PLATON, Die Idee des Guten

PLATON, Die Idee des Guten

Die bekannte Stelle in der „Politeia“, worin die Idee des Guten noch über dem Sein stehend bezeichnet wird (509b) – und auf die ich hinsteuern will – ist von PLATONS Sokrates sorgfältig vorbereitet. Einmal in Richtung eines benevolenten Gewinnens der Zuhörer und dann in Richtung einer gewissen Selbstbescheidenheit, „weil für den jetzigen Anlauf (der Weg) viel zu weit ist“(506e) und Sokrates den Zuhörern nur vom „Sprössling“ (ebd.) der Idee des Guten reden kann. Sie könnten jetzt nicht den vollen Gewinn der Rede einstreifen, aber wenigstens „die Zinsen“ (ebd. 507a)

Diese transzendentalen Deutungen oder Explikationen der Ideenlehre PLATONS verdanke ich Platonvorträgen von F. BADER. Ich möchte ihn hier aber nicht mit meinen Mitschriften vereinnahmen. Es sind nur meine kümmerlichen Rezeptionen. Jeder Philosophiegeschichtsschreiber, der Behauptungen rezipiert, muss  ja selber schon ein Kriterium des Unterschieds haben, welche philosophische Behauptungen er zulässt und welche nicht. Man bringt ja selber stets hermeneutische Kriterien mit,  die unwillkürlich in jede Interpretation miteinfließen – und von denen  nicht abstrahiert werden kann.

Wie könnte jemand  PLATON – was sich m. E. besonders schön an der Idee des Guten  zeigen lässt – rezipieren, wenn man nicht selbst a) einen transzendentalen Philosophiebegriff, b) einen systematischen Standpunkt und eine c) Vollständigkeit des Systems  voraussetzen kann?

1) Zuerst weckt Sokrates das Interesse des Glaukon und aller seiner Zuhörer für die höchste Idee der Philosophie, für das Wesen des Guten schlechthin. Dann schmeichelt er dem Glaukon (und den anderen) und schmälert zugleich die Meinungen anderer.

506b: „Notwendig, sagte er. Aber du, o Sokrates, sagst denn du, Erkenntnis sei das Gute oder Lust, oder ein anderes als beides?

Du trefflicher Mann, sprach ich, dir sah ich es schon lange an, daß du nicht genug haben würdest an dem, was andere hierüber meinen

2) Glaukon ist inzwischen so neugierig geworden, dass er begierig ist, die persönliche Meinung und Ansicht des Sokrates zu hören, zumal er weiß, dass er, Sokrates, sich schon viel damit beschäftigt hat.

Es scheint mir auch nicht recht, sagte er, o Sokrates, daß man nur anderer Lehren hierüber soll vorzutragen wissen, seine eigene aber nicht, zumal wenn man so lange

S506c Zeit sich hiermit beschäftigt hat-

3) Sokrates erhebt nochmals den Anspruch, nur über gesichertes Wissen reden zu wollen. Glaukon stimmt ihm zu. Das echte, wahre Wissen ist zu unterscheiden von einer bloßen Meinung.

Wie? sprach ich, dünkt dich denn das recht, was einer nicht weiß, darüber doch zu reden, als wisse er es?

Keineswegs wohl, sagte er, als wisse er es; wohl aber soll er als Meinung vortragen wollen, was er darüber meint.

4) Glaukon ist jetzt direkt beängstigt, nach vielleicht vielen negativen Erfahrungen?, dass er wieder enttäuscht werden könnte. .

Daß du uns, beim Zeus, o Sokrates, sprach Glaukon, nur nicht noch am Ende im Stich lässest. Denn wir wollen zufrieden sein, wenn du auch nur ebenso, wie du über die Gerechtigkeit und Besonnenheit und das übrige geredet hast, auch über das Gute reden willst.

5) Sokrates spielt nochmals mit dem Zutrauen des Glaukon und der anderen – und stapelt seine Rede nochmals tiefer – um wohl das Nachfolgende erst recht erglänzen zu lassen.?

Auch ich, sprach ich, lieber Freund, wollte gar sehr zufrieden sein! Aber daß ich es nur nicht unvermögend bin, und wenn ich es dann doch versuche, mich ungeschickt gebärde und euch zu lachen mache!

6) Er spricht dann vom „Sprössling“, welche Rede man nicht gleich versteht. Später weiß man, er meint mit „Sprössling“ ein Gleichnis für die Idee des Guten: die qualitative Kraft und Sichtbarkeit der Sonne – und „des Vaters Beschreibung magst du uns ein andermal entrichten“ (506e), was ich so deute, dass in einem analogen Sinne die Abstammung des Sprösslings Sonne vom „Vater“ d. h. Gott , ausgedrückt werden soll.

Das für uns zuerst Sichtbare, das Licht der Sonne, ist aber nur ein analoges, sekundäres Wissen im Vergleich zu dem, was Wissen wirklich ist. (Es würde zu näheren Erläuterung das Sonnengleichnis gut passen! Dort geht es ja in eine ähnliche Richtung, vom Sichtbaren zum Unsichtbaren aufzusteigen!)

Vielleicht hat Sokrates seine, das Zutrauen erheischenden Einleitungen auch so gemeint, dass seine Zuhörer bisher viel zu sinnlich und zu objektivistisch gedacht haben, jetzt ihm aber die Gelegenheit gekommen scheint, klarer und deutlicher zu reden.Wenigstens sollen die Zuhörer einmal diese Rede als „Abschlag“, als Anzahlung nehmen.

Allein, ihr Herrlichen, was

S506e das Gute selbst ist, wollen wir für jetzt doch lassen; denn es scheint mir für unsern jetzigen Anlauf viel zu weit, auch nur bis zu dem zu kommen, was ich jetzt darüber denke. Was mir aber als ein Sprößling, und zwar als ein sehr ähnlicher des Guten erscheint, (– leider ist eine Übertragung von Platon-CD in griechische Orthographie nicht möglich: „hos de eknomos te tou agathou phainetai kai homoiotatos ekeino“)

will ich //V252// euch sagen, wenn es euch auch so recht ist; wo nicht, so wollen wir es lassen.

Nein, sprach er, sage es nur; und des Vaters Beschreibung magst du uns ein andermal entrichten.

S507a Ich wollte, sagte ich, daß ich euch die ganze Schuld zahlen und ihr sie einstreichen könntet, und nicht wie jetzt nur die Zinsen. Diesen Zins also und Sprößling des Guten nehmt für jetzt auf Abschlag.

Dann die typische sokratische Frage nach dem Wesen einer Sache, die Frage nach dem „was es ist“ (ho estin)

(507b) Dann aber auch wieder das Schöne selbst und das Gute selbst und so auch alles, was wir vorher als vieles setzten, setzen wir als eine Idee eines jeden und nennen es jegliches, was es ist.

So ist es.

7) Es folgt eine m. E. wichtige Unterscheidung zwischen dem Gesehenen und Gedachten. Das Sehen und später das Gesicht bleibt eindeutig eine Stufe tiefer als das Gedachte. Es gibt ein bereits in Disjunktion von Sehen und Gesehenem gesetztes Wissen – und eine dieses Synthesis ermöglichende, sie genetisierende Einheit – eben die dann „epeikena“, jenseits des Seins und der abstrakten Synthesis stehende Idee des Guten. Diese Idee erst begründet und legitimiert die Leistungen des Sehens und des Gesichtsinnes, d. h. das Wissen in diesen Sinnesvermittlungen.

Nach der Lektüre von A. MUES, die Einheit der Sinneswelt, einem Buch aus dem Jahre 1979, aber überaus deutlich in der Erklärung der Sinneserfahrung, ist mir der transzendentale Sinn hinter den Sinneswahrnehmungen wieder bewusst geworden: der Gesichtssinn bzw. das Sehen und das Gehör ermöglichen dem fühlenden Wesen den letzten und höchsten und freien Sich-Bezug. Die Objektivationen der anderen Sinnesempfindungen wie Schmecken, Riechen, Tastsinn, Temperatursinn, sie geben zwar wie alle Empfindung und Lust schon einen gewissen Sich-Bezug und eine Freiheit; doch diese elementaren Sinne sind zugunsten eines höheren Sich-Bezuges überschritten durch das Vermögen des Sehens und Hörens.
PLATON erreicht damit, m. E., eine synthetische Einheit des Wissens, worin die Ideen zugleich die Bedingungen der Erfahrung selbst sind. Der Rückgang auf die apriorischen Erkenntnisbedingungen bleibt bezogen auf die Schematisierung und Anwendung der Begriffe in der sinnlichen Außenwelt und im praktischen Handeln.

Und von jenem vielen sagen wir, daß es gesehen werde, aber nicht gedacht; von den Ideen hingegen, daß sie gedacht werden, aber nicht gesehen.

Auf alle Weise freilich.

S507c Womit nun an uns sehen wir das Gesehene?

Mit dem Gesicht, sagte er.

Nicht auch ebenso, sprach ich, mit dem Gehör das Gehörte, und so mit den übrigen Sinnen alles Wahrnehmbare?

Das Sehen und das Gesicht wird als der vornehmste Sinn gewürdigt, weil es diesen gewussten Selbstbezug erlaubt, eine (quantitative) Totalität der Erkenntnis seiner selbst.

Seltsamerweise und als schmerzlicher Mangel ist vielleicht hier bei PLATON auffallend, dass der Sich-Bezug im Gehörten in einer notwendigen Bedingung nicht mehr erkannt wird. Es sei hier meinerseits angemerkt, dass in den biblischen Texten die Beziehung des Hörens auf das Wort Gottes ausdrücklich als höchste Form der Freiheit expliziert wird. Aber natürlich würde ich PLATON genauso als Theologen sehen! Vielleicht hat er anderswo das Gehör ausdrücklich in seiner transzendentalen Ermöglichungsbedingung reflektiert?

Zuerst heißt es noch, wohl in griechischer Volkstheologie überliefert:

Hast du auch wohl den Bildner der Sinne beachtet, wie er das Vermögen des Sehens und Gesehenwerdens bei weitem am köstlichsten gebildet hat?

Beim Gehör heißt es:

Also betrachte es so. Bedürfen wohl das Gehör und die Stimme noch ein anderes Wesen, damit jenes höre und diese gehört werde, so daß,

S507d wenn diese dritte nicht da ist, jenes nicht hören kann und diese nicht gehört werden?

Keines, sagte er.

Offensichtlich geht es PLATON um den Vorrang des Sehens und des optischen Sinnes – zum Schaden der Ausarbeitung des Gehörs. Aber egal hier. Scharfsichtig leitet er jetzt die notwendige Bedingung des Sehens ab: das Licht, das alles erhellt, und seine Quelle hat in der Sonne. (Die Struktur der anderen Sinneswahrnehmungen lassen in ihrer engen Synthese von Fühlen und Gefühltem die notwendigen Bedingungen ihres Schmeckens, Riechens, Fühlens vielleicht nicht so deutlich hervortreten als das Sehen!?)
Sehen geht nur mit Bedingung:

(507d) Und ich glaube, sprach ich, daß auch die meisten andern, um nicht zu sagen alle, dergleichen nichts bedürfen. Oder weißt du einen anzuführen?

Ich keinen, sagte er.

Aber das Gesicht und das Sichtbare, merkst du nicht, daß die eines solchen bedürfen?

Wieso?

(….)

Welches ist denn dieses, was du meinst? fragte er.

Was du, sprach ich, das Licht nennst.

Du hast recht, sagte er.

Also sind durch eine nicht geringe Sache der Sinn des Gesichts und das Vermögen des Gesehenwerdens

S508a mit einem köstlicheren Bande als die andern solchen Verknüpfungen aneinander gebunden, wenn doch das Licht nichts Unedles ist.

8) Es wird dann klar unterschieden zwischen dem Sehen als Vermögen einerseits und der äußeren Ermöglichungsbedingungen desselben, dem Licht.

Das sichtbare Licht wird sogleich als eine innere Seite eines Selbstbezuges interpretiert. Die Erscheinung des Lichtes kann nur in einer Form des Wissens und des Selbstbewusstseins selbst gesehen werden.

Das Gesicht ist nicht die Sonne, weder es selbst noch auch das, worin es sich befindet und was

S508b wir Auge nennen.

Freilich nicht.

Aber das sonnenähnlichste, denke ich, ist es doch unter allen Werkzeugen der Wahrnehmung.

9) Im Sehen als einem synthetischen Selbstbezug muss noch eine andere Quelle des Erkennens und des Wissens liegen. Es ist nicht das Auge selbst, das sieht, sondern eine höhere Ermöglichungsbedingung wird gesucht. (Kantisch gesprochen, die transzendentale Apperzeption).

Das Gesicht ist nicht die Sonne, weder es selbst noch auch das, worin es sich befindet und was

S508b wir Auge nennen.

Freilich nicht.

Aber das sonnenähnlichste, denke ich, ist es doch unter allen Werkzeugen der Wahrnehmung.

Wollten wir das innere Sehen und Wissen objektivieren und als Vermögen auf seinen Grund zurückführen, kämen wir zu einem theologischen Begriff des Schöpfers bzw. zu einer Ursache der Emanation. („Ausfluss“). Dies wird aber im folgenden nicht aufgegriffen, denn offensichtlich geht es PLATON an dieser Stelle hier um die reine Vernunfteinsicht, um eine apriorische Einheit des Wissens und seiner Begründung. (Die theologischen Sätze in der „Politeia“ siehe andernorts.)

508b Und auch das Vermögen, welches es hat, besitzt es doch als einen von jenem Gott ihm mitgeteilten Ausfluß.

Allerdings.

10) Der oben angesprochene „Sprössling“, die Sonne, wird jetzt, wie schon oben angesprochen, als Analogievergleich interpretiert. (Zur Analogie wäre das Liniengleichnis passend!?)

Und ebendiese nun, sprach ich, sage nur, daß ich verstehe unter jenem Sprößling des Guten, welchen das Gute nach der Ähnlichkeit mit sich gezeugt hat, so daß, wie jenes selbst

S508c in dem Gebiet des Denkbaren zu dem Denken und dem Gedachten sich verhält, so diese in dem des Sichtbaren zu dem Gesicht und dem Gesehenen.

Im Ganzen der Erkenntnisbemühung geht es um die Formulierung eines Übergangs. Das faktische Sehen allein genügt nicht, es bedarf einer Begründung und Rechfertigung dieses Sehens=Wissens durch eine systematische und vollständige Ableitung des Wissens in uns aus einem höchsten Prinzip heraus.

Sokrates bringt in diesem Erkenntniszusammenhang eine praktisch-willentliche Seite ins Spiel:

Wer äußerlich den „Sprössling“ nicht sieht, d. h. das Licht der Sonne, und nicht sehen will, der wird natürlich nichts sehen. Es ist beim Sehen und Erkennen durchaus eine Haltung des Wollens und der Freiheit gefordert, a fortiori beim Erkennen der höchsten Idee des Guten.

Die Augen, sprach ich, weißt du wohl, wenn sie einer nicht auf solche Dinge richtet, auf deren Oberfläche das Tageslicht fällt, sondern auf die nächtlichen Schimmer, so sind sie blöde und scheinen beinahe blind, als ob keine reine Sehkraft in ihnen wäre?

Ganz recht, sagte er.

S508d Wenn aber, denke ich, auf das, was die Sonne bescheint, dann sehen sie deutlich, und es zeigt sich, daß in ebendiesen Augen die Sehkraft wohnt.

11) Die Seele – als Bild des Wissens – ist die verinnerlichte Seite der verobjektivierten äußeren Kraft des Sehens (und der anderen Sinne).

Wie das Sehen auf die notwendige Bedingung des Lichtes bzw. auf die Ursache des Lichtes angewiesen ist, auf die Sonne, so ist die Seele angewiesen und bezogen, bewusst, in Selbstbezugsform, auf die intelligible „Sonne“ der Idee des Guten.

Die Seele muss dabei – entgegen dem vielleicht Sokrates und Glaukon und anderen Zuhörern schon oft begegnet seiendem Relativismus der Meinungen – das Licht einer Wahrheit erkennen können, das für sich selbst untrüglich ist und alles Wissen begründet.

(508d) Ebenso nun betrachte //V254// dasselbe auch an der Seele. Wenn sie sich auf das heftet, woran Wahrheit und das Seiende glänzt, so bemerkt und erkennt sie es, und es zeigt sich, daß sie Vernunft hat. Wenn aber auf das mit Finsternis Gemischte, das Entstehende und Vergehende, so meint sie nur und ihr Gesicht verdunkelt sich so, daß sie ihre Vorstellungen bald so, bald so herumwirft, und wiederum aussieht, als ob sie keine Vernunft hätte.

12) Und nochmals wird von PLATON diese höchste Erkenntnis als eine klare transzendentale, im Sich-Bezug des Wissens angesiedelte Erkenntnis beschrieben. Dies ist im Grunde oben schon vorbereitet worden:

Wie die Sehkraft selber ja auch nicht von der Sonne herkam, wiewohl die Sonne („der Sprössling“) Bedingung des Lichtes war, so hat der Schöpfer das Vermögen des Sehens geschenkt. Dieses Vermögen ist klar ein Sich-Bezug, eine Selbstbewusstsein, eine substantielle Denk- und Seinsbestimmung.

Wenn auch notwendig die „Beschaffenheit des Idee des Guten“ (siehe Zitat unten) dem reflexiven Wissen vorhergeht, so besteht die Einheit des Wissens und die davon unterschiedene Idee des Guten in einem Begründungsverhältnis. Das Wissen des Absoluten ist nicht außerhalb des Wissens zu denken, wiewohl es nicht zu dessen Bedingungen bloß faktisches Wissen ist.

S508e Dieses also, was dem Erkennbaren Wahrheit mitteilt und dem Erkennenden das Vermögen hergibt, sage, sei die Idee des Guten; (Touto toinun to ten aletheian parechon tois gignoskomenois kai to gignoskonti ten dynamin apodidon ten tou agathou idean)

aber wie sie der Erkenntnis und der Wahrheit, als welche erkannt wird, Ursache zwar ist, so wirst du doch, so schön auch diese beide sind, Erkenntnis und Wahrheit, doch nur, wenn du dir jenes als ein anderes und noch Schöneres als beide denkst, richtig denken. Erkenntnis

S509a aber und Wahrheit, so wie dort Licht und Gesicht für sonnenartig zu halten, zwar recht war, für die Sonne selbst aber nicht recht, so ist auch hier diese beiden für gutartig zu halten zwar recht, für das Gute selbst aber, gleichviel welches von beiden anzusehen, nicht recht, sondern noch höher ist die Beschaffenheit des Guten zu schätzen.

Eine überschwengliche Schönheit, sagte er, verkündigst du, wenn es Erkenntnis und Wahrheit hervorbringt, selbst aber noch über diesen steht an Schönheit. (auto d hyper tauta kallei estin)

Für Lust also hältst du es doch gewiß nicht.

Frevle nicht! sprach ich, sondern betrachte sein Ebenbild noch weiter so.

S509b Wie?

Der hervorragende Selbstbezug der Seele, in ihrer Fähigkeit als Sehen schon vorbereitet, ist durch die höchste Idee ein begründetes und wahrhaftes Erkennen, weil es in und aus der Idee des Guten geschieht und daraus genetisiert und gerechtfertigt ist.

Die höchste Idee ist somit apriorische Einheit von Denken und Sein, ist qualitative und quantitative Selbstbestimmung einer „omnitudo realitatis“ (KANT).

Das „ qualitativ“ entnehme ich dem Vergleich mit der Sonne unmittelbar vorher, wo vom „Werden und Wachstum und Nahrung“ die Rede ist. Also durchaus eine qualitative, nicht abstrakte Synthesis ist mit der Idee des Guten gemeint.

509b Die Sonne, denke ich, wirst du sagen, verleihe dem Sichtbaren nicht nur das Vermögen, gesehen zu werden, sondern auch das Werden und Wachstum und Nahrung, unerachtet sie selbst nicht das Werden ist.

Wie sollte sie das sein!

13) Dann die Spitzenstelle der Begründung des sich selbst wissenden Wissens und der apriorischen Einheit von Denken und Sein: Die Begründung, wiewohl im Wissen erkennbar, muss als transzendentallogischer Grund verschieden gedacht werden. Im absoluten Grund oder „jenseits“ (epekeina) des Seins muss der Grund definiert sein, sonst endet alles in einem Regress. Deshalb vielleicht das anfängliche Zögern des Sokrates und sein Herabspielen seines Vortrages, weil der absolute Grund sich nicht begrifflich-logisch fassen lässt!?

(509b) Ebenso nun sage auch, daß dem Erkennbaren nicht nur das Erkanntwerden von dem Guten komme, sondern auch das Sein und Wesen habe es von ihm, da doch das Gute selbst nicht das Sein ist, sondern noch über das Sein an Würde und Kraft hinausragt. (…) (ouk ousia ontos tou agathou all epi epekeina tes ousias kai dynamei hyperechontos)

M. a. W., das Sehen und Gesehene der Sinne, in den Sinnen schon identisch gesetzte Wissen, nochmals übertragen auf die Subjekt-Objekteinheit der Seele und ihrem apriorischen Wissen, sie beruht nicht auf einer bloß leeren Vorstellungseinheit, auf einer abstrakten Einheit, sondern ist so, wie sie erkennt, und erkennt so, wie sie ist, begründet durch ein Totalitätsallgemeines, das allgemein wie konkret alles bewirkt und bestimmt: Die Idee des Guten.

© Dr. Franz Strasser, 9. 7. 2015

Autor: Franz Strasser

Dr. Franz Strasser

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