Zum Begriff des Transzendentalen – 1. Teil

1) Unter dem Begriff des Transzendentalen schwirrt alles Mögliche an Meinungen und Ansichten herum, sodass ich mich selber auf die Suche gemacht habe, wie ich diesen Begriff adäquat definieren möchte. Eine bloße Worterklärung oder philosophiehistorische Auskunft hilft uns hier nicht weiter, sondern die Idee des Wortes „transzendental“ bzw. als Substantiv ausgedrückt, das Transzendentale, wie ja zu vermuten ist, dass die Bedingungen der Wissbarkeit auf etwas unwandelbar Wahres und Gutes und Eines (und Schönes) verweisen,  soll in seinem wahrem Wesen, d. h. dem Begriffe nach, eingesehen werden.

Es betrifft diese Frage die Hauptfragen der Metaphysik, angefangen von der Antike bis zur Neuzeit, ferner auch die Hauptfragen einer Analytischen Philosophie oder anderer strukturellen Ansätze, die für sich oft den Anspruch einer „transzendentalen“ Erklärungsart oder eines „transzendentalen“ Wissens erheben, aber ihre Erkenntnisweise gerade nicht ausweisen. So jetzt wieder gelesen bei Peter F. Strawson, die „transzendentalen“ Bedingungen sind Argumente, die bei Negation ihrer selbst eine Erfahrung, eine Sprache, ein Denken nicht ermöglichen würden. Das ist aber nur ein retorsives, faktisches,  „transzendentales“ Argumentieren, nicht ein transzendentales Selbst-Erkennen und Selbst-Wissen. Eine angeblich faktische Erkenntnisbedingung ist noch lange keine transzendentale Wissensbedingung. Über einen faktischen Beweis einer empirischen Erkenntnis liegt der apodiktisch notwendige Beweis des Verstandes – auf den ich hier nicht eingehe -, aber  darüber hinaus muss es eine Erkenntnis geben, die zeigt und erklärt, wie der Grundmodus der Erfahrung und des Wissens überhaupt  möglich ist.  FICHTE nennt diese Form der Erkenntnis und des Sich-Wissens „genetische“ Erkenntnis, weil sie erklärt, wie es überhaupt nach den Konstitutionsakten und Gesetzen des Wissens  zu einem faktischen oder logisch-apodiktischen Wissen kommen kann. Dieser Grundmodus des Sich-Wissens und Sich-Erkennens entfaltet sich in einem gesetzhaften Bilden, in einem Bild vom Bilde des Seins. 
Das Transzendente in diesem Bilden von Sein bzw. in der Erscheinung muss transzendent bleiben, kann also nicht begrifflich-reflexiv eingeholt werden, aber die Reflexivität und das Licht in diesem Bilden und in diesem genetischen Erkennen, wie ein Faktum überhaupt zustande kommt, muss als bleibender, unwandelbarer Geltungsgrund lichthaft einfließen und  vorausgesetzt werden. Dieses genetische Erkennen liegt in jedem konkreten und acutalen Erkennen. Das Verhältnis Absolutes und transzendentales Wissen wird FICHTE ab den Jahren 1801/02 ausarbeiten. In den Anfangsjahren der WL von 1793 bis 1801/02 war die Einheit des „absoluten Ich“ noch ausreichend, die kritische Erkenntnis und das  Wissen, wie es theoretisch vorstellt  und praktisch handelt, zu beschreiben. FICHTE kam darin zu einer endlichen Totalität von Wissensformen, die im Grundmodus des genetischen Erkennens erfasst werden können. Das sind dann seine materialen Disziplinen der WL, Naturlehre, Rechtslehre, Morallehre und Religionslehre, erschaut im Wissen aus einem Prinzip. 

2) Natürlich nimmt man in den Anfangsbestimmungen gleich wichtige Entscheidungen vorweg, aber um einsteigen zu können, definiere ich vorläufig und ganz allgemein nach PLATON das Transzendentale, wie es in jedem Erkennen und in jeder weiteren Reflexion über das Erkennen und Wissen genetisch aufscheint und sichtbar wird, – und das Mittelalter als unum, verum, bonum und pulchrum definierte – als apriorisches Vorwissen.

Dieses apriorische Vorwissen kann zum Gegenstand einer Selbst-Reflexion und Selbsterkenntnis des Wissens gemacht werden – sodass viele Philosophen als „Transzendentalphilosophen“ ante litteram bezeichnet werden müssen: PLATON, PLOTIN, ANSELM, DESCARTES, KANT und FICHTE u. v a., die die  absolute Gewissheit, die Wahrheit, das Gute, das Eine, das Schöne und Vollkommene, zu ihrem Ausgangs- und Endpunkt des Philosophierens genommen haben. 

Noch zu Fichtes Lebzeiten kam mit Schelling und Hegel leider der Abfall von der transzendentalen Selbstreflexion und Selbstbesinnung auf das Wissen. Es kam zu den gefährlichen realistischen oder idealistischen Verabsolutierungen, schlimmer noch, das Absolute selbst wurde zum Gegenstand einer „Identitätsphilosophie“, worunter  nichts anderes zu verstehen war als der  Gegenstand einer begrifflichen Relation,  ohne Intuition und Intellektion eines Gehaltes oder einer entsprechenden Licht- und Existentialform des Wissens behauptet. 1

3) PLATON thematisiert in vielen Dialogen und Gleichnisse dieses apriorische Vorwissen. Am schönsten vielleicht in der „Politeia“ 509b, wo er klar die Idee des Guten als Bedingung der Möglichkeit der Erkennbarkeit der Wahrheit und des Erkenntnisvermögens, mithin auch als Bedingung der Möglichkeit des Wissens überhaupt, beschreibt. Ehe ich anderes Wissen oder endliches Wissen (oder Bilder des Wissens) haben kann, muss ich zuerst schon das Selbst-Wissen und das Wissen des Vollkommenen haben.

Ähnlich dann, 2000 Jahre später,  DESCARTES mit seinem „cogito, ergo Deus est.“ Die unbedingte Erkenntnis ist die Abgrenzungsbedingung jeder bedingten Erkenntnis.  Aber selbst dieses „cogito“ des DESCARTES wurde historisch arg verunstaltet, als handle es sich bloß um einen kognitiven, subjektiven Akt. „Cogito“ meint reflexive Operation des Geistes im Sinne von „ich erwäge“ im Sinne einer Gewissheit, die subjektiv wie objektiv gültig und wahr ist – und deshalb muss die  Bewährung des „cogito“ durch die absolute Wahrheit Gottes folgen. 

Im Klartext und mit PLATON seit 2400 Jahre nachgesprochen und nachvollzogen:

„Dieses also, was dem Erkannten Wahrheit und dem Erkennenden das Vermögen (sc. zu erkennen) verleiht, sage, sei die Idee des Guten. Aber bedenke, dass sie (sc. die Idee des Guten) von Erkenntnis und Wahrheit, sofern diese erkannt wird, zwar Ursache ist, so wirst du doch, so schön auch diese beiden, Erkenntnis und Wahrheit, sind, nur richtig von diesem (sc. dem Guten) denken, wenn du es für etwas anderes und noch Schöneres hältst als diese beiden (sc. als Erkenntnis und Wahrheit). Wie dort (sc. im Bereich des Sichtbaren) das Licht und das Sehvermögen für sonnenartig zu halten zwar richtig ist, für die Sonne selbst zu halten, aber nicht richtig ist, so ist es auch hier (sc. im Bereich des rein geistig Erkennbaren) zwar richtig, diese beiden, die Erkenntnis und die Wahrheit, für gutartig zu halten, nicht aber ist es richtig, welches von beiden auch immer für das Gute selbst zu halten, sondern noch höher ist die Beschaffenheit des Guten einzuschätzen.“ (Platon, Polit., 508e1 – 509a5).

Die unausgedehnte und auch zeitlose Einheit, in der die verschiedenen Disjunktionen von Idealität und Realität, von Denken und faktischem Sein  als bereits möglich denkbare und erkennbare Teilrealisierungen einer vollkommenen Einheit eingesehen werden können, das zeigt uns den Weg zu einer transzendentalen Erkenntnisart, wie sie den  Transzendentalphilosophen implizit-explizit bewusst gewesen ist,  und von FICHTE endgültig auf den Begriff gebracht wurde.2

4) PLATON hat diese Einheit  –  nennen wir sie disjunktionslose Wahrheit –  genial und metaphorisch umschrieben. Man beachte nämlich dabei die Schwierigkeit: Setzt nicht jede Bestimmung immer eine Differenz und Disjunktion voraus? Wie sollten dann die Möglichkeitsbedingungen der Bestimmbarkeit einer disjunktionslosen Wahrheit, die Bestimmbarkeit eines relationslosen, unbegreiflichen Absoluten formal bestimmt werden? Man kann nicht die Position eines Wissens jenseits des Wissens beziehen. Schelling und Hegel haben das Problem nicht einmal gesehen – und mit ihnen viele Leute bis heute, die unbedarft über das Absolute spekulieren  oder im Selbstwiderspruch ein Absolutes ablehnen. Platon hat es genial so ausgedrückt, dass er metaphorisch meinte, die Idee des Guten sei „noch höher“ als eine bloß reflexiv bestimmte Wahrheit zu schätzen – siehe  das Sonnengleichnis des 6. Buches der „Politeia“. Es ist die Idee des Guten, die „über das Sein an Würde und Kraft hinausragt“ („all‘ eti epekeina tes ousias“) 509b.

Das Transzendente über das Wissen hinaus begründet das Wissen und ist selbst Subjekt-Objekt-Einheit, differenzierte Einheit in und durch ein transzendentales Prinzip des Sich-Wissens und Sich-Bildens. Siehe bereits Zitat oben  – Fortsetzung (509a 5) 

Eine überschwengliche Schönheit, sagte er, verkündigst du, wenn es Erkenntnis und Wahrheit hervorbringt, selbst aber noch über diesen steht an Schönheit.“  

Es muss eine Einheit gesucht und gefunden werden können, die relationslose Einheit ist, die aber alle weiteren Relationen und Disjunktivitäten und gegensätzlichen Denkbestimmungen als solche in ihre Denkbarkeit und Wissbarkeit entlässt (genetisiert) kraft des Lichtes und kraft des Bildens und Setzens und Sehens. Ohne dieser relationslosen  Einheit bleibt man ewig in realistischen oder idealistischen  Teilverabsolutierungen des Wissensaktes befangen, und umgekehrt: Ohne Öffnung dieser Einheit zu einer reflexiven, begrifflichen und bildlichen Einheit hin  – im Existentialakt des Wissens,  in der Sichtbarkeit der  Erscheinung überhaupt –   bliebe das Wissen ein leerer Begriff und es gäbe keine begründete Philosophie. Die disjunktionslose Wahrheit muss Kriterium, Einheitspunkt wie Disjunktionspunkt des Wissens sein, analytische wie synthetische Einheit des Denkens in einem. Diese Einheit kann nicht bloß reduktiv zurück erschlossen und dann als Begriff  logisch supponiert werden, wie es die diskursiv verfahrende Vernunft in ihren Schlüssen auf die unbedingte Bedingung alles Bedingten notwendig tut.  KANT meinte, diesem dialektischen Schein kritisch beigekommen zu sein.3 Es bleibt aber bei KANT  die Schein-Lösung einer „regulativen Idee“  kritisch zu hinterfragen, denn wie könnte ein endlicher Verstand eine „regulative“ Idee trotzdem fassen?   Die Einheit muss vorlaufende Bedingung jeder weiteren Reflexionsidentität sein, ohne selbst wieder von dieser ihr folgenden Reflexionsidentität als deren Gegensatz gefasst und verobjektiviert zu sein. Das wäre wieder nur gedachte  Einheit als gedachte Andersheit.4  Es ist dabei die Hauptsache, ein Ich an sich wegzubringen, und das Ich späterhin im Bildwesen, und aus der Sich-Bildung eines einfachen Princips zu erklären.“ (FICHTE, Transzendentale Logik, SW IX, S 133)

5) PLATON sah klar dieses allem Erfahrungswissen vorausgehende apriorische Wissen  und zugleich die transzendierende Idee der Einheit des Wissens, indem er die Idee des Guten „über das Sein hinausgehend“ beschrieben hat.
Historisch konnte PLATON diese Einheit nur theoretisch und abstrakt fassen, weil ihm die geschichtliche Sinnidee einer appositionellen Einheit fehlte, m. a. W. die biblische Offenbarung. Das ist ihm nicht vorzuwerfen. Er schuf als Pendant zum biblischen Wissen das reflexive Begriffsinstrumentarium einer ideellen, deduktiven Einheit.  
Was er nicht sah, dass in der „jenseits des Seins“  liegenden disjunktionslosen, ideell-deduktiven Einheit  der Wahrheit und des  Guten (des qualitativ Totalitätsallgemeinen, der disjunktionslosen Wahrheit) eine Ur-Erscheinung des Absoluten, eine personale Ich-Einheit des Absoluten in einer geschichtlichen Sinn-Idee vorausgehen muss, damit jedes ideelle Wissen begründet und gerechtfertigt werden kann. Der Reflexionsakt als theoretischer und praktischer Akt des Bildens vermag nur bestimmtwerdend sich frei bestimmen, d. h. er ist auf konkrete Bestimmtheit und geschichtliche Bestimmtheit angewiesen, mithin auf konkrete Ich- und Du- und Wir-Erfahrung, auf Wert- und Sinnerfahrung, auf geschichtliches Sinn-Wissen. 

PLATON erfasste, mit anderen Worten gesagt, zwar eine apriorische Gottes-Offenbarung im reflexiven Denken; ihm fehlte aber die geschichtliche Sinnidee und konkrete  Anschauung einer totalen Rechtfertigung und Liebe im Erkennen,  Wollen und Handeln.  Die durchaus in der platonischen Ideenlehre zu findende virtuelle Totalität der Vernunfteinheit und die zu realisierende Idee der Wahrheit und des Guten (man lese z. B. den „Sophistes“ und seiner Umsetzung der konkreten Seinsbestimmungen im Seienden) bedarf einer ebenso geschichtlich-konkreten, positiven  Offenbarung und Anschauung, wodurch und womit in Teilrealisationen des appositionellen Erfassens die reflexive Idee der Wahrheit und des Guten, d. h. bei Einbeziehung einer Wiedergutmachung des Bösen besser als transzendentale  „Sinnidee“ anzusprechen und  zu validieren, vorauszusetzen ist.

6) Beides zusammengenommen, platonische Vernunftwahrheit und biblische Offenbarungswahrheit, negative Theologie und negatio negationis in der eröffneten, positiven Gottesrede, wie es die christlichen Mystiker fassten, wie es die PROPHETEN taten, wie JESUS CHRISTUS in seinen Worten und Taten die positive Gottesrede schlechthin verkörperte,  ergeben einerseits eine  Einheit  im Selbstbewusstsein und in der Reflexionsform – und andererseits eine Einheit in der Konkretion und in der Totalität der Wissensformen in einem unendlich ablaufenden Bewusstsein. Das Transzendentale ist virtuell geschlossener Vernunftbezug, als auch immer schon eröffnet zu einer reflexiven Erfassung, und das heißt auch, apriorisch geöffnet auf das Materiale der eigenen Person, des Wesens, der Liebe  hin – und schließlich auf eine interpersonale und  geschichtlich erscheinende  Sinnidee in einer alles wiederherstellenden, wiedergutmachenden, positiven Offenbarung Gottes.  In der realisierten, einmaligen Erlösung und Satisfaktion  durch den Gott-Menschen JESUS CHRISTUS und in der virtuell eröffneten Liebesgemeinschaft einer interpersonalen, kirchlichen Gemeinschaft, in dieser erinnernden wie prospektiven, eschatologischen Geltungseinheit vollendet sich der eingeschränkte, weil nur reflexiv getätigte,  Akt des philosophischen Wissens und Erkennens. Mithilfe dieser an der Erscheinung Gottes teilhabenden konkreten Erkenntnis möge der in abstrakten Begriffen und Prinzipien denkende Philosoph zum Leben zurückkehren, falls er sich in abstracto verloren haben soll.  

Anders gesagt: Die vernunftgemäße Realisation des transzendentalen Wissens ist sowohl eine zeitlose Reflexion des Wissens und des Selbstbewusstseins,  erfolgt aber zugleich in zeitlichen Schritten, insofern a) das Bewusstsein/Selbstbewusstsein sich nur setzend und gesetzt werdend (objektivierend) fassen kann, d. h. zeitlich und räumlich und willentlich erscheint – und sich im ständigen Werden begreift, und b) zugleich das interpersonale Ich in diesem Werden erfasst – und c) sich auf eine  positive Offenbarung als Sinnidee bezieht.   

(c) 29. 10. 2015, Franz Strasser

1 Ich hörte zufällig einen Vortrag: „Das Absolute und das Subjekt.“ Mainz 2008. Für mich war es ein Schock und wurde zum Anlass, nochmals die alten Skripten der Studentenzeit hervorzukramen. Insofern kann ich dem Vortrag jetzt sogar gute Seiten abgewinnen!

2MARKUS ENDERS beschreibt in: zur debatte, 1/2010, S 18-20, die Bedeutung der Seinsbestimmtheit der Ideen, d. h. was Wahrheit und Erkennbarkeit der Wahrheit heißen kann. Wie schon bei Parmenides selbst und in der von ihm begründeten Philosophenschule der Eleaten fungiert Wahrheit bei Platon „als Inbegriff der erkennbaren, geistig fassbaren Wirklichkeit“ (J. Szaif, Art. Wahrheit, I. Antike, A. Anfänge bis Hellenismus, in: HWPH, Bd. 12, Sp. 49). Erkennbar gemäß der auf Parmenides zurückgehenden platonischen Bedeutung von Erkennen (νοεῖν), das ein sicheres Erfassen und definitorisches Bestimmen des Wesensgehalts eines Gegenstandes bedeutet, sind nach Platon nur die Ideen, d. h. die allgemeinen, transzendenten, immateriellen Wesenheiten aller geistig und aller sinnlich erscheinenden Entitäten. Dabei kommt den Ideen Seinswahrheit auf Grund ihrer Unvermischtheit, d. h. ihres Ausschließens des Konträren, und auf Grund ihrer Urbildhaftigkeit zu, in der ihre Normativität für die Beurteilung der Einzelfälle im sinnenfälligen Bereich begründet liegt (hierzu vgl. genauer J. Szaif, art. cit., Sp. 50). (…)

3In der KpV ist es ziemlich zu Beginn auf der Suche nach einem formalen Unbedingten so ausgedrückt: Die reine Vernunft hat jederzeit ihre Dialektik, man mag sie in ihrem speculativen oder praktischen Gebrauche betrachten; denn sie verlangt die absolute Totalität der Bedingungen zu einem gegebenen Bedingten, und diese kann schlechterdings nur in Dingen an sich selbst angetroffen werden. Da aber alle Begriffe der Dinge auf Anschauungen bezogen werden müssen, welche bei uns Menschen niemals anders als sinnlich sein können, mithin die Gegenstände nicht als Dinge an sich selbst, sondern bloß als Erscheinungen erkennen lassen, in deren Reihe des Bedingten und der Bedingungen das Unbedingte niemals angetroffen werden kann, so entspringt ein unvermeidlicher Schein aus der Anwendung dieser Vernunftidee der Totalität der Bedingungen (mithin des Unbedingten) auf Erscheinungen, als wären sie Sachen an sich selbst (…)“ (KpV 107) Das ist aber nur ein reduktiv gewonnenes Argument und erreicht nicht die Begründungsebene eines PLATON.

4 Es ist das Grundproblem jeder modernen Differenzphilosophie und Grundfehler bei den sog. „Identitätsphilosophen“ Schelling und Hegel, die gerade so die Identität ja nicht fassen konnten.

Platon, Glyptothek München.
J. G. Fichte, Bild in der Humboldt-Universität in Berlin

Autor: Franz Strasser

Dr. Franz Strasser