Zum Begriff des Transzendentalen – 1. Teil

1) Unter dem Begriff des Transzendentalen schwirrt alles Mögliche an Meinungen und Ansichten herum, sodass ich mich selber auf die Suche gemacht habe, wie ich diesen Begriff adäquat definieren möchte. Eine bloße Worterklärung oder philosophiehistorische Auskunft hilft uns hier nicht weiter, weil ja gerade nicht eine zufällige, willkürliche oder zeitabhängige Definition gesucht werden soll – was dann keine Definition mehr wäre, sondern nur Konvention, Willkür – , sondern die Idee des Wortes „transzendental“ bzw. als Substantiv ausgedrückt, das Transzendentale, soll in seinem wahrem Wesen, d. h. dem Begriffe nach, eingesehen werden. Gibt es einen wahrhaften und entsprechend wirklich zu rechtfertigenden Begriff des Transzendentalen und seines Wissens? Es betrifft diese Frage die Hauptfragen der Metaphysik, angefangen von der Antike bis zur Neuzeit, ferner auch die Hauptfragen einer Analytischen Philosophie oder anderer strukturellen Ansätze, die für sich oft den Anspruch einer „transzendentalen“ Erklärungsart oder eines „transzendentalen“ Wissens erheben, indem sie von unhintergehbaren, faktischen Bedingungen ausgehen, die quasi „selbstredend“, intuitiv,  öffentlich, diskursiv, „logisch“, funktional,  als letzte Bedingungen angesehen werden müssen. Dieses „transzendental“ im Sinne eines methodischen Rückfragens auf letzte Bedingungen des Verstehens, des Handelns, des Wissens, mit einem Wort, mittels reduktiven Beweises, ist aber nicht das „transzendental“ zu nennende Wissen im Sinne Kants oder Fichtes, wodurch eine synthetische Erkenntnis des Gegenstandes der Erfahrung aus einer genetischen Ableitung und intellektuellen Anschauung geleistet werden soll. Über den faktischen Beweis einer Wie-Erkenntnis liegt der genetisch begründete Beweis, wie es notwendig zu einer Erkenntnis der Erkenntnis, sei es von sinnlichen Dingen oder intelligiblen Werten, kommen kann.   „Transzendental“ kann letztlich nur eine Einsicht über das faktische Wissen hinausgehend sein. Hier muss ich über Kant (siehe andere Blogs zu Kant) bereits hinausgehen, indem Anschauung und Begriff  a) als Akt der Behauptung von Wahrheit reflexiv verstanden werden, und b) der Grund der Behauptung der Wahrheit, wie sie im Bewusstsein (hier von mir synonym mit Selbstbewusstsein gebraucht) beansprucht wird,  genetisch als Erscheinungsbild des Absoluten vollzogen und interpretiert werden muss. Dies ist der Beginn der Bildlehre Fichtes in einem „niederen Verstehen“ und in einem „höheren Verstehen“, formal und inhaltlich.
Siehe dann diverse Blogs zu diesem Verhältnis Wahrheit und Bewusstsein und zur Analyse des Bewusstseins. „
Die Vorstellung oder das Wissen ist, heißt: es ist absolut ein Bild als Bild, d. i. welches als bloßes Bild verstanden und begriffen wird.“ (Transzendentale Logik, SW IX, S 133)

Die  WL ist genau diese Mitte und Explikation des Wahrheits- und Geltungsgrundes, die Mitte zwischen hervorgehendem, auf die Erfahrung weisenden,  und in sich geschlossenem, prinzipiellen Wissen (Bilden). 

Natürlich nimmt man in den Anfangsbestimmungen gleich wichtige Entscheidungen vorweg, aber um einsteigen zu können, definiere ich vorläufig und ganz allgemein das Transzendentale und das dieses spezifizierende transzendentale Wissen als apriorisches Vorwissen, das jeder Mensch kraft Vernunft in seinem Vernunftvollzug realisiert – und theoretisch und praktisch alle Wissensbereiche des Vorstellens, Fühlens, Wollens und  Handelns umfasst. 

Diese Selbsthematisierung und Selbsterkenntnis des Wissens ist immer wieder in der Geschichte aufgetaucht – und deshalb können viele Philosophen als Transzendentalphilosophen bezeichnet werden: PLATON, PLOTIN, ANSELM, DESCARTES, KANT und FICHTE u. v a. Noch zu Fichtes Lebzeiten kam mit Schelling und Hegel leider der Abfall von der transzendentalen Selbstreflexion. Es kam zu den gefährlichen realistischen oder idealistischen Verabsolutierungen, schlimmer noch, das Absolute selbst wurde zum Gegenstand einer „Identitätsphilosophie“, worunter aber nichts anderes zu verstehen war als der  Gegenstand eines abstrakten Gedachten. (Ich hörte als Anlass  meines wiederaufgenommenen Philosophiestudiums einen Vortrag: „Das Absolute und das Subjekt.“ Mainz 2008. Für mich war es ein Schock!)  

2) PLATON thematisiert in vielen Dialogen und Gleichnisse dieses apriorische Vorwissen. Am schönsten vielleicht in der „Politeia“ 509 b, wo er klar die Idee des Guten als Bedingung der Möglichkeit der Erkennbarkeit der Wahrheit und des Erkenntnisvermögens, mithin auch als Bedingung der Möglichkeit des Wissens überhaupt, beschreibt. Ehe ich anderes Wissen oder endliches Wissen (oder Bilder des Wissens) haben kann, muss ich zuerst schon das Wissen des Vollkommenen haben. Ähnlich dann, 2000 Jahre später,  DESCARTES mit seinem „cogito, ergo Deus est.“ Die unbedingte Erkenntnis ist die Abgrenzungsbedingung jeder bedingten Erkenntnis.  Aber selbst dieses „cogito“ des DESCARTES wurde historisch arg verunstaltet, als handle es sich bloß um einen kognitiven, subjektiven Akt (Ich erkenne). „Cogito“ meint reflexive Operation des Geistes im Sinne von „ich erwäge“. Es wird ein Wahrheitsanspruch erhoben, der mittels analytischer oder idealistischer Reflexionsphilosophie nicht eingeholt werden kann.  

Dieses also, was dem Erkannten Wahrheit und dem Erkennenden das Vermögen (sc. zu erkennen) verleiht, sage, sei die Idee des Guten. Aber bedenke, dass sie (sc. die Idee des Guten) von Erkenntnis und Wahrheit, sofern diese erkannt wird, zwar Ursache ist, so wirst du doch, so schön auch diese beiden, Erkenntnis und Wahrheit, sind, nur richtig von diesem (sc. dem Guten) denken, wenn du es für etwas anderes und noch Schöneres hältst als diese beiden (sc. Erkenntnis und Wahrheit). Wie dort (sc. im Bereich des Sichtbaren) das Licht und das Sehvermögen für sonnenartig zu halten zwar richtig ist, für die Sonne selbst zu halten, aber nicht richtig ist, so ist es auch hier (sc. im Bereich des rein geistig Erkennbaren) zwar richtig, diese beiden, die Erkenntnis und die Wahrheit, für gutartig zu halten, nicht aber ist es richtig, welches von beiden auch immer für das Gute selbst zu halten, sondern noch höher ist die Beschaffenheit des Guten einzuschätzen.“ (Platon, Polit., 508e1 – 509a5).

Im Klartext und mit PLATON seit 2400 Jahre nachgesprochen und nachvollzogen:1 die unausgedehnte und auch zeitlose Einheit, in der die verschiedenen Disjunktionen von Idealität und Realität, von Denken und Sein  als bereits möglich denkbare und erkennbare Teilrealisierungen dieser vollkommenen Einheit eingesehen werden können, mithin die formale und materiale Einheit von Wahrheit (Einheit von Denken und Sein im absoluten Sinne: es ist, wie es sich weiß, und es weiß sich, wie es ist)  und Gutsein (Einheit von Anspruch und Erfüllung: es will, was es soll, und soll, was es will)  – das ist das Transzendentale schlechthin, wodurch alles Wissen und Teilrealisationen dieses Wissens (als Vorgestelltes, besser als Gebildetes) in ihrer systematischen Einheit ermöglicht sind.  

PLATON hat diese Einheit  –  nennen wir sie disjunktionslose Wahrheit – bereits genial und metaphorisch umschrieben. Man beachte nämlich dabei die Schwierigkeit: Setzt nicht jeder Bestimmung immer eine Differenz und Disjunktion voraus? Wie sollten dann die Möglichkeitsbedingungen der Bestimmbarkeit einer disjunktionslosen Wahrheit, die Bestimmbarkeit eines relationslosen Absoluten, formal bestimmt werden? Man kann nicht die Position eines Wissens jenseits des Wissens beziehen: „Es ist dabei die Hauptsache, ein Ich an sich wegzubringen, und das Ich späterhin im Bildwesen, und aus der Sich-Bildung eines einfachen Princips zu erklären.“ (FICHTE, Transzendentale Logik, SW IX, S 133)

Schelling und Hegel haben das Problem nicht einmal gesehen – und mit ihnen viele Leute bis heute, die unbedarft über das Absolute spekulieren (siehe z. B. das Buch „Das Absolute und das Subjekt“) oder im Selbstwiderspruch ein Absolutes ablehnen. Platon hat es genial so ausgedrückt, dass er metaphorisch meinte, die Idee des Guten sei „noch höher“ als eine bloß reflexiv bestimmte Wahrheit zu schätzen. Siehe Sonnengleichnis des 6. Buches der „Politeia“. Es ist die Idee des Guten, die „über das Sein an Würde und Kraft hinausragt“ („all‘ eti epekeina tes ousias) 509b.  Siehe bereits Zitat oben aus Polit., 508e1 – 509a5 – jetzt:
[e] „Jene Kraft also, die den Objekten des Denkens die Wahrheit und dem erkennenden Subjekt die Kraft des Erkennens gibt, bestimme als die Idee des Guten. Zwar wird sie, die Ursache des Erkennens und der Wahrheit, durch den Verstand erkannt, aber – wiewohl diese beiden, nämlich Wahrheit und Erkenntnis, schön sind – so wirst du dennoch das Rechte treffen, wenn du die Idee des Guten für etwas anderes und für noch schöner hältst als diese beiden. [509a] Wie du dort Licht und Sehkraft mit Recht für sonnenähnlich, nicht aber für die Sonne hältst, so tust du hier gut, Erkenntnis und Wahrheit für ‚gutähnlich’, nicht aber – ob das eine oder das andere – für das Gute zu halten; höher noch zu schätzen ist – seinem Wesen nach – das Gute.

Es muss eine Einheit gesucht und gefunden werden können, die relationslose Einheit ist, die aber alle weiteren Relationen und Disjunktivitäten und gegensätzlichen Denkbestimmungen als solche in ihre Denkbarkeit und Wissbarkeit entlässt (genetisiert) kraft des Lichtes und kraft des ichhaften Sehens. Ohne diese relationslose Einheit bliebe man ewig in realistischen oder idealistischen  Teilverabsolutierungen des Wissensaktes befangen, und umgekehrt: Ohne Öffnung dieser Einheit zu einer reflexiven, begrifflichen Einheit hin (im Existentialakt, in der Sichtbarkeit überhaupt, in der Erscheinung)  bliebe das Wissen ein leerer Begriff und gibt es keine begründete Philosophie. Die disjunktionslose Wahrheit muss Einheitspunkt wie Disjunktionspunkt des Wissens gleichzeitig sein: Analytische und synthetische Einheit des Denkens.

Diese Einheit kann nicht bloß reduktiv zurück erschlossen und dann als Begriff  supponiert werden, wie es die diskursiv verfahrende Vernunft in ihren Schlüssen auf die unbedingte Bedingung alles Bedingten notwendig tut.  KANT meinte, diesem dialektischen Schein kritisch beigekommen zu sein.2 Es bleibt aber bei KANT  die Schein-Lösung einer „regulativen Idee“  kritisch zu hinterfragen, denn wie könnte ein endlicher Verstand eine „regulative“ Idee trotzdem fassen? Diese schwierige Frage will ich hier nicht weiterführen – siehe andere Blogs zu Kant – aber klar ist: Die Einheit muss vorlaufende Bedingung jeder weiteren Reflexionsidentität sein, ohne selbst wieder von dieser ihr folgenden Reflexionsidentität als deren Gegensatz gefasst zu sein. Das wäre wieder nur gedachte  Einheit als gedachte Andersheit. (Es ist das Grundproblem jeder modernen Differenzphilosophie und Grundfehler bei den sog. „Identitätsphilosophen“ Schelling und Hegel, die gerade so die Identität ja nicht fassen konnten.)

PLATON sah klar diese apriorische Idee der Einheit des Wissens, diese Idee des Guten, die allen hermeneutischen Zirkelerwägungen vorausgeht und alle Bedeutung aus einer epistemologischen Einheit ableitet.
Historisch konnte aber PLATON diese Einheit nur theoretisch und abstrakt fassen, weil er die biblische Offenbarung nicht kannte. Das ist ihm nicht vorzuwerfen. Er schuf als Pendant zum biblischen Wissen vom Ein-Gott-Glauben  das reflexive Begriffsinstrumentarium einer Wissenseinheit.  

Was er nicht sah, dass in der „jenseits des Seins“  liegenden disjunktionslosen Idee der Wahrheit und des  Guten (des qualitativen Totalitätsallgemeinen, der disjunktionslosen Wahrheit) eine Ur-Erscheinung des Absoluten als deklarierte, positive Offenbarung vorausgesetzt werden muss, ein Urbild, worauf das Bild-Wesen Mensch in seinem sich bewährenden Abbilden notwendig referiert. Der Reflexionsakt als theoretischer und praktischer Akt ineins vermag nur bestimmtwerdend sich frei bestimmen, d. h. er ist auf konkrete Bestimmtheit und geschichtliche Bestimmtheit angewiesen, um sich aus einem absoluten Bestimmungsgrund im Werden bestimmen zu können. 

PLATON erfasste die apriorische Gottes-Offenbarung im reflexiven Denken; ihm fehlte die geschichtliche Sinnidee und faktische Anschauung einer totalen Rechtfertigung und Liebe.  Die durchaus in der platonischen Ideenlehre zu findende virtuelle Totalität der Vernunfteinheit und die zu realisierende Idee der Wahrheit und des Guten (man lese z. B. den „Sophistes“ und seiner Umsetzung der konkreten Seinsbestimmungen im Seienden) bedarf einer ebenso geschichtlich-konkreten, positiven  Offenbarung und Anschauung Gottes, wodurch und womit in Teilrealisationen des appositionellen Erfassens die Idee der Wahrheit und des Guten tatsächlich gefunden werden kann.

Beides zusammengenommen, platonische Vernunftwahrheit und biblische Offenbarungswahrheit, negative Theologie und negatio negationis in der eröffneten positiven Gottesrede, wie es die christlichen Mystiker fassten, ergeben die  Einheit einer sich im Selbstbewusstsein und in Reflexionsform  geschlossenen wie eröffneten Einheit des Wissens. Das Transzendentale ist immer schon eröffnet zu einer reflexiven Erfassung, und das heißt auch, apriorisch eröffnet zu einer geschichtlich erscheinenden Sinnidee und zu einer alles wiederherstellenden, wiedergutmachenden, positiven Offenbarung Gottes hin.  In der realisierten, einmaligen Erlösung und Satisfaktion  durch den Gott-Menschen JESUS CHRISTUS und in der virtualiter eröffneten Liebesgemeinschaft einer interpersonalen, kirchlichen Gemeinschaft, in diesem erinnernden wie prospektiven (oder projektiven) Wissen und Handeln, vollendet sich der eingeschränkte, weil nur reflexiv getätigte,  Akt des philosophischen Wissens und Erkennens. Mithilfe dieser an der Erscheinung Gottes teilhabender Prinzipienerkenntnis möge der Philosoph zum Leben zurückkehren, falls er sich in der Studierstube zurückgezogen haben sollte, und die erkannte Einheit des Wissens in einem sich bewährenden Bilden des wahren Seins bezeugen.  

Die vernunftgemäße Realisation des Transzendentalen erfolgt in zeitlichen Schritten, insofern a) das Bewusstsein/Selbstbewusstsein sich nur setzend und gesetzt werdend (verobjektivierend) fassen kann, d. h. zeitlich und räumlich und willentlich erscheinend,  im ständigen Werden begriffen  und b) zugleich das Ich sich in diesem Werden aus einem zeitüberhobenen Bild eines ewig an es ergehenden Anrufes/einer Aufforderung versteht.  Das formale Bild-Wesen Mensch, wie das Ich sich (nur) in der Reflexion definiert, wie kann es zugleich Bild eines im Werden entstandenen wirklichen, willentlichen Ichs und Bild eines nicht Gewordenen werden?  Das Werden liegt im Sichverstehen der Erscheinung, nicht in der Erscheinung selbst. Das Sichverstehen der Erscheinung erschafft diesselbe nicht, wohl aber erzeugt es ihre Sichtbarkeit. 3

(c) 29. 10. 2015, Franz Strasser
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1MARKUS ENDERS beschreibt in: zur debatte, 1/2010, S 18-20, die Bedeutung der Seinsbestimmtheit der Ideen, d. h. was Wahrheit und Erkennbarkeit der Wahrheit heißen kann. Wie schon bei Parmenides selbst und in der von ihm begründeten Philosophenschule der Eleaten fungiert Wahrheit bei Platon „als Inbegriff der erkennbaren, geistig fassbaren Wirklichkeit“ (J. Szaif, Art. Wahrheit, I. Antike, A. Anfänge bis Hellenismus, in: HWPH, Bd. 12, Sp. 49). Erkennbar gemäß der auf Parmenides zurückgehenden platonischen Bedeutung von Erkennen (νοεῖν), das ein sicheres Erfassen und definitorisches Bestimmen des Wesensgehalts eines Gegenstandes bedeutet, sind nach Platon nur die Ideen, d. h. die allgemeinen, transzendenten, immateriellen Wesenheiten aller geistig und aller sinnlich erscheinenden Entitäten. Dabei kommt den Ideen Seinswahrheit auf Grund ihrer Unvermischtheit, d. h. ihres Ausschließens des Konträren, und auf Grund ihrer Urbildhaftigkeit zu, in der ihre Normativität für die Beurteilung der Einzelfälle im sinnenfälligen Bereich begründet liegt (hierzu vgl. genauer J. Szaif, art. cit., Sp. 50). (…)

2In der KpV ist es ziemlich zu Beginn auf der Suche nach einem formalen Unbedingten so ausgedrückt: Die reine Vernunft hat jederzeit ihre Dialektik, man mag sie in ihrem speculativen oder praktischen Gebrauche betrachten; denn sie verlangt die absolute Totalität der Bedingungen zu einem gegebenen Bedingten, und diese kann schlechterdings nur in Dingen an sich selbst angetroffen werden. Da aber alle Begriffe der Dinge auf Anschauungen bezogen werden müssen, welche bei uns Menschen niemals anders als sinnlich sein können, mithin die Gegenstände nicht als Dinge an sich selbst, sondern bloß als Erscheinungen erkennen lassen, in deren Reihe des Bedingten und der Bedingungen das Unbedingte niemals angetroffen werden kann, so entspringt ein unvermeidlicher Schein aus der Anwendung dieser Vernunftidee der Totalität der Bedingungen (mithin des Unbedingten) auf Erscheinungen, als wären sie Sachen an sich selbst (…)“ (KpV 107) Das ist aber nur ein reduktiv gewonnenes Argument und erreicht nicht die Begründungsebene eines PLATON.

3Vgl. Wolfgang Schürer, Grundlegungen der Mathematik in transzendentaler Kritik. Frege und Hilbert. Hamburg 1983, S 113.

Platon, Glyptothek München.
Bild in der Humboldt-Universität in Berlin

Autor: Franz Strasser

Dr. Franz Strasser