Transzendentalkritische Lektüre – Ignatius von Antiochen, oder die Priesterweihe von Frauen. 1. Teil

Von verschiedener Seite hört man in letzter Zeit die Forderung, Frauen müssten in der röm.-kath. Kirche ebenfalls ein Weiheamt erhalten können: Warum können oder dürfen sie nicht zu Bischöfinnen/Priesterinnen/Diakoninnen bestellt und geweiht werden?

Ich habe die Argumente sowohl der Skepsis und der Ablehnung der Priesterweihe von Frauen (wenn ich die Ämter Bischöfin/Priesterin/Diakonin unter einen Begriff zusammenfassen darf) gelesen – und sie beeindruckten mich in ihrer Begründungsform und Mystagogik – und las vereinzelt die Befürworter eines emanzipatorischen Weges. (Nicht sehr ausführlich.)

In der Ablehnung der Priesterweihe für Frauen wird vor allem auf die lange Rezeptionsgeschichte verwiesen. Nicht unerheblich wird z. B. auf die apostolische Zeit verwiesen, als die bis jetzt gültigen Weiheämter im Entstehen begriffen waren. In späterer Zeit des 3./4. Jhd. oder gar bei DIONYSIUS AREOPAGITA (frühes 6. Jhd.) kann man dann ausführliche Begründungen über die „Hierarchie“ nachlesen.

Ich möchte die Lektüre eines solchen Textes der „Apostolischen Väter“, die Texte des Hl. IGNATIUS/oder eines anonymen Autors um 165.-175. n. Chr. als Dispositiv und Beispiel verschiedener Ausgangsargumente heranziehen.

Eine rein historisch-hermeneutische Lektüre scheint mir keine letzte Entscheidungsgrundlage zu bieten, weil dafür die Aussagen doch wieder zu ungenau sind. Eine nur metaphysische Interpretation erklärt und begründet aber ebenfalls nichts, als sei von Anfang an schon alles festgeschrieben gewesen. Es müsste m. E. zur historisch-hermeneutischen Interpretation, zu der mit die Kompetenz fehlt, eine systematische Reflexion auf die Bedingungen der Möglichkeit der Entstehung bestimmter Aussagen der damaligen Zeit kommen, um eine halbwegs argumentative Ausgangsbasis für künftige Entscheidungen zum Thema einer „Priesterweihe von Frauen“ zu finden. Ich nenne diese systematische Interpretation nach den Bedingungen der Möglichkeit nach eine transzendental-kritisch Lektüre.

1) Die Sichtweise des Heiligen/des Autors war, so möchte ich sagen, eine ganz zweckhafte und pragmatische und unprätentiöse: Er wollte, dass das kostbare Glaubensgut, die Botschaft des Evangeliums, die höchste Sinnidee, die der Mensch transzendental schon in seiner Vernunft trägt und die Ignatius/der anonyme Autor in der positiven Offenbarung JESU CHRISTI gefunden hat, zeitlich realisiert und geschichtlich weitergegeben. Seine performative Rede war aus einer genetischen Erkenntnis heraus geboren und auf das Handeln als Voraussetzung und auf das Ziel einer religiösen Sinnordnung unter prekären und gefährlichen Lebensumständen gerichtet.
Es ging weder um das Mannsein oder Frausein selbst, um den Gegenstand „Geschlecht“ in der Einsetzung der kirchlichen Hierarchie, sondern
zweckhaft und gut und sinnvoll, hermeneutisch nachvollziehbar, war die Bestellung einer männlichen Hierarchie das Wort „Hierarchie“ fällt gar nicht, das „männlich“ wurde explizit nicht betont, es ist eben alles schon spätere Hermeneutik, von mir expliziert, was nur implizit gesagt war im Verhältnis zu den Widerwerten der damaligen Zeit, im Verhältnis zu den kulturellen und tradierten Anschauungen seiner Zeit, ja selbst im Verhältnis zur positiven Offenbarung selbst: Dem Heiligen/dem anonymen Autor um 165. n. Chr, war immer schon Gott als „Vater“ patriarchal vermittelt worden, handelte die Hl. Schrift von den Patriarchen, Mose, den Propheten, Johannes dem Täufer. JESUS CHRISTUS war ein Mann, die Apostel waren Männer. Die Frauen kamen in der ganzen Rezeptions- und Wirkungsgeschichte der Hl. Schrift natürlich auch vor, aber sie hatten eine andere Rolle als die Priesterrolle: Angefangen von Eva, vorkommend in vielen Genealogien, beschrieben im Neuen Testament, beim Apostel Paulus usw. Wie hätte der Heilige um 110 n. Chr. oder der anonyme Autor um 165 – 175 n. Chr. plötzlich zu einer anderen Anschauung kommen sollen und sagen, die „Witwen“ oder „Jungfrauen“ sollten zu Priesterinnen geweiht werden? Die wenigen Stellen in den Briefen, in denen ausdrücklich die Frauen erwähnt werden, handeln vom moralisch-sittlichen Gemeindeleben. Aber selbstverständlich waren die „Briefe“ auch an sie gerichtet. Sie werden gegrüßt und angesprochen – wie es PAULUS in seinen Briefen tat. Wie hätte der Heilige/der Autor eine kirchliche Organisation erzeugen können ohne Rücksicht auf zeitbedingte und hermeneutische Bedingungen der damaligen Zeit. Deshalb begann es mit einer männlichen Hierarchie.

Das „gut“ und „sinnvoll“ der klugen und pragmatischen Regeln der Einsetzung einer kirchlichen Hierarchie bezieht sich nicht auf den Gegenstand selbst, wie der Pragmatismus oft eingeschätzt wird und sich oft selbst verkennt, als sei die Wahrheit eine Form des Guten. „Gut“ und „sinnvoll“ beschreibt nichts und ist nicht beschreibbar; als „gut“ kann alles Mögliche verkauft werden. Das „gut“ und „sinnvoll“ bezieht sich auf die dem Heiligen erscheinende, beste Form und Methode, um die unabhängig von der menschlichen Rede herbeigesehnte, religiöse Sinnordnung herbeizuführen.

Gut“ und „sinnvoll“ wollte er die kirchliche Ordnung in Bedingung setzen zur unabhängigen Tätigkeit der göttlichen Offenbarung, die durch den Rückbezug auf die Hl. Schrift und der beginnenden, eigenen christlichen Überlieferung legitimiert war.

Im Unterschied zu einem säkularen Staat (oder zur jüdischen Synagoge) war das Ziel aber nicht nur eine moralische-sittliche Gemeindeordnung, ganz allgemein, eine moralische Vernunftordnung von Interpersonalität und individuellem, gewissenhaftem Handeln, sondern eine darüber hinausgehende, nur im Glauben erreichbare, verheißene sakrale und kirchlich-religiöse Sinnordnung, die „civitas dei“ (Augustinus) unter prekären Bedingungen.

M. a. W., das Ziel war ein Drittes zwischen einem a) moralisch-sittlichen Endzweck (in vielleicht gnostischen Formen, vor denen Ignatius eindringlich warnte) und einer nur b) autoritär-politischen Herrschaft, wie es die Römer ja souverän vorzeigten: Ziel war c) eine von Gott ersehnte unabhängige Tätigkeit einer religiösen Sinnordnung und Sinnerfüllung.

2) Wenn ich der Kürze halber unterscheiden darf zwischen einem dogmatischen Weg der Ablehnung der Priesterweihe für Frauen und einem emanzipatorischen Weg der Befürwortung der Priesterweihe, so können sich die Wege deshalb oft nicht treffen, weil die Begriffe anders gelesen und verwendet werden: einmal im dogmatischen Sinne, dass sie unveränderlich sind im Gehalt und in der Anwendung; dann im adaptierten Sinn, dass sie die Wirklichkeit stets neu generieren und bilden. Wer kann sagen, dass das Bild eines Bischofs/eines Priesters/Diakon für alle Zeiten das Gleiche bedeutet? Es geschieht ja ein fortlaufendes Anknüpfen an die übersinnliche Welt Gottes im reflexiven und reflexartigen Bilden und ein Hineinbilden in die tatsächliche Welt. Der absolute Bestimmungsgrund unseres Wollens soll verzeitlicht und versinnlicht werden, also gibt es Adaptierungen der Begriffe und neue Deutungen. Deshalb sind diese Deutungen aber nicht relativistisch und willkürlich, oder selbst wiederum dogmatisch, sie sind vielmehr Synthesen, gebildete Begriffe aus der Kausation des absoluten Bestimmungsgrundes und der synthetische damit verbunden eintretenden Hemmungen und Aufforderungen. 1

a) Der dogmatische Weg unterstellt dem emanzipatorischen Weg bloß pragmatisch zu sein im Sinne von „ohne Wahrheit“, weil dort ohne der langen Rezeptionsgeschichte und ohne Wirkungsgeschichte argumentiert wird. Es wird praktisch nur aus eigenem Interesse, z. B. der juridischen Forderung nach Gleichheit, etwas gewollt, das aber nicht der göttlichen Bestimmung und vor allem nicht der gewesenen Geschichte entspricht.


b) Wenn „pragmatisch“ im Sinne von „ohne Wahrheit“, ohne Gegenständlichkeit, verstanden wird, ist dieser Vorwurf sogar berechtigt, aber der Heilige hatte über das pragmatische Handeln hinaus natürlich ein metaphysisches Ziel: der absolute Bestimmungsgrund aus der apriorischen und positiven Offenbarung sollte verzeitlicht und versinnlicht werden, da gehe es um eine von Gott herkommende religiöse Sinnordnung, nicht um eine bloß juridische, formale Gleichheit von Mann und Frau in Sachen einer Weihe. Ein emanzipatorisch geforderter Egalitarismus und eine Gleichmacherei hat in der Geschichte noch nie etwas Gutes gebracht, aber um den geht es nicht. Das „Gute“ wird mit dem „guten“, pragmatischen Weg wahrlich nicht erreicht, ja kann im Pragmatismus gar nicht intendiert sein. Der Pragmatismus spricht das Handeln an und hat das Handeln selbst als Ziel. Des Hl. Ignatius Sprechakte (siehe dann Teil 2) sind durch und durch pragmatisch.

Die Wahrheit für den Heiligen lag aber selbstverständlich jenseits der durch die Sprechakte geschaffenen Theorie und praktischen Normativität, eben in der erbetenen, ersehnten religiösen Sinnordnung.

Das Prinzip der genetischen Erzeugung der Begriffe, also eine transzendentalkritische Lektüre böte sich für den dogmatischen wie emanzipatorischen Weg gleichzeitig an. Die Patriarchen, Mose, die Leviten, die Propheten, JESUS, die Apostel, sie waren alle Männer, kein Zweifel, die Rezeptionsgeschichte ging dann 2000 Jahre zumindest in der römisch-katholischen und den orientalischen und orthodoxen Kirchen diesen Weg weiter. Der geschichtliche Verlauf ist geschützt durch die Vergangenheit. Aber nur in Berufung auf einen absoluten Bestimmungsgrund wird die Vergangenheit erst wissbar, wird die Gegenwart relevant, und wird eine Zukunft entworfen. Der absolute und unveränderliche Bestimmungsgrund der Wahrheit als Wahrheit generiert im Werden und in der Zeitlichkeit neue Synthesen von apriorischer und aposteriorischer Wirklichkeit – und schenkt, so Gott will, neue Ideen und nötigt zu neuen Begriffen.

Die anscheinend gleichbleibenden Begriffe (z. B. Bischof/Priester/Diakon) sind irgendwann selbst geschaffen worden als beste Antworten auf die Bedrängnisse und im Sinne einer Verzeitlichung und Inkarnierung. Wenn ein lebendiger Zusammenhang von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, mithin eine Geschichte möglich sein soll, so muss sich sowohl der metaphysische wie der „pragmatische“ Weg auf ein lebendiges Prinzip berufen, wodurch die Begriffe kausiert und in Auseinandersetzung mit den Widerwerten und Hemmungen und Aufforderungen ihren Wert und ihre Relevanz erhalten. JESUS sagte auch nicht ausdrücklich etwas gegen die Sklavenhaltergesellschaft, und doch veränderte er prinzipiell die Gesellschaftsordnung, wie die spätere Rezeptionsgeschichte zeigt.

c) Die genetische Herkunft der Begriffe, die Erforschung der performativen Sprechweise und die Erforschung der aus einem transzendentalen Prinzip herkommenden Begriffe – das fasse ich unter transzendental-kritischer Leseart zusammen.

Hinzu kommt dann die transzendental-hermeneutische Leseart, welche Begriffe am Ende dieses Weges von prinzipiierenden (transzendentalen) Bestimmungsgrund und historischen Erfordernissen als Synthesen entstanden sind. Die entstandenen, begrifflichen Gebilde waren einerseits zeitlich bedingt, aber in ihrer Intention aus dem absoluten Bestimmungsgrund herkommend waren sie andererseits nicht relativistisch zu lesen, sondern selbst von eminentem Interesse und relevant in ihrer werthaften Potenz. Sie waren adäquate (oder im Negativfall inadäquate, irrelevante) Neuschaffungen.

Dass es vor dem Hl. Ignatius eine größere Vielfalt der kirchlichen Ämter gab, darauf weisen uns die Exegeten gerne hin: die paulinischen Gründungen, der Jerusalemkreis, die Beschreibungen in den Pastoralbriefen, die johanneischen Gemeinden, doch bemerkenswert oder rätselhaft?,  warum sich in der Rezeption des 2. Jhd. diese Dreier-Form der Ämter durchgesetzt hat –  Bischofsamt, Priesteramt, Diakonenamt? Welche Erkenntnisbemühung und Erkenntnisbegründung steckt dahinter? Wie lässt sich der Geltungsanspruch eines zu leistenden Gehorsams, die Hervorhebung einer kirchlichen Hierarchie, wie gesagt, bei den Ignatianen erst rudimentär, die Reglementierung von Sakramenten u. a. m. begründen und rechtfertigen? Klingt das für heutige Ohren nicht sehr patriarchal, männerspezifisch, ideologieverdächtig, autoritär?
Liest man Texte des 2. Vatikanischen Konzils (1962-1965;
siehe dann unterer Anhang), so findet man im Zusammenhang der Weiheämter den Verweis auf den Hl. Ignatius. Soll das als Autoritätsbeweis verstanden werden? Vermittelt sich die Hermeneutik des Verstehens von selbst? Sind die in letzter Zeit aufkommenden Fragen zu einer Priesterweihe für Frauen (z. B. in Deutschland „Maria 2.0“) mit Ignatius absolut inkompatibel?

Jahrtausendelang gab es offensichtlich in der jüdischen und christlichen Kirche keine Frauen als Priesterinnen, wie schwer fällt ein Umstellungsprozess? Wie groß wäre eine Befürwortung oder eine Ablehnung bei einer Abstimmung? Wie lange dauert es in unseren Affekten, bis ein lang eingelerntes und internalisiertes Verhalten geändert wird?

Vom reflexiven Denken her kann nur reduktiv der absolute Bestimmungsgrund erfasst werden, was die Formen der Verzeitlichung und Versinnlichung betrifft. Dass er erfasst werden kann, ist aber transzendentales Prinzip, sonst könnten wir überhaupt nichts wissen. Das Prinzip verlangt dann in weiterer Folge eine Verzeitlichung und Versinnlichung, verlangt Repräsentation, und da beginnen die notwendigen Anpassungen und Folgen, die umstritten sind. Offensichtlich sind die anderen Formen von Gemeindeleitung untergegangen, und die aufkommende Dreier-Struktur des Hl. Ignatius/bzw. der Zeit ab 165 n. Chr. hat sich für die längste Zeit durchgesetzt.

Ich höre zuerst die historischen, mystagogischen und anthropologischen Argumente des Hl. Papstes Karol, die Argumente von Papst Benedikt XVI, die jüngsten Argumente aus dem Jahre 2018.

Hier einige päpstliche oder lehramtliche Quellen zur Ablehnung einer Frauen-Priesterweihe.

1) Vor 25 Jahren, am 22. Mai 1994, veröffentlichte Johannes Paul II. das Apostolische Schreiben „Ordinatio sacerdotalis“. Darin erklärte der Papst, dass die Kirche keinerlei Vollmacht habe, Frauen die Priesterweihe zu spenden. Dieses Schreiben schloss sich an die 1976 unter dem Titel „Inter Insigniores“ erschienene Erklärung der Kongregation für die Glaubenslehre zur Frage der Zulassung der Frauen zum Priesteramt an.

2) 1995
(1)Antwort auf den Zweifel bezüglich der im Apostolischen Schreiben »Ordinatio sacerdotalis« vorgelegten Lehre, Kongregation für die Glaubenslehre, 28. Oktober 1995,
http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_19951028_dubium-ordinatio-sac_ge.html;

(…) Antwort auf den Zweifel
bezüglich der im Apostolischen Schreiben
»Ordinatio sacerdotalis« vorgelegten Lehre

Zweifel: Ob die Lehre, die im Apostolischen Schreiben Ordinatio sacerdotalis als endgültig zu haltende vorgelegt worden ist, nach der die Kirche nicht die Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, als zum Glaubensgut gehörend zu betrachten ist.

Antwort: Ja.

Diese Lehre fordert eine endgültige Zustimmung, weil sie, auf dem geschriebenen Wort Gottes gegründet und in der Überlieferung der Kirche von Anfang an beständig bewahrt und angewandt, vom ordentlichen und universalen Lehramt unfehlbar vorgetragen worden ist (vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 25,2). Aus diesem Grund hat der Papst angesichts der gegenwärtigen Lage in Ausübung seines eigentlichen Amtes, die Brüder zu stärken (vgl. Lk 22,32), die gleiche Lehre mit einer förmlichen Erklärung vorgelegt in ausdrücklicher Darlegung dessen, was immer, überall und von allen Gläubigen festzuhalten ist, insofern es zum Glaubensgut gehört.

Papst Johannes Paul II. hat in der dem unterzeichneten Kardinalpräfekten gewährten Audienz die vorliegende Antwort, die in der ordentlichen Versammlung dieser Kongregation beschlossen worden war, gebilligt und zu veröffentlichen angeordnet.

Rom, am Sitz der Kongregation für die Glaubenslehre, den 28. Oktober 1995, am Fest der Hll. Apostel Simon und Judas.

3) 1995 – Erläuterungen

http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_19951028_commento-dubium-ordinatio-sac_ge.html

(….)“ Was die Grundlage in der Heiligen Schrift und in der Tradition anbelangt, weist Johannes Paul II. darauf hin, daß Jesus nach dem Zeugnis des Neuen Testamentes nur Männer, und nicht Frauen, zum Weiheamt berief, und daß die Apostel “das gleiche taten, als sie Mitarbeiter wählten, die ihnen in ihrem Amt nachfolgen sollten” (Apost. Schreiben «Ordinatio sacerdotalis», Nr. 2; vgl. 1 Tim 3,lff., 2 Tim 1,6; Tit 1,5). Es gibt gültige Argumente dafür, daß die Vorgehensweise Christi nicht durch kulturelle Gründe bedingt war (vgl. Nr. 2), so wie auch hinreichende Gründe dafür vorhanden sind, daß die Tradition die vom Herrn getroffene Wahl als für die Kirche aller Zeiten bindend ausgelegt hat.

Hier stehen wir aber bereits vor der wesentlichen gegenseitigen Abhängigkeit von Heiliger Schrift und Tradition, einer Wechselbeziehung, die diese beiden Arten der Weitergabe des Evangeliums zu einer untrennbaren Einheit verbindet – zusammen mit dem Lehramt, das wesentlicher Bestandteil der Tradition und authentische Interpretationsinstanz des geschriebenen und überlieferten Wortes Gottes ist (vgl. Konst. «Dei Verbum», Nr. 9 und 10). Im spezifischen Fall der Priesterweihen haben die Nachfolger der Apostel stets die Norm befolgt, die Priesterweihe nur Männern zu spenden; und mit dem Beistand des Heiligen Geistes lehrt uns das Lehramt, daß dies nicht aus Zufall, nicht aus gewohnheitsmäßiger Wiederholung, nicht aus Abhängigkeit von den sozialen Bedingtheiten, und noch weniger aus einer angeblichen Unterlegenheit der Frau kommt, sondern weil “die Kirche stets als feststehende Norm die Vorgehensweise ihres Herrn bei der Erwählung der zwölf Männer anerkannt hat, die er als Grundsteine seiner Kirche gelegt hatte” (Apost. Schreiben «Ordinatio sacerdotalis», Nr. 2).

(…..) „Um zu verstehen, daß es sich hier nicht um eine Ungerechtigkeit oder Diskriminierung den Frauen gegenüber handelt, muß man zudem auch die Natur des priesterlichen Amtes betrachten, das ein Dienst ist und nicht eine Position menschlicher Macht oder eines Vorranges über andere. Wer, ob Mann oder Frau, das Priestertum als persönliche Bestätigung, als Ziel oder gar als Ausgangspunkt einer menschlichen Erfolgskarriere versteht, unterliegt einem grundlegenden Irrtum, denn die wahre Bedeutung des christlichen Priestertums – sowohl des gemeinsamen Priestertums der Gläubigen als auch in ganz besonderer Weise des Amtspriestertums – kann man nur in der Hingabe der eigenen Existenz in Vereinigung mit Christus zum Dienst am Nächsten finden. Das priesterliche Amt kann nicht das allgemeine Ideal und noch weniger das Ziel des christlichen Lebens sein. In diesem Sinn ist es nicht überflüssig, noch einmal zu wiederholen, daß “das einzige höhere Charisma, das sehnlichst erstrebt werden darf und soll, die Liebe ist (vgl. 1 Kor 12-13)” (Erklärung «Inter insigniores», VI).

4) 2018

Zu einigen Zweifeln über den definitiven Charakter der Lehre von Ordinatio sacerdotalis, 29. Mai 2018, Luis F. Ladaria, S.I., Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/ladaria-ferrer/documents/rc_con_cfaith_doc_20180529_caratteredefinitivo-ordinatiosacerdotalis_ge.html

Bleibt in mir und ich bleibe in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so auch ihr, wenn ihr nicht in mir bleibt“ (Joh 15,4). Nur dank ihrer Verwurzelung in Jesus Christus, ihrem Gründer, kann die Kirche der ganzen Welt Leben und Heil bringen. Diese Verwurzelung erfolgt in erster Linie durch die Sakramente, deren Mitte die Eucharistie ist. Von Christus eingesetzt, sind die Sakramente Grundsäulen der Kirche, die sie fortwährend als seinen Leib und seine Braut auferbauen. Zutiefst mit der Eucharistie verbunden ist das Weihesakrament, durch das sich Christus der Kirche als Quelle ihres Lebens und Handelns gegenwärtig macht. Die Priester werden „Christus gleichförmig“ gemacht, „so dass sie in der Person des Hauptes Christus handeln können“ (Presbyterorum ordinis, Nr. 2).

Christus wollte dieses Sakrament den zwölf Aposteln verleihen, die alle Männer waren, und diese haben es ihrerseits anderen Männern übertragen. Die Kirche wusste sich immer an diese Entscheidung des Herrn gebunden, die es ausschließt, das Priestertum des Dienstes gültig Frauen zu übertragen. Johannes Paul II. lehrte in dem Apostolischen Schreiben Ordinatio sacerdotalis vom 22. Mai 1994: „Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken (vgl. Lk 22,32), dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben“ (Nr. 4). Die Kongregation für die Glaubenslehre bekräftigte in Antwort auf eine Frage zur Lehre von Ordinatio sacerdotalis, dass es sich hier um eine Wahrheit handelt, die zum Glaubensgut (depositum fidei) der Kirche gehört.

5) 2019

(….) Siehe dazu https://www.die-tagespost.de/kirche-aktuell/Warum-die-Kirche-Frauen-nicht-zu-Priestern-weihen-kann;art312,198321

Marianne Schlosser, Unmöglichkeit des Weihamtes für Frauen – siehe Artikel in: https://www.die-tagespost.de/kirche-aktuell/aktuell/Marianne-Schlosser-erklaert-Unmoeglichkeit-der-Frauenweihe;art4874,201577

(Ich möchte hier auf diesem Weg Fr. Dr.in Marianne Schlosser danken für die einfache, linkhafte Zitierung der einschlägigen Texte.)

1 Wie die Auseinandersetzung in dieser Reflexivität geschieht – das ist dieses Bedingungsgefüge von Produkten der Einbildungskraft einerseits und in ihr fallende Hemmungen bzw. Aufforderungen andererseits. „Die Freiheit nimmt diese Produkte nicht hin, sondern stellt sich ihnen mit Bezug auf die Idee absoluter Vernunft praktisch unendlich fordernd in der Weise entgegen, dass sie schöpferisch Begriffe entwirft, die die Wirklichkeit, auf die sie ausgeht, vorzeichnen. Hierbei kommt es nun zu dem, was Fichte den schöpferischen Entwurf von „Gesichten“ aus der „übersinnlichen Welt“ nennt, d. i. zu genialen Konzeptionen neuer Wertkonkretionen mit an diese sich anschließenden Realisierungsparadigmen.“ (R. Lauth, Die Handlung in der Geschichte, S 402)
Wie es konkret zu neuen Wertrealisierungen kommen kann, zu neuen „Gesichten“, siehe Interpretation eines Textes von FICHTE, „Vorlesungen über die Bestimmung des Gelehrten, 1811, Studientexte, fhS III, 2012) – siehe Link Kommentierung der 1. Vorlesung.

Autor: Franz Strasser

Dr. Franz Strasser