1) Man hat rezeptions-ästhetisch und literarisch festgestellt, dass alles nach einem Zeit- und Raum-Schema und anderen Schemata verläuft. Das ist nicht verwunderlich, wie ich zum zeitlichen Anfang, 2. Teil, sagte, dass im zeitlosen Anfang zugleich der zeitliche Anfang der Freiheit eines kontingenten Ichs liegt, das die genetisch hineingelegte Sinnbestimmung der Schöpfung als Wahrheit und Liebe nachbilden und nachkonstruieren soll – in diskursiv-zeitlichen Schritten, einerseits in unendlicher Wiederholung, andererseits abgeschlossen im Bild des „Sabbats“. Die Freiheit in diesem Nachbilden, in zeitlicher Weise unabschließbar, in bildlicher Weise im „Sabbat“ abschließbar, geht nicht absolut willkürlich und zufällig vor, sondern gesetzhaft und schematisch.
Ein Schema ist transzendental gedacht die Regel einer Bestimmung der Anschauung nach einem Begriff. Ein Schema ist apriorisch immer im Erkennen und Wollen enthalten. Schemate sind Zeitbestimmungen a priori nach Regeln, und diese gehen auf die Zeitreihe (Quantität), den Zeitinhalt (Qualität), der Zeitordnung (der Relationalität) und auf den Zeitinbegriff überhaupt – in Ansehung aller möglichen Gegenstände.
Bei Georg Stein „Für alle(s) gibt es Zeit!“1 fand ich diese schematische Aufstellung, wobei der Autor meint, aus den Zeit- und Raumbestimmungen selber einen Sinn ableiten zu können – statt umgekehrt, durch das bildhafte Vermögen des „Bildes Gottes“ den Sinn der Zeit- und der Raumeinteilung erst finden und erkennen zu können.
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Gen 1, 1 |
Überschrift |
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Gen 1, 2 |
Chaosbilder als Gegensatz zu Schöpfung |
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1. Tag:Gen 1,3-5 |
Trennung von Licht und Finsternis: Zeitgröße „ein Tag“ |
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2. Tag: Gen 1,6-8 |
Errichtung der Trennwand im Wasser: Ordnung des Raumes |
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3. Tag: Gen 1,9f Gen 1,11-13 |
Schaffung von Land und Meer: Ordnung des Raumes Pflanzenkleid für das Land: Ausstattung des Raumes |
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4. Tag: Gen 1,14-19: |
Lichter am Himmel: Einteilung der Zeit (Tag, Monat, Jahr, Festtage) |
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5. Tag: Gen 1,20-23: |
Luft- und Seetiere: Besiedlung des Raumes |
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6. Tag: Gen 1,24f: Gen 1, 31 |
Landtiere: Besiedlung des Raumes Menschen: Besiedlung des Raumes und Hüteauftrag umfassende Billigung durch Gott |
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7. Tag: Gen 2,1-3 |
Ruhen Gottes: Segnung u. Heiligung einer besonderen Zeit |
Gen 1 ab Vers 3 bis Vers 5, wenn ich nur bei diesem ersten Teil bleibe, spricht deshalb von Zeit- und Raumanschauungen, weil diese selbst schon transzendentale Empfindungsformen des Sich-Wissens und Sich-Fühlens sind.
Zeit und Raum kommen aus den zwei höchsten sinnlichen Erfahrungen, sind Empfindungsformen des Hörens und des Sehens – neben anderen vier Empfindungsformen wie Tastsinn, Temperatursinn, Schmecken, Riechen.Wie und warum kommt es denn zu einer Zeit- und Raumeinteilung? Um die Freiheit der Selbstbestimmung und die Freiheit einer Antwort zu ermöglichen. Die Zeiteinteilung und Zählung „erste Tag“ ist möglich, weil ein in der Vernunft geschaffenes Licht innerlich verarbeitet und gesehen wird – und innerlich ein Anruf, ein Wort zu hören ist.
Das äußere Licht ist bereits Projektion einer inneren Erfahrung – und kann als solches gar nicht gesehen werden außer als angeschautes Licht.
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Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht. |
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Gott sah, dass das Licht gut war. Gott schied das Licht von der Finsternis |
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und Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte er Nacht. Es wurde Abend und es wurde Morgen: erster Tag. |
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Das Licht ist eine veräußerte Kraft das Handelns, eine Qualität, zwecks Selbstbestimmung. Das Licht befreit von der unmittelbaren Abhängigkeit in der Tastempfindung. Mittels Licht können wir uns orientieren, mittels Licht kann die Kraft des Tastsinns – eine Form des transzendentalen Triebes – angeschaut und verobjektiviert werden.
A. MUES hat die transzendentalen Bedingungen der Sinnesempfindungen hervorragend herausgearbeitet. Ich verweise darauf: 2 Licht ist nicht identisch mit den übrigen Qualitäten in den Sinnesempfindungen, sondern, so paradox das klingen mag, gerade als solches nicht erlebbar, und wird doch als Wirkursache empfunden, als Anwesenheit oder Abwesenheit seiner Wirkung an anderen Gegenständen.
A. MUES zeichnet fiktiv das Erleben von primitivsten Lebewesen wie Protozoen nach: Anfangs wird nur in Intensitätsgraden einer weißen oder schwarzen Oberfläche etwas an Tastbarem gesehen. Schritt für Schritt kann sich aber das Licht als negative Wirkursache am Tastbaren zu neuen Qualitäten aufspalten, sprich zu Farben, sobald die Kraft auf mehrere Tastqualitäten übertragen wird. Das weiße Licht rückt nochmals ab und lässt die tastbaren, farbigen Gegenstände in ihrer Farbe erscheinen. (Genauere Argumentation siehe bei A. MUES) Es ist herrlich, wie die Autoren von Gen 1 mit der nicht empfindbaren, im übertragenen Sinn, geistigen „Gegenständlichkeit“ des Lichts beginnen, wodurch sich der Mensch einmal grundsätzlich (noch nicht „farbig“) orientieren und geistig selbstbestimmen kann. Es wird diese geistige Gegenständlichkeit „Licht“ genannt, weil dies eine rationale und epistemische Kraft ausdrückt, nämlich die vom Tastsinn herkommende verobjektivierte Kraft des (freien) Handelns. Die ausdrückliche Einteilung und Benennung in „erster Tag“, mithin die Zeitanschauung ist deshalb a) notwendige Folge der ersten Verobjektivierung des Wissens überhaupt und einer endlichen Vernunft und b) die Folge der Gewinnung von Freiheit kraft der negativen Wirkursache des Lichts.
2) Aber es geht nochmals transzendentalkritischer und feinsinniger bei den Autoren von Gen 1 weiter: Ist das Licht wirklich die erste Wirkursache, die nur an einer anderen Gegenständlichkeit erlebt wird und als erstes Schöpfungswerk dargestellt wird? So ähnlich meinen es auch die Physiker zu wissen. Geht nicht dem Sehen eine andere Empfindungsqualität voraus? Wenn wir Gen 1 hören und lesen, so heißt es doch: „Gott sprach: ….“ Da ist doch implizit etwas zu hören!?
Was ist das Hören? Das Gehör ist die Objektivation des Temperatursinnes.3 Ein Sich-Bezug im Temperatur-Empfinden offenbart zuerst eine gewisse Abhängigkeit vom erlebten Gefühl. Der eigene Zustand wird erlebt. Im Hören ist diese Abhängigkeit aufgehoben zugunsten einer begleitenden Empfindung.
a) Da die Empfindungsqualitäten zuerst nicht als Entgegengesetzte angeschaut werden, müssen sie als Folge der Qualitäten gefasst werden, die entgegengesetzten Sinnesvermögen entstammen und dadurch einen Grund repräsentieren können.
b) Es entsteht eine zeitliche Folge und ein Folgesinn, um die Qualitäten aufeinander zu beziehen.
c) Es ist wiederum die verobjektivierte Zeitstruktur, die real-ideale Zeiterscheinung, mithin die Anschauung von gegensätzlichen Richtungen, an denen zwei gegensätzliche Qualitätsbereiche empfindbar werden. „Dieses gesamte Anschauungsmaterial wird nun nochmals vor-gestellt (sc. beim Hören), in der Zeit, deshalb auch erlitten, mit Qualitäten, die dem Wahrnehmenden nicht entgegengesetzt erscheinen. Sie begleiten ihn in der Zeit, sind mit ihm in der Zeit vereinigt (…).“ 4 Die Qualität des Empfundenen wird nach außen gestellt, steht dem Sich-Bezug des Wissen aber nicht räumlich entgegen, sondern begleitet ihn vielmehr für eine Dauer und ist mit ihm in der Zeit harmonisch vereinigt. Je länger der Sich-Bezug währt, umso länger wird die Zeit erlebt. Die Qualität, die vermittelt wird, vermittelt einen Zustand. Es wird aber die vermittelte Qualität des Gehörten nur so gehört, dass zugleich der eigene Zustand „mitläuft“ und damit verglichen werden kann. Eine Selbstanschauung des Erleidens ist gegeben – wenn diese Selbstanschauung auch noch nicht bewusst sein mag. Eine analog zum äußeren, räumlichen Sinn des Sehens innere Distanzierbarkeit und Freiheit ist geschenkt; eine in der Zeit den Empfindenden begleitende Empfindung, „als dasselbe seiend wir er, oder besser: er der Empfindende, ist bezüglich seiner bestimmten Empfindung, dasselbe, was die Qualität ist.“ 5
Durch das Hören wird eine objektivierte Zeitstruktur geschaffen, weil begrifflich das Erleben zweier gegensätzlicher Qualitätsbereiche zusammengebracht wird, die rein begrifflich nicht möglich wäre. Ergo muss die Einheit in einer appositionellen Reihe, d. h. in einer verobjektivierten Anschauung und Synthesis gesetzt werden (initiiert durch das Hören). Das Anschauungsobjekt ist im Zeitablauf des Empfindenden real begleitend gesetzt. Es wird eine Linie nicht bloß vorgestellt und angeschaut, sie wird vielmehr in der Zeit nochmals als qualitativ empfindbar erscheinende Linie angeschaut und gezogen, als lineare Empfindungsmöglichkeit. 6
3) Es folgt aber noch mehr als die bloße innere Distanzierbarkeit und eine in Kontinuität sich durchhaltende Empfindungsmöglichkeit: Das durch das Gehör vermittelte Zustandsempfinden muss nochmals verobjektiviert und reflektiert werden. Das Vermittelte des Gehörten setzt eine eigene Aktivität in der eigenen Zustandsvermittlung voraus. „Beim Hören wird in der Qualität zugleich angeschaut, dass dort mittelbar ein Zustand mir, dem Hörenden, mitgeteilt wird, ein objektiver Zustand.“ 7 Die Repräsentanten objektiver Zustandsvermittlungen wie z. B. Töne oder Worte sind nicht räumlich voneinander verschieden (und könnten als solche räumlich einander entgegengesetzt sein), sie sind objektive Zustandsvermittelnde. Ihre Beziehung zueinander wird objektiv empfunden. Gerade wegen dieser objektiven Beziehbarkeit kann aber auf Seiten des Objektiven genauer unterschieden werden: sind es bloße Töne, Geräusche, oder ist es eine Stimme, ein Wort, das eine Intention vermittelt? Die objektiven Zustände können also verschiedene Gestalten aufweisen und können niedere, spontane und notwendige Reaktionen auslösen, oder können höhere Formen der freien Selbstbestimmung sein und Intentionen vermitteln bzw. und auf andere Intention ausgehen.
Das Gehör leistet über das Sehen hinaus eine nochmalige Möglichkeit der Freiheit und des Sich-Bezuges des Wissens und ist geöffnet auf einen intentionalen und interpersonalen Willensbezug hin. Die größtmögliche, unbegrenzte Empfindungssphäre ist erreicht, wenn gehört wird und eine Intention zu erkennen ist – und so ist in Gen 1, 3 bereits eine auf Interpersonalität und freie Antwort hin angelegte Aussage, ehe noch am „sechsten“ Tag das Vernunftwesen „Mensch“ geschaffen ist.
In Gen 1, 3 ist bereits etwas zu hören, nämlich „Gott sprach“, als auch zu sehen („es werde Licht“). Das ist bereits anfängliche Intentionalität, anfängliche Beziehung.
4) Damit ist eine nochmalige höhere Begriffsanalyse gewonnen: Die Freiheit kann die Unableitbarkeit der Sinnesempfindungen als modal zufällig einstufen, weil die fakultative Wahlmöglichkeit in der Sinnesempfindung nicht rein determinierend erlebt wird, sondern unterschieden werden kann in natural notwendig und intentional zufällig eingestufte Empfindungen. Die ganze Sphäre der naturalen Sinnesempfindungen sind modal möglich, aber hier in Gen 1, 3 beginnt es bereits „zufällig“ im reinsten Sinne des Wortes, welcher Modus aus einer eröffneten Wahlmöglichkeit kommt d. h. Gott hätte auch nicht schaffen müssen. Das „zufällig“ ist eine nur intentional denkbare, mögliche, freie An-Determination anderer Freiheit. Eine An-Determination (und nicht naturale Durch-Determination) gibt es nur im freilassenden Aufruf-Antwort-Geschehen von Person zu Person.
(Das könnte jetzt natürlich noch vielfältig weitergeführt werden anhand des WORT-Verständnisses der Hl. Schrift, als bewusstes Schöpfungswort (Logos), als Wort beginnend mit dem Sinai-Geschehen, den vielen Befreiungsgeschichten und Berufungsgeschichten, Psalmen etc.)
Die intentionale Bestimmung, ein Aufruf, ein Hören einer anderer Person, öffnet das Bewusstsein zu einem wirklichen fakultativen Ja oder Nein, zu einer frei wählbaren Verichlichung und Vereinigung – oder zur Ablehnung.
In der apriorischen Einheit der Sinnenwelt – aufgespalten in subjektiv einheitliche Sinnenstruktur und objektiven Empfindungsstruktur – liegt somit eine zugrundeliegende, höhere Idee: eine intentionale Verichlichung und Vereinigung soll ermöglicht werden, eine freie Beziehung.
Die Spontaneität des Vernunftwesens vermittelt a) die Sinne und die Sinnesqualitäten untereinander und erkennt die vorgegebene Vielfalt der Sinnesqualitäten als „zufällige“ Qualitäten und b) strebt selbst triebhaft und frei zur formalen und materialen Einheit eines apriorischen Vernunftsollens. Der durch sich selbst bestimmte reine Wille soll in Freiheit nachgebildet werden. Der oben in der Metaphysik des Absoluten begonnene Diskurs einer real-logischen Ursache außerhalb des Begründeten (im Bewusstsein) ist genetisch ermöglicht, ist prinzipiell schon als sinnvoll und vollendet gesetzt – und kann in unendlich zeitlichen Schritten zu Bedingungen der Freiheit gesetzt werden.
Die transzendentallogische Grund-Folge-Ordnung und die real-logisch gesetzte Ursache-Wirkungs-Ordnung „außerhalb“ des Bewusstseins, weil notwendig das Bewusstsein implikativ und appositionell ein Ursache setzen muss, vermittelt uns das Wissen einer Folge, d. h. ein implizites Wissen eines Grundes. Der genetische Grund ist Wissen für sich – von Gen 1,3 so genial zusammengefasst, „Gott sprach: Es werde Licht…“, weil durch das Sehen eine freie Orientierung und freies Richtungnehmen begonnen ist.
Die in mageren Begriffen von mir ausgesagte „Geschichte eines Verhältnisses“ (Teil 1) zwischen Gott und Vernunftwesen in der Schöpfung ist eine zeitlich und räumlich eröffnete Liebes- und Kommunikationsbeziehung. Deshalb die wiederholt wiederkehrende Rede vom „gut sein“ der Schöpfung, weil das conditionale und causale Geschaffensein aus einem guten, heiligen Willen kommt und zum Guten hin („der Gute) durch das Licht und durch das Wort geöffnet ist. Im Sich-Wissen des Sehens und Hörens ist bereits vollendet gesetzt, ist alles bereits „gut“ gesetzt, was zu Bedingungen der Freiheit nochmals eingeholt und selbst realisiert werden soll.
Die Zählung „erster Tag“ bezieht sich somit auf eine innere Konstitutionsbeziehung, aber ebenso natürlich bereits auf eine schematisierte Zeitbedingung. Durch eine gewisse Zeiteinteilung und Zeit-Richtung kann das Gerüst eine äußeren, zeitlichen Orientierung geschaffen werden zu Bedingungen der Freiheit.
Ich beende hier diesen Versuch einer transzendental-deduktiven Auslegung und bin vorläufig nur bis zum ersten Tag gekommen (Gen 1, 1 – 5). Es liegen sicherlich noch mehr apriorische Wahrheiten drinnen. Die nächsten Verse (Gen 1, 6 – 31 u. 2, 1- 3) könnten ebenfalls nach den apriorischen Bedeutungsstrukturen und nach ihren apriorisch-logischen Gesetzen des Wissens befragt werden.
© Franz Strasser, 15. 10. 2015
1 Georg Stein „Für alle(s) gibt es Zeit!“ in: Bibel und Kirche, Kath. Bibelwerk, Stuttgart, 1/2003. Schöpfung als Rhythmisierung des Lebens (Gen 1,1-2,3),
2A. MUES, Die Einheit der Sinnenwelt, a. a. O., S 126ff.
3Vgl. A. MUES, Die Einheit der Sinnenwelt, a. a. O., S 138ff.
4Ebd. S 139.
5Ebd. S 143. Es müsste jetzt noch viel weiter ausgeführt werden, dass gerade dieser zeitdominante Sinn des Hörens nochmals eine höhere Begründung schafft für ein raumdominantes Empfinden und für die Raumstruktur.
6Vgl. A. MUES, Die Einheit der Sinnenwelt, ebd.,S 144. Deshalb kann auch, wie oben z. B. bei Fr. JOHN gelesen, der Schöpfungsbericht Gen 1 mit den Befreiungs- und Begleitungserlebnissen des Volkes Israel verknüpft werden. Das Volk Gottes fühlte sich dadurch von Gott begleitet und geführt. Das setzt sich fort im übergebenen Wort Gottes am Berg Sinai oder in Gen 12 usw. Die „Priesterschrift“, wie die Redaktion der Hl. Schrift in nachexilischer Zeit von den historisch-kritischen Exegeten in einer Art Schule zusammengefasst wird, war sehr maßgeblich für die ganze Theologiegeschichte des Ersten Testamentes – siehe z. B. Konrad Schmid, 1. Teil, Anm. 3. „ Für die Priesterschrift bildet die perserzeitliche Gegenwart ihrer Autoren gewissermaßen das gottgewollte Ende der Geschichte. Die Völker koexistieren gewaltfrei in ihren Ländern entsprechend ihrer Sprache, Kultur und Religion, und im theologischen Zentrum der Welt befindet sich Israel mit dem vom Schöpfergott gestifteten Kult. Auch wenn es nicht ausdrücklich gesagt ist, so lässt sich die priesterschriftliche Organisation der Welt als Auslegung von Gen 12,3 interpretieren: An Abraham und Israel erwirbt sich die Welt ihren Segen – ohne dies notwendigerweise explizit zu wissen. Ein künftiges Gerichtshandeln Gottes an der Welt ist für die Priesterschrift undenkbar. Gott hat die Welt urgeschichtlich ein für alle Mal gerichtet, in ihrem Sintflutprolog nimmt die Priesterschrift die schärfsten Gerichtsansagen aus Amos und Ezechiel auf („Das Ende ist gekommen“ Gen 6,13, vgl. Am 8,2f; Ez 7,2f) (…)“ Konrad Schmid, Der Pentateuch und seine Theologiegeschichte.In Zeitschrift für Theologie und Kirche, Sept. 2014, S 29.
7Ebd.S 145.