sie initiiert und fordert performativ zur Selbsterkenntnis und Selbstbestimmung heraus, fordert, Intentionales im Gesagten und Gehörten selbst zu sehen und zu wollen, zu verstehen und zu rekonstruieren.

Die Praxis dieses Könnens, Entscheidens und Tun im Willen ist dabei von erstem Interesse. Ich verdanke das der Lektüre von J. Widmann: Die Praxis ist in ihrem Begriff neutral, eine neutrale Synthesis zwischen Affirmation und Negation. 3
Sie legt aber in der Folge des Könnens, Entscheiden und Tuns Zeugnis ab, was affirmiert und zugleich negiert wird, und hier angewandt auf die sprachliche Figuration: Sie legt Zeugnis ab, wie eine sprachliche Objektivation verstanden werden kann, bewährend oder nicht bewährend, wahrheitsgemäß oder täuschend als Lüge.

4) Es ist m. E. ein großes Missverständnis, wenn der Begriff der Praxis mit dem Gebrauch der Sprache verwechselt wird, als ob die Sprache die Begründung und die Rechtfertigung enthielte, was in der Synthesis des Bildens an Sinn und Bedeutung gebildet wird, d. h. was in der Synthesis von Wissensbedingung und Theorie (des Selbstseins und der Selbstbestimmung) konkretisiert wird.

Die Sprache ist nicht selbst die (höhere) Theorie zur Theorie der praktischen Anwendung und Konkretion der vorgestellten und gedachten Einheit von Selbsterkenntnis und Selbstbestimmung. Sie ist nur das Werkzeug der Konkretion und Anwendung der Intention. Letztere Intention mag explizit bewusst sein oder nicht, sie ist stets dialogisch und intersubjektiv charakterisiert. Erst die vorgestellte und gedachte und angestrebte, intentionale Einheit in einem Begriff oder in einem metaphorischen Bilde, das darin liegende Was-Sein der Intention, das erzeugt den Sinn und die Bedeutung, die im figurativen Sprachgebilde transportiert wird.

Wenn ich den Gebrauch der Sprache selbst zur Praxis der Anwendung und Konkretion erkläre, mithin die Sprache in ihren Begriffen und Bildern zum Träger von Sinn und Bedeutung mache, habe ich eine metaphysische Theorie zusätzlich zur transzendentalen Theorie der Selbsterkenntnis und Selbstbestimmung erfunden. Es kommt dann zu den Beobachtungen einer nie endenden strukturalistischen Semiotik und sprachanalytischen Semantik. In diesen verschiedenen Zweigen der Analytischen Philosophie und Hermeneutik taucht aber schnell das Problem auf, wie überhaupt die Referenz zwischen sprachlichem Bild und Gegenstand gesehen und gedacht werden kann.

Dieser Referenzaufgabe ist die Bildphilosophie und Transzendentalphilosophie Fichtes enthoben, denn in der Einheit des Wissens wird genetisch alle Mannigfaltigkeit der „Welt“, d. h. auch alle sprachliche Objektivation, sowohl zurückgeführt auf die absolute Einheit, wie expliziert aus dieser absoluten Einheit, sodass alles Bildsein (im Bewusstsein und als Bewusst-Sein) das Sein umfasst und alles Sein eine Konkretion des Bildens ist.

Beispiele: Die Sprache der Technik in der Anwendung und Praxis bewertet intentional die Zielbestimmung der Beherrschung der Natur; die Sprache einer lyrischen Dichtung kreiert intentional in ihrer Zielbestimmung verschiedene Bilder der Selbst-Erkenntnis; die Sprache in der Rechtssphäre schafft eine Sphäre freien Selbstbestimmung in der Vielheit von Personen; die Sprache der Moralität beschreibt eine unmittelbare, intentionale Freiheit ; die Sprache der Religion lässt die Freiheit von einer sie ergreifenden, intentionalen, höheren Evidenz umschlossen sein.
Alle sprachlichen Zeichen und Symbole
dienen in ihren Ursprüngen der relationalen Begründung eines Ich-Du-Wir-Zusammenhangs, sind intersubjektive Erfahrung, rekonstruierbar als Intention in einem individuellen wie universellen Wollen – und letztlich auch bezogen auf einen göttlichen Logos.

Für die materiale, selbst nicht bildbare Erklärung von Sinn und Bedeutung in den Wörtern und Begriffen möchte ich abkürzend verweisen auf M. J. Siemek.4  

Für die formale Erklärung der Entstehung sprachlicher Figurationen verweise ich auf das Wollen und den prädeliberativen Willen – siehe die Herausarbeitung vorallem anhand der Wlnm von H. Münster. 5

5) Die Analytische Philosophie, wenn ich nochmals einen Seitenhieb machen darf, verrennt sich hier völlig, wenn sie sprachliches Bild und Sein zuerst voneinander abkoppeln, praktisch ein semantische Relation ablehnen, hermeneutisch aber dann doch alles wieder kitten müssen, weil sich seltsamerweise der Gebrauch der Sprache in der Praxis bewährt.
Eine
„Handlungstheorie“ der funktionierenden Sprache ist m. E. ein Widerspruch in sich: Denn entweder ich kenne die Theorie der Wissensbedingungen des Verstehens und der intersubjektiven Erfahrung schon, dann brauche ich nicht die Handlung, das zu beweisen, oder ich handle, dann handle ich bereits nach dem Wissensstand des Verstehens und der Bedeutung – und die Sprache dient mir dazu. Sie ist das Werkzeug Denkens, nicht das Denken selbst.

Sprache ist dreifach zu verstehen – wie oben im 1. Teil von Kahnert bei Fichte philologisch herausgearbeitet worden ist: Sie ist angeboren, weil transzendental konstitutiv der Mensch nicht anders gedacht werden kann als in interpersonaler/intersubjektiver Erfahrung stehend, mithin in einem intentionalen Austausch; erfunden, weil sie auch durch Freiheit im synthetischen Akt des Sich-Bildens gebildet wird (in den Evidenzen von Natur, Logos, Geschichte, Sinn), und Geschenk göttlicher Gnade, weil die Selbsterkenntnis und die Selbstbestimmung des Sich-Bildens sogar befähigt sein muss, mit dem göttlichen Logos selbst ein Gespräch zu beginnen und alles intentionale Wollen im Ich-Du-Wir-Kontext auf eine Grundintention des „absoluten Ichs“ (eines durch sich selbst bestimmten, reinen Willens) zu beziehen ist.

Wie kommt es aber doch zu den obsessiven Behauptungen mancher Sprachphilosophie und Analytischen Philosophie (und mancher Hermeneutik), dass in den sprachlichen Figurationen und im Regelwerk der Sprache selbst schon die Bedeutung und das Verstehen liegt – und wir endlich einmal gegen die Verhexungen des Verstandes mittels Sprache angehen müssen?

Es kommt m. E. auf das richtige Verstehen der Aufforderung an: Die Aufforderung ist eine auf ein anderes Subjekt als freies Wesen gerichtete Intention. Die Intention ist eine die Freiheit eines Anderen aufrufende freie Zwecksetzung. Sie ist eine Hemmung spezieller Art, nicht eine Durch-Determination im Gefühl, sondern eine An-Determination, die Freiheit lässt. Geantwortet muss werden, wie geantwortet wird, ist freigestellt. (Siehe Blogs von mir z. B. zur Interpersonalität bei  M. Ivaldo oder zum Rechtsbegriff  bei G. v. Manz.)

Wie die Anschauung einer Tätigkeit (einer Absicht, einer Intention) als ein Übergehen aus dem Zustande der Nicht-Tätigkeit und durch Gegensatz eines solchen Zustandes verobjektiviert zu einer bestimmten, angeschauten Tätigkeit wird, so geht die Aufforderung in intentionaler Absicht zu einer bestimmten, angeschauten Aufforderung über, d. h. zu einer sprachlich vermittelten Aufforderung. Die Sprache ist verobjektivierte Basis einer intentionalen Wechselwirkung durch Freiheit.

Die physische Figuration der Sprache (des Zeichens) bestimmt natürlich jetzt sekundär rückwirkend die geistige Kommunikation zwischen Personen. Meistens assoziieren wir  sofort und ahmen  das sprachliche Gebilde nach, um die geistige Kommunikation und den intentionalen Austausch erwidern und verstehen zu können. Wir meinen dann im Gebrauch der sprachlichen Figurationen die Bedeutung und das Verstehen selbst in der Sprache und im Lesen finden zu können.

Die epistemologische Sinnbildung und Sinnquelle liegt aber in der Zweiheit des einerseits schöpferischen, freien Denkaktes, wie andererseits in der die intentionale Absicht begleitenden Sinn- und Wert-Qualität der unbildbaren Einheit des Sich-Wissens, d. h. in der Erscheinung des Absoluten. (Siehe dazu die verschiedenen Ebenen des Sich-Bildens, die epistemische und die epistemologische Ebene im angegebenen Artikel von M. J. Siemek.)

6) Ergänzend zur epistemologischen Ebene der Entstehung von Sinn und Bedeutung in den sprachlichen Figurationen verweise auf die spezifische Form des Sprechens selbst: Ich zitiere einen Artikel von P. Baumanns, insofern, als er a) den in der Analytischen Philosophie herrschenden Sprachpositivismus kritisch hinterfragt, und b) das Aufforderungsverhältnis klar auf eine interpersonale Basis stellt, d. h. auf eine sittlich-praktische Basis der interpersonalen Konstitution in und aus Wahrheit.

(….) das Ich wird nur darum realiter aufgefordert und kann nur so aufgefordert werden, weil es als Individuum unter Individuen ein intelligibles (ursprüngliches, vorzeitliches) Aufgefordert-Sein ist. Es liegt in seinem intelligiblen Charakter, der für uns unerforschlich ist und lediglich von der Freiheitsüberzeugung bzw. dem System-Prinzip des Sich-Setzens her postuliert wird; es liegt im intelligiblen Charakter des Ich, dass so etwas wie ein faktisches Aufgefordertwerden im Bewusstsein des Ich auftreten muss. Wenn man sich so ausdrücken darf: Das Ich wartet von seiner intelligiblen Struktur her nachgerade darauf, aufgefordert zu werden (die entsprechende Disposition ist rein intelligibel). Wird also im realen empirischen Auffordern ein Ich aufgefordert, so bedeutet dies keineswegs eine bloße Beziehung unter Zeitwesen – als würde ein Zeitwesen, das schon gewesen wäre, durch ein anderes Zeitwesen in der Zeit aufgefordert; auf diese Weise könnte in der Tat die Entstehung des Selbstbewusstseins nicht erklärt werden. Nein, es gibt mit der ,,Bestimmtheit zur Ewigkeit“ ein „Aufgefordertsein von Ewigkeit her“, und alles empirische Auffordern ist nur die versinnlichte Ansicht dieses intelligiblen Verhältnisses in der Zeit (die Hin-Sicht dieses intelligiblen Verhältnisses in die Zeit).“ 6

Dass die Sprache in sich sehr komplex und streng strukturiert ist, sodass sie zu mannigfaltigen Spekulationen in der Linguistik und Analytischen Philosophie Anlass geben kann, möchte ich nicht bestreiten. Sie kommt aber nicht vor dem Denken, sondern ist dieses durch Denken hervorgebrachte, epistemologische und epistemische Bilden eines intentionalen Verhältnisses von Subjekt zu Subjekt und von Subjekt zu einem göttlichen Logos, sobald das Denken im praktischen Tun die Wissensbedingungen konkretisiert. 7

 

© Franz Strasser, 11. 10. 2020

1J. Widmann, Die Grundstruktur des transzendentalen Wissens nach J. G. Fichtes WL 1804/2, Hamburg 1977.

2Zum transzendental abgeleiteten Begriff der Praxis siehe J. Widman, ebd., S 276 -286.

3 J. Widmann beschreibt den praktischen actus so: „Seine schlechthinnige Formbarkeit ermöglicht die unmittelbare Bestimmung durch die Entscheidung der Freiheit und trägt darüber hinaus auch deren praktische Konsequenzen, seien sie sinnvoll, sinnleer oder auch sinnwidrig. Was immer durch die individuelle Freiheit real geschieht, Richtiges oder Falsches, Gutes oder Böses, Bilden oder Rückbilden – es ist gefasst in die neutrale Form faktischen Tuns, das seine Erstreckung und sein Ende allein durch die konkrete Selbstbestimmung der individuellen Freiheit erhält.“ S 279.

4Marek J. Siemek, Bild und Bildlichkeit als Hauptbegriffe der transzendentalen Epistemologie Fichtes. In: E. Fuchs, M. Ivaldo, G. Moretto (Hrsg.), Der transzendentalphilosophische Zugang zur Wirklichkeit. Beiträge aus der aktuellen Fichte-Forschung. Stuttgart-Bad Cannstatt 2001, 41 – 63.

5Harald Münster, Bedeutung als Problem. Fichtes Beitrag zur Begründung einer Philosophie der Sprache. In: Fichte-Studien Bd. 48, 2020, 413-433

6Peter Baumanns, Von der Theorie der Sprechakte zu Fichtes WL, in: Der transzendentale Gedanke, Hamburg 1981., S 185.

7Vgl. z. B. auch b. M. J. SIEMEK, Unendlichkeit und Schranke. Zum Fichteschen Entwurf einer transzendentalen Ontologie des Wissens. In: Fichte-Studien, Bd. 31, NY 2007, S 65.

„Das Bild ist nur dadurch, dass es wird und sich im Werden präsentiert. Durch das Faktum des Werdens entsteht also das Bild, als gesetzt in der Äußerung dessen, was Fichte als Urbild bezeichnet. Es ist das sich im Bilde äußernde Leben, das allein dem Bild seinen Gehalt geben kann. Dieser unendliche Gehalt – die Qualität, die im Bild hinge schaut wird – schöpft sein Sosein aus dem unmittelbaren Erscheinen des Seins und erscheint insofern als die Wahrheit im Wissen, oder die unmittelbare Offenbarung, die das Sein von sich gibt. Zugleich ist aber diese unendliche Wahrheit nur in der einschränkenden Form der Anschauung, im bildlichen Medium der Sichtbarkeit überhaupt zugänglich. Denn es ist die Form und das Medium des Werdens, der unmittelbaren Genesis: ein Sich-Machen der Einheit vermittelst des lebendigen Durch, das den Fluss der Mannigfaltigkeit aufhält und in die Einheit des Bildes verwandelt. Der absolute Gehalt der Erscheinung muss diese Form annehmen, wenn er anschaubar sein soll; denn sie ist die Grundform der Bildlichkeit, in der die Erscheinung sich selbst als äußernd anschaut.“

Autor: Franz Strasser

Dr. Franz Strasser