Transzendentalkritische Lektüre – Ignatius von Antiochen oder die kirchliche Hierarchie, 1. Teil

Warum können oder dürfen Frauen in der röm.-kath. Kirche nicht zu Bischöfinnen/Priesterinnen/Diakoninnen bestellt und geweiht werden, wie eine Bewegung von heute sagt, „Maria, 2.0“?

1) Ich habe die Argumente der Skepsis und der Ablehnung der „Priesterweihe von Frauen“ teilweise gelesen. (Siehe dann ANHANG).

Es sind tiefe, mystagogische Hinführungen zum Priesteramt, zur Person des Heilsvermittlers Jesus Christus, Verweise auf die Hl. Schrift, Verweise auf die lange Rezeptionsgeschichte u. a. m. Ich würde diese Stimmen als „dogmatischen“ Weg zusammenfassen, „dogmatisch“ nicht im Sinne der Theologie, sondern der Erkenntniskritik: Das Wesen eines Sache wird metaphysisch vorausgesetzt, ohne dessen Erkennbarkeit zu prüfen bzw. das Wesen einer Sache wird rein historisch begründet: Das ist historisch so eingesetzt worden. Dabei fällt natürlich sofort auf, dass die quellenkritische und textkritische Grundlage solcher Texte keineswegs sicher ist, sondern alles andere als gewiss! 1

Wie verhält es sich mit den Begriffen „Bischof“, „Presbyter“, „Diakon“? Sind sie metaphysischer Natur, d. h. der Sinngehalt ist mit dem Begriff schon gegeben, ohne aber Rechenschaft abzulegen, wie sie zu diesem Sinngehalt gekommen sind?

Genügt ein anscheinend historisches Argument? Die Exegeten sagen uns, es gab selbst im 2. Jhd. n. Chr. noch so viele Unterschiede an Gemeindeführung, dass historisch keine besondere Autorität aus den Ignatius-Briefen abgeleitet werden könnte. Seltsam nur, dass sich diese Ämterhierarchie durchgesetzt hat – und die Gebundenheit an das männliche Geschlecht?

(Von den verschiedenen Gemeindemodellen und Gemeindeführungen im 1. Jhd. und von führenden Frauen in sämtlichen Texten des Neuen Testamentes sei gar nicht die Rede.)

Und selbst wenn die Historie als Autorität angeführt würde, die alles andere als sicher ist, was besagt das für die Beibehaltung der so streng gehandhabten Hierarchie Bischof-Priester-Diakon und für die Gebundenheit an das männliche Geschlecht – wie es in den Ignatius-Briefen anklingt? Bloße Historie ist vergänglich und ist veränderbar. Die Gebundenheit an das männliche Geschlecht für ein kirchliches und „geweihtes“ Amt kann nicht historisch begründet werden. Ich würde diese Argumentation als emanzipatorischen“ Weg zusammenfassen.

Nun steht der Reformierbarkeit dieser Ämter hinsichtlich Frauenpriestertum oder Frauendiakonat in der katholischen oder orthodoxen Kirche anscheinend doch vieles entgegen, wie eben die zahlreiche Literatur und die reflektierte Praxis zeigt. Rein aus Egalitätsgründen etwas abzuschaffen, das muss noch keinen Sinn haben.2 Aber was ist wirklich, von der Argumentationskraft der Vernunft her gesehen, ein Kriterium, auch für Frauen diese kirchlichen Ämter zu öffnen – oder umgekehrt gesehen, den Frauen das weiter zu verweigern?

Meine These: Es gibt eine Reflexionsform einer Offenbarungsreligion, die notwendig die Repräsentation und Installation von kirchlichen Ämtern verlangt, weil notwendig eine Erkenntnis auch deren Realisierung und Anwendung bedingt.

Die Erkenntnis, die sozusagen alles andere damals beim Heiligen oder dem Autor um 160/175 übertraf, musste eine so starke und klare Erkenntnis gewesen sein, dass ich sie, wie in Teil 1 schon kurz beschrieben, „genetische“ Erkenntnis nennen möchte. Diese Erkenntnis kommt aus der positiven Offenbarung Gottes selbst, aus einem mit seiner Folge verbundenen Grund, einem Akt, verbunden mit seinem Sein. Die Notwendigkeit der Errichtung einer Heils- und Sinnordnung, rückbezogen auf die positive Offenbarung Gottes, muss im Herzen des Heiligen/des anonymen Autors und generell in den Herzen der damaligen Christen so aktuell, drängend und gewiss gewesen sein, dass sie sich für diese Form der hierarchischen Ausdrucksweise entschieden haben. Im Mittelpunkte des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe muss trotz physischer Verfolgung, trotz geistiger Angriffen seitens der Gnosis, eine stark erlebte Erlösungs- und Sinnidee gestanden haben, aus deren Idee nach damaligen heremeneutischen und kulturellen Gesetzen eine kirchliche Heils- und Sinnordnung angestrebt wurde.

Genetisch“ heißt, vernünftige Einsicht, Rückbezug auf einen absoluten Geltungsgrund und zugleich Vorgriff auf eine angestrebte, religiöse Durchdringung des Alltags und Vorgriff auf eine eschatologische Erlösung. Kein Sein, ohne genetisches Wissen um dessen Erzeugung, keine Erzeugung ohne vorausgesetztes Sein der positiven Offenbarung.

Der Grund stand fest, die positive Offenbarung, die geschenkte Erlösung und Rettung, und die Folge muss ebenso als Folge des Lichts aus dieser Quelle jetzt sakramental empfunden und neu entworfen werden. Warum sich nicht andere Gemeindemodelle durchgesetzt haben, wie es deren viele gegeben hat, wie uns die Exegeten und Althistoriker plausibel aus Textkritik und Quellenkritik erklären, ist historisch weiterhin spannend, aber hilft uns im letzten in der Entscheidbarkeit der Sache nicht weiter: Faktisch hat sich diese „genetische“ Erkenntnis des stilisierten Märtyrerbischofs IGNATIUS, pseudoepigraphisch in Anspruch genommen von einem anonymen Autor zwischen 160 und 180 n. Chr., bis heute durchgesetzt, zumindest im katholischen und orthodoxen Bereich.

Die „genetische“ Erkenntnis aus der geschenkten positiven Offenbarung bedingte eine starke religiöse  und mystische, intuitive und intelligierende Erkenntnis. sodass viele Begriffsfolgen daraus abzuleiten waren, nicht nur das hierarchische Amt. Das gemeindliche, „katholische“ Zusammenleben, die Sakramente, die soziale Gleichstellung, die übernationale Versammlung u. a. m.

Der Heilige oder der anonyme Autor muss vor der Entscheidung gestanden sein, entweder nur durch Rückschluss den absoluten Werthorizont einer Offenbarung explizieren zu können, und sozusagen zwecks politischer und pragmatischer Weitergabe der Offenbarung wurde eine Art regulative Idee kirchlicher Herrschaft erfunden,  eine Art administrative und politische und kluge Ordnung, damit das Erbe nicht verloren gehe – oder der Heilige/der anonyme Autor und die ganze damalige Gemeinde gingen von einer transzendental-konstitutiven Idee aus, dass eine sakramentale Ordnung inklusiv sakramentaler Ämter und Hierarchie notwendig installiert werden müsse.

Natürlich sehe ich das Zweite als Entscheidungsgrund: die geschenkte Erlösung, die Vergebung, die Gnade durch die positive Offenbarung JESU CHRISTI, sie wurde als lebendige, transzendentale Idee empfunden, als Sinnidee schlechthin, die ebenso durch Denken wie durch Anschauen und Leben verbindlich werden sollte und eine vernünftige Durchdringung des ganzen Lebens verlangte.

Die Religionsausübung, die es rundherum ja gab, konnte im Unterschied zur Synagoge und im Unterschied zu heidnischen Praktiken eine völlig andere Ausdrucksweise bekommen, weil unmittelbar sakramental die Heils- und Sinnordnung etabliert werden sollte.

Anders gesagt: Die transzendentale Sinnidee der geschenkten Vergebung und Erlösung drängte von sich her zu einer kontinuierlichen, permanenten und pertinenten Lebensordnung, die Welt und das ganze Zusammenleben christlich zu lesen und zu bestimmen.3

Der Heilige/der Autor wird dieses deduktive Soll einer christlichen Heils- und Sinnordnung mystisch-positiv empfunden haben, war gelehrt und belesen. Er kannte sehr gut das Neue Testament, besonders auch Paulus, kannte andere christliche Autoren – Stichwort „Monarchianismus“ – und kannte die in seinen Augen gefährliche Irrlehre der sogenannten Gnosis.  Er trug aber eine Intention in sich, die zugleich seine Leistung und Repräsentation mit sich führte, eine „Perle, die alles andere übertrifft“ – die Realisierung einer erfahrbaren Heils- und Sinnordnung in gesellschaftlicher Weise.

Die Anwendung dieser Sinnidee, die genetisch aus der gesamten Offenbarung Gottes kommt, aber in JESUS CHRISTUS konkret geworden ist, verlangte mit der Fortdauer der Zeit und Geschichte und der je größeren Entfernung vom historischen JESUS, dem „Urheber des christlichen Glaubens“ und den Aposteln, mit der Entfernung von den Propheten, aber zu seiner Zeit sehr angesehenen Rolle der Märtyrer (These von R. M. Hübner), eine rechtliche Verfassung, zumal die Zahl der Gläubigen ebenfalls mehr geworden sein dürfte. (Oder richtete er sich abgrenzend an eine kleine Gemeinde?)

Diese zu errichtende, kirchliche und „katholische“ Ordnung musste dabei einerseits ganz vom absoluten, zeitlosen Werthorizont der Offenbarung selbst her begründet sein, also vernünftig argumentierbar sein, sonst wäre sie ja von vornherein zum Scheitern und zur Unglaubwürdigkeit verurteilt gewesen, andererseits musste sich diese Erkenntnis und Einsicht geschichtlich vermitteln, konkret und individuell, sarkamental und sozial, sittlich und rechtlich.

Wie eine genetische Erkenntnis in die Zeit und Geschichte hinein vermitteln, die sowohl unwandelbare, apriorische, bei Gott allein begründete Erkenntnis ist, als auch wandelbare, irdische, sakramentale Erkenntnis?

Das verlangt viele mediale Kunst und Vermittlung, aber auch praktische gesellschaftliche Schemata, die real vollzogen werden wollten.

Die „Ämter“ Bischöfe, Priester, Diakone waren schon länger bekannt, bekannt vor allem aus den PASTORALBRIEFEN, aber das wäre nur ein historisches Beweisstück. Es mussten diese „Ämter“ und Rollen eine neue Begriffsbestimmung durch die genetische Erkenntnis bekommen.

Wenn ich diesen Begriffen von vornherein krankhafte, patriarchalische, psychoanalytische oder diskurstheoretische Herrschaftsansprüche  unterstelle, projiziere ich heute Fragestellungen auf diese Zeit, treffe aber nicht deren genetische Herleitung und Sinnbildung – und tue in vielen Passagen dem wörtlichen Text gewaltiges Unrecht.

2) M. E. kann dieser Prozess der ersten rudimentären Strukturen und Ämter in der Gemeinschaft der Christen nur mit transzendental-reflexiven Begriffen angemessen beschrieben werden, d. h. mit bewusst rationalen, analytischen Argumenten, die nach wissenschaftstheoretischen Kriterien angemessen geprüft werden können.

Die Form der Fragestellungen, der Hypothesen, der Zusatzannahmen, der logischen Folgebegründungen, die hermeneutischen Zusatzbedingungen, der manifesten Geltungsansprüche – die ich bei weitem nicht alle kenne – sie können in ein analytisches und systematisches Schema gebracht werden.

Dem Heiligen (ca. 110 n. Chr.) oder dem anonymen Autor um 160/175 n. Chr. war immer schon Gott als „Vater“ patriarchal vermittelt worden, handelte die Hl. Schrift von den Männern wie Abraham, Isaak und Jakob, vom Mann Mose, den Propheten, von Johannes dem Täufer, von JESUS CHRISTUS – einem Mann – den Aposteln, von Paulus. Die Frauen kamen in der ganzen Rezeptions- und Wirkungsgeschichte der Hl. Schrift natürlich auch vor, aber sie hatten eine andere Rolle: Angefangen von Eva, Sara, den Frauen in den Stammbäumen, die Frauen im Neuen Testament, die Jungfrau und Gottesmutter MARIA, Frauen in den Grußlisten des Apostels Paulus usw. Sie werden als Mütter, Jungfrauen, Witwen, Freundinnen JESU  erwähnt, kommen indirekt vor in den vor-sprachlichen Formen der Begriffe und Ausdrücke, wie die feministische Bibelauslegung das herauszulesen versteht –  aber warum sollten jetzt, allen sozialen und gesellschaftlichen und kulturellen und tradierten Überlieferungen zum Trotz, ausgerechnet auch Frauen für das Bischofs-, Priester- und Diakonenamt vorgesehen sein?

Hier sehe ich den Heiligen/den Autor als ein Kind seiner Zeit. Es muss irgendwie außerhalb seines Denkhorizontes gelegen sein, Frauen ebenfalls für das geweihte Amt vorzusehen, obwohl der Autor sonst ja eine ganze egalitäre, katholische, auf die Gleichheit der geschenkten Gnade und Erlösung insistierende  Ansicht vertreten hat – im krassen Gegensatz zu den ebenfalls präsenten, elitären Gnostikern!?  Seine Texte haben zwar in unseren heutigen Leseart einen patriarchalen Einschlag,  aber zielen von der Sinnidee und Intention her gesehen  überhaupt nicht auf eine patriarchale Struktur und Geschlechtertrennung, sondern auf eine bestmögliche Weitergabe einer genetischen Erkenntnis, dass alle Geschlechter und Generationen und Sprachen und Völker Anteil bekommen mögen an der Erlösung. Im Verfahren und Schweben der Errichtung einer sakramentalen Heils- und Sinnordnung sollte für den einzelnen Christen, ob Mann oder Frau, Kind oder Erwachsener, Römer oder Grieche, Freie oder Sklave, Jude oder Heide, die Erkenntnis einer göttlichen Sinnidee ermöglicht werden, die sowohl für den einzelnen einsehbar und nachvollziehbar war, als auch  für eine strukturierte, rechtliche Gemeinde tauglich.  

3) M. a. W., der Fokus der Etablierung einer kirchlichen Hierarchie – das meine ich aus der leidenschaftlichen, missionarischen und empathisch-warmherzigen Redeweise heraushören zu können – lag in der Botschaft, eine kirchliche, sakramentale Gemeinschaft der Gleichheit und Würde aller Menschen errichten zu wollen. Zwecks Herbeiführung dieser neuen, liberalen Ordnung einer Würde jedes Menschen brauchte es pragmatisch rechtliche und administrative Rahmenbedingungen. Dass diese Rahmenbedingungen dann einseitig männerspezifisch ausfallen sollten, ist den hermeneutischen Umständen der damaligen Umwelt und Kultur  zuzuschreiben, aber lag nicht an der Botschaft selbst – so meine Hypothese.

Weil politische und pragmatische (und vielleicht schnelle?) Lösungen zu suchen und zu treffen waren, bot sich nur eine männliche Hierarchie an, aber ohne ausdrückliche Ablehnung der Frauen, so meine einfache Deutung.

M. E. hat das II Vatikanum in der Kirchenkonstitution LG das gut ausgedrückt, wenn es vom „gemeinsamen Priestertum spricht, weil alle zu einer Form der Partizipation am Priestertum CHRISTI berufen sind. Das Wesen dieses Priestertums kann verschieden administriert werden, aber ist dem Grade nach nicht differenziert.

Wie hätte der Heilige um 110 n. Chr. oder der anonyme Autor um 160 – 175 n. Chr. plötzlich zu einer anderen Anschauung kommen sollen und sagen, die „Witwen“ oder „Jungfrauen“ sollten ebenfalls zu Priesterinnen geweiht werden? Und selbst wenn der Heilige so „fortschrittlich“ gewesen wäre, wie hätte er verstanden und akzeptiert werden wollen, hätte er Frauen tatsächlich als „Priesterinnen“ vorgesehen und auf deren Etablierung gedrängt? Das hätte zu großen Missverständnissen geführt, die vom Schwerpunkt seiner prinzipielle Verkündigung und Intention wohl weggeführt hätten – nämlich der Errichtung einer erfahrbaren, sakramentalen und rechtlichen Sinn- und Heilsordnung.

Die wenigen Stellen in den Briefen des Heiligen/des Autors, in denen ausdrücklich die Frauen genannt werden, sind freundliche Grußlisten an sie am Schluss. Generell ist viel von der Liebe und Nächstenliebe die Rede, von Eintracht und Frieden. Einen ausdrücklich patriarchalen Diskurs kann ich bei weitem nicht erkennen.  

Nochmals anders formuliert: Der transzendentale Geltungsanspruch hinter seinem performativen Stil und hinter den schon bekannten, gebräuchlichen Begriffen bezog sich auf eine alle andere Erkenntnis übertreffende genetische, unwandelbare, überzeitliche Erkenntnis der Offenbarung Gottes in der positiven Erscheinung JESU CHRISTI. Die Unwandelbarkeit einer ERSCHEINUNG Gottes sollte in konkrete, wandelbare Begriffen gegossen werden, das verlangte  hermeneutische Zugeständnisse in einem zweckhaften und politischen und prospektiven Vorgehen.  Ich höre keine Abwertung der Frauen heraus, finde auch nicht einen bloß betriebswirtschaftlichen Diskurs, wie ein Unternehmen zu führen sei, sondern logisch-implikativ und logisch-appositionell  folgte aus der Erfahrung der positiven Offenbarung Gottes, dass diese Erkenntnis sakramental und fruchtbar und rechtlich weitergegeben werden müsse, d. h. zu Bedingungen der Rezipierbarkeit. Die männliche Hierarchie musste damals allen als bestmögliche, pragmatische, rechtliche Form erschienen sein. Der Gehalt der Geltung kam aber nicht von der äußeren Form der zweierlei Geschlechterrollen, sondern lag in der genetischen Erkenntnis einer Mann wie Frau umgreifenden, lebendigen, erlösenden, frei machenden, sakramentalen Sinnidee. 

(c) Franz Strasser, 21. 8. 2019

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ANHANG

Als sehr schöne Mystagogien,  d. h. der Repräsentationsidee der göttlichen Offenbarung, sind zu lesen u. a.:

Presbyterium ordinis unter Papst Paul VI von 1965

Nachsynodales Schreiben  – Papst Joh. Paul II 1992 „Pastores dabo vobis“ Direktorium für den Klerus 2013 Pastores Dabo Vobis (25. März 1992) _ Johannes Paul II_

oder Vita Consecrata von Joh. Paul II v. 25.3. 1996vita-consecrata

Kongregation für den Klerus: Der Priester, Lehrer des Wortes, Diener der Sakramente und Leiter der Gemeinde für das dritte christliche Jahrtausend, 19. 3. 1999der-priester-lehrer-des-wortes-diener-der-sakramente-und-leiter-der-gemeinde-fr-das-dritte-christliche-jahrtausend-19

Kongregation für den Klerus: Der Priester, Hirte und Leiter der Pfarrgemeinde, Instruktion, 4. 8. 2002 Kongregation für den Klerus, Der Priester, Hirte und LEiter der Pfarrgemeinde_157

Direktorium für den Klerus unter Papst Benedikt XVI, 2013 Direktorium für den Klerus 2013

Anbei jetzt noch eine Zusammenstellung von Dr.in M. Schlosser zur Ablehnung der Priesterweihe von Frauen

1) Vor 25 Jahren, am 22. Mai 1994, veröffentlichte Johannes Paul II. das Apostolische Schreiben „Ordinatio sacerdotalis“. Darin erklärte der Papst, dass die Kirche keinerlei Vollmacht habe, Frauen die Priesterweihe zu spenden. Dieses Schreiben schloss sich an die 1976 unter dem Titel „Inter Insigniores“ erschienene Erklärung der Kongregation für die Glaubenslehre zur Frage der Zulassung der Frauen zum Priesteramt an.

2) 1995
(1)Antwort auf den Zweifel bezüglich der im Apostolischen Schreiben »Ordinatio sacerdotalis« vorgelegten Lehre, Kongregation für die Glaubenslehre, 28. Oktober 1995, http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_19951028_dubium-ordinatio-sac_ge.html;

(…) Antwort auf den Zweifel
bezüglich der im Apostolischen Schreiben
»Ordinatio sacerdotalis« vorgelegten Lehre

Zweifel: Ob die Lehre, die im Apostolischen Schreiben Ordinatio sacerdotalis als endgültig zu haltende vorgelegt worden ist, nach der die Kirche nicht die Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, als zum Glaubensgut gehörend zu betrachten ist.

Antwort: Ja.

Diese Lehre fordert eine endgültige Zustimmung, weil sie, auf dem geschriebenen Wort Gottes gegründet und in der Überlieferung der Kirche von Anfang an beständig bewahrt und angewandt, vom ordentlichen und universalen Lehramt unfehlbar vorgetragen worden ist (vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 25,2). Aus diesem Grund hat der Papst angesichts der gegenwärtigen Lage in Ausübung seines eigentlichen Amtes, die Brüder zu stärken (vgl. Lk 22,32), die gleiche Lehre mit einer förmlichen Erklärung vorgelegt in ausdrücklicher Darlegung dessen, was immer, überall und von allen Gläubigen festzuhalten ist, insofern es zum Glaubensgut gehört.

Papst Johannes Paul II. hat in der dem unterzeichneten Kardinalpräfekten gewährten Audienz die vorliegende Antwort, die in der ordentlichen Versammlung dieser Kongregation beschlossen worden war, gebilligt und zu veröffentlichen angeordnet.

Rom, am Sitz der Kongregation für die Glaubenslehre, den 28. Oktober 1995, am Fest der Hll. Apostel Simon und Judas.

3) 1995 – Erläuterungen

http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_19951028_commento-dubium-ordinatio-sac_ge.html

(….)“ Was die Grundlage in der Heiligen Schrift und in der Tradition anbelangt, weist Johannes Paul II. darauf hin, daß Jesus nach dem Zeugnis des Neuen Testamentes nur Männer, und nicht Frauen, zum Weiheamt berief, und daß die Apostel “das gleiche taten, als sie Mitarbeiter wählten, die ihnen in ihrem Amt nachfolgen sollten” (Apost. Schreiben «Ordinatio sacerdotalis», Nr. 2; vgl. 1 Tim 3,lff., 2 Tim 1,6; Tit 1,5). Es gibt gültige Argumente dafür, daß die Vorgehensweise Christi nicht durch kulturelle Gründe bedingt war (vgl. Nr. 2), so wie auch hinreichende Gründe dafür vorhanden sind, daß die Tradition die vom Herrn getroffene Wahl als für die Kirche aller Zeiten bindend ausgelegt hat.

Hier stehen wir aber bereits vor der wesentlichen gegenseitigen Abhängigkeit von Heiliger Schrift und Tradition, einer Wechselbeziehung, die diese beiden Arten der Weitergabe des Evangeliums zu einer untrennbaren Einheit verbindet – zusammen mit dem Lehramt, das wesentlicher Bestandteil der Tradition und authentische Interpretationsinstanz des geschriebenen und überlieferten Wortes Gottes ist (vgl. Konst. «Dei Verbum», Nr. 9 und 10). Im spezifischen Fall der Priesterweihen haben die Nachfolger der Apostel stets die Norm befolgt, die Priesterweihe nur Männern zu spenden; und mit dem Beistand des Heiligen Geistes lehrt uns das Lehramt, daß dies nicht aus Zufall, nicht aus gewohnheitsmäßiger Wiederholung, nicht aus Abhängigkeit von den sozialen Bedingtheiten, und noch weniger aus einer angeblichen Unterlegenheit der Frau kommt, sondern weil “die Kirche stets als feststehende Norm die Vorgehensweise ihres Herrn bei der Erwählung der zwölf Männer anerkannt hat, die er als Grundsteine seiner Kirche gelegt hatte” (Apost. Schreiben «Ordinatio sacerdotalis», Nr. 2).

(…..) „Um zu verstehen, daß es sich hier nicht um eine Ungerechtigkeit oder Diskriminierung den Frauen gegenüber handelt, muß man zudem auch die Natur des priesterlichen Amtes betrachten, das ein Dienst ist und nicht eine Position menschlicher Macht oder eines Vorranges über andere. Wer, ob Mann oder Frau, das Priestertum als persönliche Bestätigung, als Ziel oder gar als Ausgangspunkt einer menschlichen Erfolgskarriere versteht, unterliegt einem grundlegenden Irrtum, denn die wahre Bedeutung des christlichen Priestertums – sowohl des gemeinsamen Priestertums der Gläubigen als auch in ganz besonderer Weise des Amtspriestertums – kann man nur in der Hingabe der eigenen Existenz in Vereinigung mit Christus zum Dienst am Nächsten finden. Das priesterliche Amt kann nicht das allgemeine Ideal und noch weniger das Ziel des christlichen Lebens sein. In diesem Sinn ist es nicht überflüssig, noch einmal zu wiederholen, daß “das einzige höhere Charisma, das sehnlichst erstrebt werden darf und soll, die Liebe ist (vgl. 1 Kor 12-13)” (Erklärung «Inter insigniores», VI).

4) 2018

Zu einigen Zweifeln über den definitiven Charakter der Lehre von Ordinatio sacerdotalis, 29. Mai 2018, Luis F. Ladaria, S.I., Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/ladaria-ferrer/documents/rc_con_cfaith_doc_20180529_caratteredefinitivo-ordinatiosacerdotalis_ge.html

Bleibt in mir und ich bleibe in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so auch ihr, wenn ihr nicht in mir bleibt“ (Joh 15,4). Nur dank ihrer Verwurzelung in Jesus Christus, ihrem Gründer, kann die Kirche der ganzen Welt Leben und Heil bringen. Diese Verwurzelung erfolgt in erster Linie durch die Sakramente, deren Mitte die Eucharistie ist. Von Christus eingesetzt, sind die Sakramente Grundsäulen der Kirche, die sie fortwährend als seinen Leib und seine Braut auferbauen. Zutiefst mit der Eucharistie verbunden ist das Weihesakrament, durch das sich Christus der Kirche als Quelle ihres Lebens und Handelns gegenwärtig macht. Die Priester werden „Christus gleichförmig“ gemacht, „so dass sie in der Person des Hauptes Christus handeln können“ (Presbyterorum ordinis, Nr. 2).

Christus wollte dieses Sakrament den zwölf Aposteln verleihen, die alle Männer waren, und diese haben es ihrerseits anderen Männern übertragen. Die Kirche wusste sich immer an diese Entscheidung des Herrn gebunden, die es ausschließt, das Priestertum des Dienstes gültig Frauen zu übertragen. Johannes Paul II. lehrte in dem Apostolischen Schreiben Ordinatio sacerdotalis vom 22. Mai 1994: „Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken (vgl. Lk 22,32), dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben“ (Nr. 4). Die Kongregation für die Glaubenslehre bekräftigte in Antwort auf eine Frage zur Lehre von Ordinatio sacerdotalis, dass es sich hier um eine Wahrheit handelt, die zum Glaubensgut (depositum fidei) der Kirche gehört.

5) 2019

(….) Siehe dazu https://www.die-tagespost.de/kirche-aktuell/Warum-die-Kirche-Frauen-nicht-zu-Priestern-weihen-kann;art312,198321

Marianne Schlosser, Unmöglichkeit des Weihamtes für Frauen – siehe Artikel in: https://www.die-tagespost.de/kirche-aktuell/aktuell/Marianne-Schlosser-erklaert-Unmoeglichkeit-der-Frauenweihe;art4874,201577

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1In der Vorrede zur 2. Auflage der KrV gibt KANT eine Beschreibung von „dogmatisch“: „Die Kritik ist nicht dem dogmatischen Verfahren der Vernunft in ihrem reinen Erkenntniß, als Wissenschaft, entgegen gesetzt (denn diese muß jederzeit dogmatisch, d.i. aus sicheren Principien a priori strenge beweisend, sein), sondern dem Dogmatism, d.i. der Anmaßung, mit einer reinen Erkenntniß aus Begriffen (der philosophischen) nach Principien, so wie sie die Vernunft längst im Gebrauch hat, ohne Erkundigung der Art und des Rechts, womit sie dazu gelangt ist, allein fortzukommen. Dogmatism ist also das dogmatische Verfahren der reinen Vernunft ohne vorangehende Kritik ihres eigenen Vermögens“, B XXXV.

3Den Ausdruck „pertinent“ entnehme ich dem Buch „Ethik“ und dem Buch „Die Konstitution der Zeit im Bewusstsein von R. Lauth. „Werte sind Willensqualitäten; sie sind das Materiale des Willens selbst (…) Wille besagt, dass es um etwas geht. Ich fasse diesen Wesenscharakter des Willens im Terminus Pertinenz zusammen. (…) Pertinenz kann positiv oder negativ sein; wir können Wertsetzungen als bejaht oder verneinte, als geliebte oder gehasste (im formalen Sinne dieser Wörter), als anerkannte oder verworfene setzen“: In „Ethik in ihrer Grundlage aus Prinzipien entfaltet. Stuttgart, Berlin u. Köln 1969, S 25.

Autor: Franz Strasser

Dr. Franz Strasser