J. G. Fichte, Glaube und Wissen in der WL 1805, 13. Vorlesungsstunde – 2. Teil

Das Absolute als Grund des Lichtes „im Grundseyn“ des Existentialaktes ist formal erweisbar, aber sobald es projiziert und objektiviert wird, gilt es nicht mehr. „Dies gilt nicht, u. dies nicht gelten lassen ist eben der Glaube, durch welche allein die W.L. zum Absoluten kommt, u selber wird.“ (13. Vorlesungsstunde, ebd. 238, Z 15, Hervorhebungvon mir )

Fichte kommt am Schluss der 12. Stunde nochmals auf den Existentialakt des Wissens zurück: Die höchste, oberste Einsicht in das Absolute ist sein „existieren, als existieren, in der sich selber aufgehenden Form des Intelligierens“ (Ende 12. Vorlesungsstunde, GA II, 9, S 237, Z 12).

Wenn es diese Existentialform des Absoluten gibt, so existiert das Lichtsein ebenfalls in einer Selbstständigkeit des Grundseins.

denn das Existiren ist ja selbst Licht: Licht aber ist Grundseyn, u. So bringt allerdings das Licht, aber nicht das vorborgene der W. L., sondern das ihr offenbare des göttlichen Existieren den Grund mit. – Sie die W. L. kann nichts mitbringen, denn sie vernichtet sich, u. wird erst durch diese Selbstvernichtung.“ (ebd. Z 22ff)

In der 12. Vorlesungsstunde hieß es noch pauschal, dass das Licht sein Grundseyn im und aus dem Absoluten mitbringe; aber irgendwie müsste die Einsicht in die Gewissheit doch in einer erkennbaren Form der Objektivation des Absoluten anschaubar und möglich sein?

Das Existiren des absoluten nur absolut: also eben Akt, Princip, Grund; im Existiren, das eine Relation ist, absolutes Als, in unmittelbare Einheit, u. Absolutheit also Licht. Bei dem leztern; nicht weiter zu zertheilen oder zu charakterisieren.“ (ebd. S 238, Z 26 ff)

Um überhaupt das Licht in dieser Qualität des Grundseins mit und aus dem Absoluten zu sehen und einzuschauen – siehe da, dieses Gedanke und diese Kritik war schon motiviert durch den Glauben („durch die frühere Einsicht motivirten Glauben“ ebd. Z 30). Kann es jetzt weiter analysiert werden? Wenn ja, so ist zu vermuten, dass ebenfalls mittels der konstitutiven Bedingung des Glaubens eine Analyse möglich ist.

Gelänge eine Analyse des Existentialaktes, so wäre innerhalb dieses absoluten Lichts eine Abgrenzungsbedingungen gegenüber dem Absoluten gefunden, ein absolutes Wissen erkennbar und ableitbar und unterscheidbar gegenüber dem Absoluten, und die frühere Einsicht und Charakterisierung des absoluten Wissens würde im absoluten Lichte selber eine bloß relative Einsicht – und zwar durch das „Grundgesetz des Lichts geforderte Intelligieren“ (ebd. S 239, Z 4)

Die Antwort Fichtes lautet klar: „Ich könnte eben sowohl sagen; innerhalb dieses Intelligirens geht erst A. auf, vermittelst des Glaubens der W.L;“ (ebd. Z 4f; Hervorhebung) Man merke die Auszeichnung des Glaubens!

Es gibt aber jetzt eine Zweideutigkeit: Innerhalb der Lichtform ist entweder das Absolute der qualitativen Rechtheit und Lichtheit nach geglaubt, oder innerhalb der Existentialform des Lichtes, die absolut ist, wird das Absolute der Form nach selbst intelligiert und gewusst, ohne Glauben.

Es ist eine Zweideutigkeit in der Ansicht des Innerhalb (….)“ (ebd. Z 7). Ist der terminus a quo der qualitativen Einsicht in den übergehenden, durch sich selbst bestimmten Willen, durch den Glauben erkennbar, oder ist diese qualitative Evidenz durch die Wissensform/Lichtform selbst zu erreichen? Es ist zu erwarten, dass eine Einsicht in das Absolute nicht möglich ist.

Fichte analysiert das Lichtsein in seiner Existentialform des Absoluten näher:

Innerhalb A. (=Absolutes) ist a/a x1 (ich lese: gesetztes Wissen, Wissen als Wissen, einmalig gesetzt. In anderen WL spricht Fichte einfachhin von der „Erscheinung“ des Absoluten in a) nothwendig zufolge des innern WesensGesetzes des Lichts. Offenbar sezt diese Argumentation «es» , daß das Licht sey, stehend und ruhend auf sich selber (wirklich u. an sein Seyn gebunden), u. in diesem stehen eben sey nach seinem Gesetze.“ (ebd. S 239, Z 10ff, Hervorhebung)

Es scheint hier auf, was in den weiteren Vorlesungsstunden herausgearbeitet werden wird, dass, falls die glaubensmäßige Freiheit des Wollens und Erkennens und des Vollzuges gewahrt wird, zugleich eine transzendentale, notwendige Wesensgesetzlichkeit dieses Vollzuges gedacht werden muss. Eine zwingende Notwendigkeit (im transzendentalen Wissen) muss auffindbar sein, damit die Freiheit des Vollzuges und des glaubensmäßigen Realisieren von Wahrheit, Rechtheit und Lichtheit ebenfalls möglich und kompatibel werden bzw. umgekehrt, die Höhe der Erkenntnis einer formalen Wesensgesetzlichkeit des Wissens nur durch Freiheit und Glauben ermöglicht werden kann.

Jetzt zurück zur 13.: „Nun ist das göttliche Existiren allerdings Licht; aber es ist dadurch noch nicht unmittelbar ges<ag>td, daß das Lichte ist, in äusserer, in sich selbst geschloßner ExistentialForm. Darauf haben wir gestern schon gedeutet, sagend, dieses göttliche Grundseyn ist ein geschloßenes, u. vollendetes, also nicht bloß Existiren, sondern Existenz zugleich: die äussere Existenz des Existirens also wäre erst das selbstständige Seyn des Lichtes.“ (ebd. S 239, Z 13ff)

Beim Stichwort Existieren fällt sofort auf, dass selbst die selbstständige, tragende Existentialform des Lichtes nicht aus sich, von sich, durch sich sein kann, sondern vom Absoluten her bedingt (geschaffen) ist. Wie dieses Verhältnis der Lichtform/Existentialform des Lichts zum Absoluten denken?

Fichte erlaubt einen Einwurf, dass diese äußere Existentialform des Wissens tout court auch „Bewußtseyn“ bezeichnet werden kann. (ebd. Z 19)

Die Wurzel und der Träger der Existentialform des Lichtes, die in Abgrenzung zum Absoluten eine äußere Existentialform sein muss, ist und bleibt offenbar das Absolute! Aber damit ist eine neue Bestimmung der Lichtform möglich: das Licht/die Lichtform ist ein „Zustand“.

Das leztere ist innerhalb des ersten, heißt daher: es hat darin die Wurzel seines Seyns, u. Beruhens auf sich, seinen lezten Hälter, u. Träger; u. ist nu«r>Zustand da<ran). Zustand; sage ich mit Bedacht: keinesweges Akt: Ist nur das Licht, so ist dies mit; denn dies ist seine Weise zu seyn, seine Form.“ (ebd. S 239, Z 22ff, Hervorhebung)

Fichte möchte in diesen Zustand der äußeren Existentialform des Lichtes eindringen, die einerseits doch nur eine bloße Form ist, andererseits begründet und gerechtfertigt allein in ihrem Lichtsein im und durch das Absolute doch von Wahrheit und Richtigkeit sein muss. Es soll diese Form nicht bloßer Exponent und Verobjektivierung des Absoluten sein, denn dann wäre das Absolute realistisch oder idealistisch relativiert – und das ganze Niveau der bis jetzt transzendental eingesehene Einheit in der Lichtform (von Absolutem und Licht) wäre überhaupt am Boden bzw. fallen gelassen, aber die bloße Faktizität begründet und bewährt noch nicht.

Fichte beschreibt diesen kritische Punkt so: „2.). Innerhalb a/a x1 ist A. – denn das erstere ist die intelligirende Exposition des Wesens des letzterns, u. schaut es in dieser Exposition objectivirend hin. Wie nennen wir dieses objectivirte Seyn, zum Unterschiede?i existirt eben als existent, und bloß existent. Daß daher das ganze Verhältniß sich also ausdrüken liesse: innerhalb a existirt A, ohnerachtet das erstere (selber in diesem existent machen,) innerhalb des indem a «in> A. ist, und dadurch, daß dieses in ihm ist, in absoluter Untheilbarkeit des Zustandes.
Das Innerhalb des ersten Satzes redet
realistisch, u. von einer realistischen Folge: das des zweiten idealistisch, u von einer solchen Folge. Die Blindheit verfällt nothwendig in irgend einen Idealismus, eine bloße Existenz, welche sie aber, eben drum weil sie blind ist‘ (,) für Realismus hält. (ebd. S 239.240, ab Z 26ff) 1

Der modus essendi der Wissensform/Existentialform (im weiteren Sinne der Zustand des Bewusstseins) ist nicht eine einseitige Supposition eines realistisch gesetzten Wissens „a“ oder idealistisch gedachtem Absoluten – wie sich Schelling bzw. Hegel das ausdenken (ebd. Z. 12) – sondern ist vielmehr eine gesuchte „vollendete Klarheit“ (ebd. Z 13).

Falls man in diesen Gegensätzen von Realismus und Idealismus verbleiben möchte, könnte ohne Glaube an die Begründung und Rechtfertigung im Absoluten nichts entschieden werden. Wenn aber schon in diesem Zusammenhang der realistisch/idealistischen Suppositionen gedacht würde – wobei es aber nicht bleiben kann! – nähme der Glaube die realistische Seite ein. Aber das ist eigentlich nicht die transzendental eingesehene Lösung.

Dem sehenden, die absolute Reflektirbarkeit erblikendem Auge, müste, ohne Glauben, beides gleich gelten, u. er könnte nie zwischen ihren entgegengesezten Ansprüchen entscheiden; das Resultat wäre ein absoluter Skepticismus. (Ich habe mehrmals den Vorsatz gefaßt pp um unsre seyn wollenden Philosophen recht in die Irre hineinzuführen.— . Historische Anwendung. Schelling. pp was aus einem nicht in der Tiefe durchdringenden Studium der W.L. – seitdem er selber speculiren will, etwas untergeordneters) Der Glaube erst, der nur der vollendeten Klarheit möglich ist, unterordnet auf immer, u entschieden die idealistische Ansicht unter die realistische.“ (ebd. S 240, Z 6ff)

Sehr fein beschreibt Fichte jetzt die erreichte Höhe des Denkens: Die Anschauung der Erscheinung „a“, des absoluten Wissens, der äußeren Existentialform des Lichtes, enthält in sich ein „substantielles Licht, sich selber unsichtbar, intuitiv, sich selber unbegreiflich, intelligibel.“ (ebd. S 240, Z 20)

Sobald es aber begriffen wird, „in absoluter Einheit des Intuierens und Intelligierens, welche hier erst erzeugt werden“ (ebd. Z 22) ist es schon schon in einem einseitigen modus des Als-Erkennens und reflektierenden Erkennens.

M. a. W. Auf die Aussage hin, „das Licht ist“, wird zwar der Ausdruck und die Aussage eines Grundsein des Absoluten mitbehauptet, aber ipso facto ist diese getätigte Aussage gerade nicht mehr das Grundsein des Absoluten, es ist bereits verobjektiviert und reflektiert und ist nicht die völlige Möglichkeit der Aussage in der realisierten Wirklichkeit. Das Gesagte fällt nicht zusammen mit der gedachte Möglichkeit, sondern ist bereits deren ausgesagte Form mit Mitteln der Einsicht und der Intellektion.

Fichte hat in vielen WL auf diesen Widerspruch von Denken und Sagen hingewiesen: Man kann das nicht sagen, was gedacht wird, weil es dann nicht mehr die Möglichkeit des Gedachten selbst ist. Man kann das wahre Bildsein im Gesagten nur umgekehrt vom gedachten wahren Sein her selbst verifizieren lassen, ob es dessen wahres Bildsein ist oder nicht, sobald eben gebildet und das Wissen vollzogen wird.

Aber die Frage ist jetzt von grundsätzlicher und von viel fundamentalerer Bedeutung, als es im Einzelfall oft zutrifft (der Widerspruch von Denken und Sagen): Wie kann dann prinzipiell noch ein Grundsein in der äußeren Existentialform des Lichts (=des Wissens) in und aus dem Absoluten behauptet werden? Fichtes Antwort hier – und in den weiteren Vorlesungsstunden wird er dies weiter erklären und deduzieren, wie das übergehende Licht der Rechtheit und Lichtheit im Intelligieren selbst festgehalten werden kann:

Der Akt des Intuierens und Intelligierens ist ein selbstständiges Bilden und Begreifen der Möglichkeit nach, sobald aber diese Möglichkeit realisiert wird, ist ein bestimmter Wissensbezug zum Absoluten realisiert.

Dies setzt aber notwendig, weil einerseits das Absolute nicht projiziert und objektiviert werden soll, andererseits doch ein bestimmtes Realisieren geschieht und das Licht der Rechtheit und des durch sich selbst bestimmten Willens glaubensmäßig mitgenommen wird, eine Form der Repräsentation des Absoluten voraus. 2

Nicht allgemein repräsentiert sich das Absolute in einer Art gedachter Emanation zweiter Ordnung hinein, sondern, wie in der 10. und 11. Vorlesungsstunde schon deduziert, in der existentialen Lichtform muss das Absolute vorausgesetzt werden. Die Projektionsform des Lichtes ist unmittelbar Gottes (ich drücke es hier so aus, weil ich den Glaubensakt als komplimentär hinzudenken will) Existenz, oder „Existentialakt“. Wenn Gott sich projiziert, dann trägt die göttliche Existenz schlechthin notwendig die Lichtform an sich, (vgl. ebd. 10. Stunde, S 224, Z 14ff), und diese wiederum schließt notwendig Gottes Aufnahme in die Ichform ein. 3

Kraft existentialer Lichtform ist das Absolute in der Ichform, aber nur kraft dieser Ichform, in persona des Glaubenden, kann das Absolute in Erscheinung treten. Das, was zur Erscheinung kommt, ist kein bloßes Etwas, sondern die aus der Rechtheit und Lichtheit des Absoluten in einen substantiellen Selbstbestimmungs- und Denkakt eines Ichs übergehendes Soll.

Unmittelbar vermittelt sich das Absolute nicht in einem Existentialakt des Lichtes, aber vermittelt (in Differenz) vermag der Repräsentant der Lichtform, die Interpersonalität eines Wir, Ich und Du, der Vernunft überhaupt, die werthafte Forderung des Absoluten, den durch sich selbst bestimmten Willen, zu realisieren. Die Gebrochenheit und Differenz einer nur vermittelten Realisierung liegt an der Notwendigkeit einer nur glaubensmäßig zu erreichenden Qualität der Rechtheit und Lichtheit; dass aber überhaupt vermittelt werden kann, wenn auch in Differenz, liegt an der Existentialform des Lichtes, in die sich das Absolute schon veräußert haben muss. „Existieren ist Repräsentieren“ 4, aber nicht automatisch ist das Repräsentieren das vollkommene und vollendete Leben des Absoluten, sondern erst im wahren Bildsein, in der Bewährung des wahren Bildseins vom Sein, wird das Absolute repräsentiert, andernfalls wird es verdunkelt und verleugnet.

Die Repräsentation des Absoluten im „Ich“ ist dadurch einerseits fähig, rückbezüglich zu sein im Wissen um einen durch sich selbst bestimmten Willen, andererseits kann sie sich nur so rückbeziehen auf sich selbst, indem es diese Forderung auch realisiert und somit in Differenz zum Absoluten sich setzt. Das „Ich“ ist repräsentativ, weil es das Absolute zur Erscheinung zu bringen mag – der angehobenen Möglichkeit nach -, die Realisierung ist aber dann bedingt, sowohl a) durch die Freiheit des Repräsentanten wie b) durch die Mannigfaltigkeit der in der Realisierung entstehenden Welt. Letzterer Punkt der Ableitung der Erkenntnis der Erkenntnis bis in empirischen Begriffe hinein wäre eine notwendige Explikation der WL, kann aber hier nur angedeutet werden.

Das „Ich“ (die Ichheit, das Wir und Ich und Du, die Vernunft) ist selbst repräsentativ, selbst substantieller Denk- und Selbstbestimmungsakt – bezogen natürlich auf das Absolute – und als solcher substantieller Akt kann es auf die innere Wesensgesetzlichkeit des Existentialaktes des Lichtes vertrauen. „Vertrauen“ ist natürlich bereits wieder ein außerphilosophischer Ausdruck, aber im Duktus dieser 12. u. 13. Vorlesungsstunde kann das als „Glaube“ bezeichnet werden, wodurch die repräsentative Form des Sich-Wissens im Absoluten begründet und gerechtfertigt ist.

Gäbe es hier kein Vertrauen und keinen Glauben, könnte diese Lichtform und Existentialform des Wissens zwar als Denknotwendigkeit eventuell festgestellt werden, aber diese Faktizität wäre zu wenig. Deshalb wiederum der Glaube zwecks Begründung und Rechtfertigung.

Sowohl das Wissen in seiner bloß formalen Form der Wissensprinzipien hat einen konkreteren Anknüpfungspunkt an das Absolute gefunden, den Repräsentanten desselben in der Ichheit, aber auch der Glaube in seiner Verwiesenheit auf inhaltlich Absolutes, auf eine qualitative Rechtheit und Lichtheit, hat einen konkreten Inhalt gefunden, „ichhaft“, interpersonal, vernünftig, ergeht das zu realisierenden Soll.

Das hier erscheinende Absolute, ist daher wirklich nicht unmittelbar das absolute, sondern es ist nur in seiner Repräsentation; u. es ist wirklich objektivirt; u. wir bedürfen es nicht weiter, die Gültigkeit” davon durch einen Glauben niederzuschlagen, sondern wir können es gestehen, u. anerkennen, denn wir haben es erklärt: – es ist repräsentirt, u. objectivirt, nicht weil das absolute repräsentirt pp sondern weil das Licht sich selber repräsentirt u. objektivirt werden muß, u. vermittelst pp. Das wahre Absolute <in seiner> Unmittelbarkeit haben wir jezt wo anders, in A. – u. zwar in der reinen absoluten Genesis, Genesis sage ich von A. –. Wie nun* aber A. zu einem selbstständigen Seyn in sich selber komme, aus welchem doch allein erst seine Repräsentation in ihm selber, u. aus dieser die des Absoluten folgt, wissen wir dermalen selbst noch nicht.“ (ebd. S 241, Z 1ff)

Die Glaubensform wie die Lichtform/Wissensform sind durch diese Analyse nochmals näher bestimmt:

a) Das Produkt der Glaubensform, das, unterschieden von der objektiven, äußeren Existentialform des Wissens und des Lichtes, ein unabhängigen Dasein des Absoluten setzt, ist nicht ein allgemeines, unbestimmtes Produkt, sondern ist immer schon im repräsentierenden Vollzug ein „ichhaftes“ Produkt; der Glaube glaubt zwar nicht an die Form des Produzierens, aber wenn er die Rechtheit und Lichtheit des Absoluten dem Inhalte nach glauben und realisieren will, ist er auch genötigt, diese in einer bestimmten Form einer „ichhaften“ Repräsentation festzuhalten und zu glauben.

b) Das geläuterte Wissen zeigt sich so: Die intuitive und intelligierende Einsicht in das Dass des Existentialaktes/Lichtaktes des Absoluten der Form nach, das transzendental weder bloß realistische Supposition, noch idealistische Spekulation sein kann, muss die Produktionsform eines dieses Licht repräsentierenden Ichs haben.

M. a. W.: Das Absolute kann nur so innerhalb des Wissens gedacht werden, dass nicht nur via negativa (durch begriffliche Negation, apophatisch), aber auch nicht nur via positiva (durch Glauben, kataphatisch) zum Absoluten aufgestiegen bzw. vom Absoluten herabgestiegen werden kann, sondern in jedem Erkenntnisvollzug wird die innere Wesensgesetzlichkeit des Wissen negativ wie positiv gleichzeitig, in dauernder Differenz und dauernder Einheit zugleich, gewusst. Das Absolute kann erreicht werden im differentiellen Denken bei dauerndem Glauben an diese Einheit in der Form.

Fichte gibt selber ein Resümee des bisher Abgeleiteten in drei Punkten (ebd. S 241, ab Z 13 – 26) – was ich jetzt überspringe, kommt aber schlussendlich ausdrücklich auf die Erkenntnisweise des Glaubens zu sprechen, wodurch wir diese Analyse der äußeren Existentialform des Lichts/des Wissens als Repräsentation des Absoluten ja erst erreicht haben: „(…) „damit ich Sie doch nicht ohne neues entlasse: Das Selbständige Seyn des A. giebt ihm offenbar die objective ExistentialForm in die es aufgenommen ist. Wie ist es denn zu dieser Form gekommen? Ist wohl einerlei mit der Frage: wie sind wir denn zu demselben gekommen; denn so wir zu demselben

kommen, kommt es eben Uns gegenüber in diese Form. Antw.: Durch den Glauben. Er giebt diese Form, unmittelbar durch sein faktisches seyn, durch sich selber, als Faktum; ohnerachtet er freilich an das Produkt dieser Form als solcher nicht glaubt, weil er sodann eben nicht Glaube wäre, u. das Absolute gar nicht hätte. Er giebt diese Form, diese Form aber giebt selbstständiges Seyn, mithin ist er es der pp. Er hält sich, nicht glaubend an das wirkl. Seyn dieser Form, an das Resultat seines Formgebens, und giebt über demselben sich selbst sein Seyn, als das wahre, u. höchste Seyn; wovon das andere nur das vermittelte, an welches er daher ohne Zweifel nicht glaubt, da er an den Grund desselben, die Form, nicht glaubt:“ (ebd. S 241 Z 26 – bis S 242 Z 5)

Der Glaube verschafft Klarheit im Unterschied zwischen absolutem Wissen und dem Absoluten, und bindet zugleich die Wissensform/Lichtform zurück auf eine unmittelbare Repräsentation des Absoluten.

Schließlich die Auflösung dieses allgemeinen Begriffes der Repräsentation:

Ferner: was ist, d<a>s“ dieses Formgeben unabtrennlich, als sein Neben, u. Wechselglied mitbringt, oder von ihm mitgebracht wird? Antw. Die absolute Reflektirbarkeit, das Wir, oder Ich: und so würde denn das Ich, u. zwar das absolute des Glaubens, oder der [/] W. L. zum unmittelbaren Repräsentanten des Absoluten werden; u. die Anschauung u. das Intelligiren des Absoluten als Absoluten nur zu seinem, des Ich, Repräsentanten, freilich in Beziehung auf ihn zum absoluten Repräsentanten.“ (ebd. S 242, Z 6ff Hervorhebung von mir)

Das Thema „Glaube und Wissen“ geht dann noch weiter, insofern die intelligible Bedingung des Glaubens für eine vollständige Deduktion des absoluten Wissens ja „verdächtig“ (ebd, Z 13) scheint, weil sie so willkürlich eingeführt wurde? Fichte deutet deshalb an, dass aus dem Begriff des Absoluten notwendig zur Als-Form der Erkenntnis und des Wissens intelligierend übergegangen werden muss – falls eine transzendentale Erkenntnis angestrebt wird und die Glaubensbedingung nicht ganz willkürlich angesetzt sein will.

Umgekehrt wirkt die intelligible Bedingung des Glaubens auch zurück auf das notwendige Wesensgesetz des Wissens: Bei aller noch auffindbaren Notwendigkeit muss die Freiheit des Glaubens trotzdem erhalten bleiben (kompatibel) sein, andernfalls käme das Wissen selbst zu keiner letztgültigen und begründeten und gerechtfertigten Erkenntnis. Die WL mit ihren notwendigen Denk- und Wissensformen ist erst gültig und wahr, wenn sie zugleich im Glauben und in Freiheit realisiert werden kann. Die Aufforderung zum freien Nachvollzug ist konstitutive Bedingung der reflektierenden Analyse.

(….) es liegt schlechthin im göttlichen Existiren, daß in ihm das absolute als absolutes vorkomme. ..- . Nur müste freilich die faktische Erscheinung der Freiheit, u. Zufälligkeit des Glaubens dabei bestehen können‘, daß wir daher nur einen andern Begriff der Nothwendigkeit, als den gewöhnlichen anzuschaffen hätten. Wie dies alles <aus einan>der gehen wird pp.“ (ebd. S 242, Z 16)

Da die WL mit ihrem problematischen „Soll, so muss“ zu einer geschlossenen Einheit der Wissensprinzipien einerseits, aber zu einer offenen Bestimmung der erscheinenden Wirklichkeit in ihrem qualitativen Wertcharakter mittels Glauben andererseits kommt, ist es jetzt an der Zeit, das Repräsentationsvermögen der Ichheit praktisch zu konstituieren. Andernfalls würden sowohl die apriorischen Wissensformen wie die glaubensmäßig zu erkennende Wert- und Sinnhaftigkeit einer Realität quasi schöngeistige Produkte bleiben: Deshalb kämen jetzt der Anknüpfungspunkte an die GRUNDLAGE ab § 5 ff, bzw. die Verweise auf die praktische Konstitution des Ich in allen späteren Wln: Dass das Ich (der Repräsentant) intelligieren soll, realisiert sich unter der intelligiblen Bedingung des Glaubens in der faktischen Konstitution einer Grundtendenz, die im Triebgefühl zuerst bewusst wird, das, aufgenommen ins Ich als Selbstgefühl, reflektiert als Selbstbewusstsein in Interpersonalität auftritt, eines Ichs, das frei reflektierend Zwecke fassen und Absichten verfolgen kann und als solches das glaubenmäßig gefasste kategorische Gesollte fasst und zu realisieren vermag (nicht gezwungen.) Der Repräsentant ist nicht ein leeres Schema, sondern aktive Vorstellung, Fühlen, Wollen und Handeln, getrieben in dem Sinne, dass es notwendig nach der absoluten Wertfülle verlangt im gehemmten Gefühl, aber dieser Trieb im höchsten natürlich kein Zwang mehr ist, sondern freie Realisierung einer im Absoluten begründeten Wertfülle. Die Realisierung dieser Wertfülle, ein „Trieb“ unter Anführungszeichen, bleibt der Freiheit und dem Glauben anheimgestellt.

(c) Dr. Franz Strasser, Altheim, 12. 3. 2019

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1 Wenn ich richtig vergleiche: Wenn ein Heidegger glaubte, dass das Denken in einem Verhältnis zum Sein stünde, dass ersteres das letztere nie erreichen kann, so steht hier das Wissen in einem Verhältnis zur Existenz, Existenz aber ist bedingt durch das daseiende Absolute, das implizit in jedem Wissensakt/Lichtakt mit ausgesagt wird, negativ wie positiv.

2Zum Begriff der „Repräsentation“ siehe z. B. Gaetano Rametta, Der Begriff „Repräsentation“ in der Wissenschaftslehre 1805. In: Fichte-Studien Bd, 34 2009, 153 – 170.

3Gaetano Rametta, ebd. S 163.

4Gaetano Rametta, ebd. S 167.

J. G. Fichte, Glaube und Wissen in der WL 1805, 12. Vorlesungsstunde – 1. Teil

Vorbemerkung:
In dieser WL behandelt FICHTE in der 12. und 13. Stunde des „4. Vortrages der Wissenschaftslehre“ (gemeint ist der WL von 1804) das Verhältnis des Glaubens zum Wissen (und umgekehrt) im Hinblick auf die Ableitung des Wissens in und aus dem Absoluten. Es wird eine „prima philosophia“ vorgetragen und geschrieben im Sinne einer a) absoluten Gewissheit der Erkenntnis des Absoluten, b) die Unterscheidung und Absetzung des absoluten Wissens vom Absoluten, und c) die Darlegung dieser Erkenntnis der Erkenntnis des Absoluten in einem (leider nur mehr sehr kurzen) Ausblick der Anwendung.

Meine These: Dass wir eine Erkenntnis des Absoluten und eine damit einhergehende Forderung der Wahrheit und des Solls haben, das kann aus prinzipiellen Gründen der Lichtform und der Existentialform des Wissens bereits eingesehen werden, als faktische Denknotwendigkeit. Was diese wesentliche Denknotwendigkeit derm Wesen und der qualitativen Rechtheit und Lichtheit nach ist, kann allerdings nur geglaubt werden, damit sowohl die apriorische Denkform selbst in ihrer Möglichkeit zum „einen Teil“ existieren kann, zum anderen Teil aber auch die Freiheit in ihrer Realisierung des aus dem problematischen Soll kommenden Forderung existieren kann. In der intuitiv und intelligierbar ableitbaren Wesensgesetzlichkeit des Wissens muss der Glaube einerseits konstitutiv erhalten bleiben, ansonsten relativiert sich die erkennbare Wesensgesetzlichkeit selbst zu einem zirkelhaften Unterfangen, und umgekehrt bedarf der Glaube der reflexiven Selbstständigkeit einer Licht/und Existentialform des Wissens, damit er als eigene Repräsentation des Absoluten begriffen werden kann. Die Einsicht im Glauben ist m. E. nicht „ein dunkler Grund des Wissens in der Wissenschaftslehre 1805“, wie G. Zöller seltsamerweise seinen Artikel in Bd. 34 der Fichte-Studien überschreibt, sondern der Glaube schenktvollkommene Klarheit“ (12. Vorlesung, GA II, 9, S 235/Z 29f), istdie WL selbst“ (13. Vorlesung, ebd. S 241/Z18) 1

Glauben und Wissen sind nicht gegeneinander auszuspielen, noch ist eine Form der anderen über- oder untergeordnet, sondern beide Formen sind notwendig zwei modi des Erkennens, Wollens und Handelns. Sie müssen synthetisch zusammengehören, wenn die Wissenschaftslehre einerseits ein in apriorischen Wissensformen geschlossenes System sein will, andererseits aber auch ein in Formen des praktischen Handelns und Wollens offenes System.

Die glaubensmäßige Erfassung des Absoluten, wie es kommen wird, ist nicht ein blinder, dogmatischer Realismus oder ein alles skeptisierender, relativierender Idealismus – Realismen und Idealismen sind alles Vorstufen einer transzendentalen Wissensbegründung – , sondern soll gerade die methodische Distanz zu einer bloß reflexiven und relativen Erkenntnisbemühung ermöglichenund auf eine interpersonale (ichhafte, repräsentative) Erörterung und Bewährung hin sich öffnen. Das Quale einer wahren Erkenntnis ist gerade nicht vermittelt, beginnt im Gefühl und endet in der Erkenntnis der Rechtheit und Lichtheit des Absoluten. Das Gefühl ist Beginn der Realität – und daran wird geglaubt! 2

Der glaubensmäßige Erkenntnisvollzug bleibt so eine konstitutive Begleitung in allem Erkennen, Wollen und Handeln.3

Die Philosophie bedarf des Glaubens, aber umgekehrt bedarf der Glauben des kritischen Werkzeugs der Philosophie, andernfalls a) er sich selbst nicht rational verstehen und mitteilen und b) seine eigene, erkenntniskritische Position nicht adäquat einschätzen könnte.

Es bleibt für mich immer noch die Schwierigkeit, die Ableitung des (absoluten) Wissens aus dem Absoluten adäquat darzulegen. Das Absolute in seiner qualitativen Rechtheit und Lichtheit und in seinem durch sich selbst bestimmten Willen, muss (neben dem Glauben) auch in begrifflich-explikativer Weise, durch den Verstand, als Erkenntnis in Erkenntnis dargelegt werden können. Hier selektiere ich sozusagen nur den Glaubensbegriff aus der 12. u. 13. Vorlesung – aber konstitutiv bleibt er für die ganze WL 1805 bzw. für alle Wln – und so müsste er sich auch in der begrifflichen Darlegung der Erkenntnis der Erkenntnis auswirken (in Naturlehre, Sittenlehre, Gesellschaftslehre, Religionslehre, Geschichtslehre.)

Nochmals meine These zur Diskussion: Die durch das existentiale Licht des Absoluten erreichbare Erkenntnis der Erkenntnis der Dinge muss glaubensmäßig deren qualitative Evidenz und Werthaftigkeit hinzukommen, sonst bleibt eine reine, unbegründete und ungerechtfertigte Faktizität des Denkens übrig. Das Absolute würde relativierbar, die Freiheit wäre hinfällig.

Wenn das Licht sich projiziert in eine stehende Intuition per hiatum, so bleibt auch für die Nachkonstruktion der Wesensgesetzlichkeit des Wissens – für die Faktizität der Anschauung und für die Faktizität der Mannigfaltigkeit der Welt – der glaubensmäßige Vollzug für die Erkenntnis ihrer Sinn- und Werthaftigkeit konstitutiv vonnöten.

M. a. W., die Erkenntnis der formalen Wissensprinzipien der Wirklichkeit ist Aufgabe der Philosophie, aber gerade diese verweisen unter Bezugnahme auf die aus der Wahrheit als Wert hervorgehende Forderung auf eine glaubensmäßig zu erfassende, vorgegebene Realität. (Realität hier im weitesten Sinne verstanden, z. B. auch als andere Person.)

Im letzten Vortrag der WL 1805, 29. Stunde (GA II, 9, S 308, Z 10ff ), fasst Fichte nochmals zusammen, dass „(Ich sage) durch Voraussetzung eines absoluten Gesetzes also zu denken, wie wir gedacht haben: Eines Reflexionsgesetzes, auf Freiheit als Bild des absoluten, – an Freiheit. 1.) Dieses Reflexionsgesez, so wie es beschrieben worden, ist nun einzusehen, als der Eine Grund des Wissens; durch welches gesezt wird, alles, was da gesezt wird; die einzige, und ganze Weise, wie das absolute eintritt in das Wissen.“ (ebd)

Die über viele Vorlesungsstunden sich hinziehende Ableitung des Wissens aus dem Absoluten in der Form der Ichheit bzw. Verstandeseinheit (Existentialform des Lichts) zeitigt das ipso facto im freien Vollzug entstandene repräsentative Bild des Absoluten, sprich einer „Ichheit“, ein bildendes und gebildetes Bild, das in seiner Wahrheit und Wahrhaftigkeit von der Freiheit abhängt, wie von der erhofften (geglaubten) Übereinstimmung mit dem wahren Sein – „factum fiens, factum factum“ (16. Stunde, ebd. S 253, Z 6)?

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1.) Jetzt direkt der Einstieg in die 12. Vorlesungsstunde: Nach einer bereits erreichten Höhe der Einsicht in die absolute Gewissheit des Absoluten in der Wissensform des Lichtes, hinterfrägt Fichte in der 12. Vorlesung die bereits erreichte Einsicht. In der 11. Vorlesung spricht er noch von der „absolute Reflektirbarkeit“ (ebd. S 231, Z 22) „ (und diese) steht uns fest, u. diese zu läugnen, willen wir uns ja nie verleiten lassen.“ (ebd. S 231), aber gerade diese Reflektierbarkeit an sich ist jetzt verdächtig, und könnte nur leere, willkürliche Reflexion des Denkens sein. Deshalb, nicht aus Verlegenheit oder Nicht-mehr-weiter Wissen, kommt jetzt explizit die Stufe der Glaubensgewissheit notwendig hinzu, damit gerade jeder Verdacht einer bloß projizierten und objektivieren Wahrheitsaussage vernichtet werden kann. Das Glaubenswissen ist nicht einfach ein willkürliches Enden des kritischen Wissensdiskurses, sondern die notwendige Bedingung, sollte die Wissensform des Lichtes auch als philosophisch wahr und gerechtfertigt erscheinen.

Das Wissen ist auf dieser bisher erreichten Stufe als „faktisches Licht“ (12. Vorlesung, S 233, Z 5) einsehbar, aber davon auf eine realistische oder idealistische Begründung aus dem Absoluten zu schließen, würde zu einem Zirkel führen und würde das Niveau der erreichten Höhe in der Form der Einheit im Wissen wieder völlig unterschreiten. Das Absolute muss in der Wissensform des Lichtes erscheinen und darin bleiben, aber wie das anschauen und bewähren? Weil die Begründung und Rechtfertigung des Wissens, bzw. die Wesensform des Lichtes, nicht über die Faktizität seines Vollzuges hinausweisen kann – deshalb jetzt hier wörtlich und notwendig der Erkenntnismodus des Glaubens.4

(…) ein rein praktisches, reelles Machen, u anfangen aller Wahrheit durchaus per hiatum. Schlechthin frei, Ansicht nehmen, u Maxime machen, sich machen zu einem so sehen: aus keinem Sehen: indem alles andere Sehen das Gegentheil aussagt -. Nicht gelten lassen: gelten lassen: Wie nennen wirs? Glaube: sezt faktisches Licht, durchaus leer, u. nichtig: absolut aus u. von sich selber machend, das formale Quale (….)(ebd. 233, Z 10 ff; Hervorhebung von mir)

Wenn das Absolute als Grund des Lichtes notwendig in der Reflexionsform des Wissens gedacht werden muss (intuitiv eingesehen und intelligierend bestätigt), so braucht es eine zusätzliche intelligible Bedingung der qualitativen Rechtheit und Lichtheit dieser Faktizität, eben die Bedingung des Glaubens.

Diese intelligible Bedingung des Glaubens ist nicht ein bloß erdachter Schluss: Der Glaube erschafft nicht das absolute: wäre wieder der erste Irrthum, der durch einen neuen Glauben vernichtet werden müsste, daß daher der erste Glaube nicht der absolute Glaube gewesen wäre; sondern ihm, als dem lezten u. absoluten Fakto giebt sich das absolute: Er hebt in sich an vom Unglauben an sich selber; diese<m> giebt sich das Absolute, u. so erst wird er positiver Glaube. 2.). Der Glaube“ ist Unglaube an die absolute Reflektirbarkeit: er ist daher bedingt dadurch daß man diese, als absolut faktisch, erkenne, und als solche sie gelten lasse. Das Kunststük auf einem andern Wege zu einem vermeinten Absoluten zu kommen, läßt sich nun nachmachen: man hört irgendwo auf zu reflektiren, oder falls man Vorgänger gehabt, die die absolute Reflektirbarkeit behauptet, läugnet diese für irgend eine Stelle im System des Wissens“, wo man das Absolute gern hin hätte. -. Dadurch macht man sich nun blind; u es entsteht ein blinder Glaube, der weil er eben blind ist, blind ist auch in sich selber, und sich drum nicht für Glauben, sondern für Wissen hält.“ (ebd. S 233.234, Z 33 f Hervorhebung von mir)

Der Glaube ist Unglaube an die Form des Wissens, und zugleich Glaube an den in der Wissensform intuierten und intelligierten Inhalt eines übergehenden Willens, ist Glaube an die intellektuelle Anschauung einer absolut qualitativen Rechtheit und Lichtheit. Bloß durch reflexiven Rückschluss könnte das Absolute in seiner qualitativen Rechtheit und Lichtheit nicht eingesehen werden. Fichte spricht deshalb an dieser Stelle von Fehlschlüssen wie z. B. bei Schelling und Hegel, wenn diese meinen, diese notwendige intelligible Bedingung des Glaubens könne leichtfertig übergangen werden. In Wahrheit hören sie in ihrem Reflektieren an einer Stelle auf und setzen ihr Subjektives als Absolutes hin. „Wahres Princip der tollsten Schwärmerei“ (ebd. 234, Z 4), „(…) Materielles Annehmen ohne Intellektualität der Anschauung“.

Mit „Glaube“ meint Fichte nicht einen „abgeschmakten Begriff“ (ebd. Z 9), weil man nicht mehr weiter weiß. Der Glaube ist „der allerbedeutendste Punkt. – Er ist die Quelle aller Realität, und seine Klarheit die Bedingung unsrer Einsicht, (…) „ (ebd. 234, Z 10; Hervorhebung von mir).

(Der Begriff der „Realität“ wurde in der GRUNDLAGE von 1794/95 bereits im Zusammenhang des Glaubens eingeführt und bestätigt sich hier. Siehe oben die Stellen aus der GRUNDLAGE, Anm. 2).

Wie diesen Glauben im Wissen aber trotzdem vermitteln und verstehen? Er soll einerseits nicht außerhalb der Wissensform angesetzt werden („jenseits“), denn dann wäre er wirklich ein „dunkler“ Glaube, andererseits verweist der Grund des Glaubens doch auf eine innerhalb des Wissens liegende einer qualitativen Rechtheit und Lichheit. Der Grund des Glaubens muss außerhalb gedacht werden, zugleich soll er aber innerhalb des Wissens das Wissen bewähren, als „(…) absolut nur wirkendes, u. schlechthin wirkendes Princip der Einsicht jenseits der Einsicht, einen verborgnen, u. hier im Lichte durchaus nicht aufgehenden Grund des Lichtes, und dessen, was in ihm ist. Realität: sey dies vorläufig ihr stehender Charakter.“ (ebd. S 235, Z 5f, Hervorhebung von mir.)

Nochmals wird bestätigt, dass der Glaube/Glaubensakt selbst eine bewusst eingeführte, gesetzte Form des Wissens ist, eine intelligible Bedingung („Geständnis“) und nicht aus Verlegenheit eingeführt.

Nun geht der Anerkenntniß der absoluten Reflektirbarkeit die Einsicht auf, da nicht das absolute, als absolutes, sondern daß das Licht selber Erzeuger dieser Einsicht, also das darin verborgne Reale sey: welche Einsicht auf dieser Stelle (merken Sie wohl,) durch den Glauben keinesweges aufgehoben, u. vernichtet, sondern zugestanden wird, u. in diesem Geständniß allein Bedingung des Glaubens ist. Dagegen geht dem Glauben das absolute als solches (das rechte wahre absolute) auf, als Erzeuger, nicht jenes, sondern dieses andren Lichtes, in welchem es selbst schwimmt. Dort war daher etwas nicht aufgegangen, in der absoluten Lichtform, dem als; es war concrescirt, u. dunkel, u. dadurch wurde es Realität / eben das verdunkelte absolute: – welches nun die Realität selbst seyn würde, u. Dunkelheit ihre absolute Bedingung. (ebd. Z 10ff; Hervorhebung von mir)

Die absolute Reflektierbarkeit des „Als“ erreicht von sich her offensichtlich nicht dieses „concrescirte“ u. „andere“ Licht, in welchem der Glauben „schwimmt“. (Es folgen poetische Bilder, ähnlich wie in der Hl. Schrift: Gott im Dunkeln siehe z. B. 1 Kön 8, 12 u. a.)

Fichte denkt hier versuchsweise durch, in der Wissensform des Als das Absolute als Prinzip der Einsicht zu fassen, dann könnte „in dieser Rücksicht das Prinzipseyende Absolute die Realität (genannt werden), aber nicht in dem herkömmlichen Sinne eines Grund-Folge-Verhältnis, sondern die Realität ist im Lichte, ist in ihm Princip des in ihm seyenden Lichtes, sie ist aber keineswegs Prinzip des absoluten Lichts, welches ohne alle Anwendung des Grundes, u. der Folge, des Princip und Principiat (durchaus mit dem absoluten, u. dieses mit ihr aufgeht.“ (ebd. S 235, Z 25 ff) Das Absolute muss jenseits der Produktionsform des Wissens und einer bloß begrifflichen Realität liegen – und deshalb müsste die Realität gegenüber diesem qualitativen Lichtsein des Absoluten geradezu als „Dunkelheit“ (ebd. Z 28) erscheinen – und verschwinden in „vollkommner Klarheit, d. i. dem Aufgehen des Lichts mit dem Absoluten als absoluten, welche vollkommne Klarrheit allerdings möglich ist, denn wir haben sie in der vorigen Stunde, u. in diesem Augenblike wieder wirklich gemacht.“ (ebd. Z 29ff)

Das Absolute als „Realität“ zu denken ist nicht möglich, erst im Glauben, so der im Geiste selbst zu vollziehende Schluss, tritt „vollkommne Klarheit“ ein, Wissen einer qualitativen, unwandelbaren Evidenz der Rechtheit und Lichtheit, unabhängig von einem logischen Grund-Folge-Denken.

Dies wird, auf eine sehr einleuchtende, u. stringente Weise (deren Erfassung nur eine selbst bisher noch nicht gefoderte Schärfe des Denkens erfodert[)]: – . Ich beschuldige nemlich mich selbst, u. Sie insgesammt, daß wir selbst die von uns zu Stande gebrachte Einsicht des absoluten nicht scharf genug angesehen haben: Sichtbar ist so in ihr enthalten nicht nur das absolute als absolutes, sondern zugleich als Grund. Das Licht in seiner absoluten Form, über u. an dem absoluten als absoluten, bringt daher schlechthin aus sich, u. durch sich den Grund mit (den wir oben, nicht scharf attendirend vernichten wollten:[)] W. D. E. W.“ [(ebd. 12.Vorlesungsstunde, S. 236 Z 11ff)

Der Glaube steht hier nicht tiefer als das Wissen in seiner Form, er ist aber unbedingte intelligible Bedingung, damit die von der Lichtform beanspruchte Einsicht in die Gewissheit und Dassheit des Absoluten auch dem Wesen nach begründet und gerechtfertigt werden kann. Und umgekehrt, das Wissen steht nicht tiefer als der Glaube, es ist der „zweite Theil“ (ebd. S 236, Z 30)

Was haben wir eingesehen: Das göttliche Existiren ist das Licht selbst schlechthin unmittelbar: ferner das Licht ist Grund seyn: das göttliche Existiren ist daher schlechthin unmittelbar sein Grundseyn; ausser allem Lichte, denn sein Grundseyn ist eben das Licht: – . Dem Lichte unzugänglich, denn hierin al[l]ein ist es absolut, u. unerforschlich: lediglich anzuerkennend“, wie wir es dermalen anerkannt haben. (Grund, nicht denkend, sondern er ists. Wir selbst,“ die W. L., sollen nicht mehr wie bisher von der Vernichtung des Scheines, u. dem Glauben nur reden, sondern wir sollen damit selbst Ernst machen; ein durch setzen, ohne durch.) Innerhalb dieses absoluten Lichtes erst erscheint, nach der oben vollzognen Einsicht, erst das absolute, als solches, und als Grund. Diese Einsicht ist daher nichts anderes, als das absolute Intelligireno des Wesens des Lichtes, wie es in sich selbst ist: nur der zweite Theil dazu, u. das aus der zweiten Hand: freilich das absolute, u. unerzeugte Intelligiren.“ (ebd. S 236 ab Z 19ff) (Hervorhebung von mir)

1Günter Zöller, „Einsicht im Glauben“. Der dunkle Grund des Wissens in der Wissenschaftslehre 1805. Fichte-Studien, Bd. 34. , 2009, 203- 219. Dieser ganze Band 34 ist der WL 1805 gewidmet und beleuchtet verschiedene Aspekte. Ich beschränke mich auf die 12. u. 13. Vorlesungsstunde und nehme gelegentlich Bezug auf diese Fichte-Studien Bd. 34. Günter Zöller wählt für seinem Artikel eine höchst unglückliche Überschrift, wiewohl ich sonst nichts dagegen sagen könnte. Der zitierte „blinde“ Glaube (S 233f Z 33) bezieht sich ja auf die Idealisten wie Schelling und Hegel, von deren negativen Glaubensbegriff sich Fichte wahrlich absetzen will. Warum soll die „Einsicht im Glauben“ zugleich als „dunkler Grund des Wissens“ charakterisiert werden?

2 Nur im Verstande ist Realität**[3]; er ist das Vermögen | des Wirklichen; in ihm erst wird das Ideale zum Realen [daher drückt verstehen auch eine Beziehung auf etwas aus, das uns ohne unser Zuthun von aussen kommen soll]. Die Einbildungskraft producirt Realität; aber es ist in ihr keine Realität; erst durch die Auffassung und das Begreifen im Verstande wird ihr Product etwas Reales. — Demjenigen, dessen wir uns als eines Productes der Einbildungskraft bewusst sind, schreiben wir nicht Realität zu; wohl aber dem, was wir im Verstande, dem wir gar kein Vermögen der Production, sondern bloss des Aufbehaltens zuschreiben, als enthalten antreffen. — SW I, 234. § 4 Deduktion der Vorstellung;

§ 6 Vorbereitung der praktischen Grundlage der glaubensmäßig geprägten Vorstellung: „(Hier liegt der Grund aller Realität. Lediglich durch die Beziehung des Gefühls auf das Ich, die wir jetzt nachgewiesen haben, wird Realität für das Ich möglich, sowohl die des Ich, als die des Nicht-Ich. — Etwas, das lediglich durch die Beziehung eines Gefühls möglich wird, ohne dass das Ich seiner Anschauung desselben sich bewusst wird, noch bewusst werden kann, und das daher gefühlt zu seyn scheint, wird geglaubt.An Realität überhaupt, sowohl die des Ich, als des Nicht-Ich, findet lediglich ein Glaube statt.) (ebd. SW I, 301)

3 Ein SCHELLING oder HEGEL haben sich ja den Weg zum Absoluten total verbaut, indem sie nicht unterschieden haben zwischen dem Absoluten und dem absoluten Wissen. So gelangten sie nur zu einer relativen, realistischen oder idealistischen Position. Es wird gerade an dieser Stelle der WL 1805, wo es um die konstitutive Funktion des Glaubens im Wissen geht, explizit von Fichte auf Schelling – und inkludierend Hegel – verwiesen werden.

4Fichte drückt am Ende der 11. Vorlesung seine Zweifel an der Wissensform und Lichtform so aus: Jezt aber besinnen wir uns doch auf uns selber; sind es denn nicht wir, die diesen Gedanken gedacht haben; haben wir nicht das Absolute objectivirt, u. projicirt, was ja, als sehen, Produkt des stehenden Lichts ist; ihn intelligirt, ausdrüklich, als absolutes, u ihn darum also bestimmt: Kurz trägt er nicht in seiner ganzen Gestalt ganz deutlich die Merkmale seiner Erzeugung aus dem anwesenden, u. waltenden Lichte, nach seiner ganzen Gesezgebung. – . Es ist daher durchaus u. ganz die schon oben zu Stande gebrachte täuschende Genesis des Lichts in sich selber: nur wiederholt, u. zweimahl gesezt. Das «mit ihm gefaßte Absolute [/] ist nicht absolut, sondern selbst ein Relationsglied, projicirt aus dem Lichte, als der stehenden Relation. Wir sind nicht weitergekommen, und nicht zu dem absoluten. – Wir können ferner einsehen (u. ich ersuche Sie, diese Einsicht bei sich zu vollziehen, u sie auf ewig festzusetzen) daß es uns bei keinem ins unendliche wiederholten versuche besser gehen wird. (…) „ S 230, Z 21ff)