Die Schöpfungserzählung 5. Teil oder die Metaphysik des Absoluten, Sehen, Hören und die Intentionen

1) Man hat rezeptions-ästhetisch festgestellt, dass alles nach einem Zeit- und Raum-Schema verläuft. Das ist nicht verwunderlich, da doch das Zeit- und Raum-Schema apriorisch im Erkennen  grundgelegt ist. Georg Steins „Für alle(s) gibt es Zeit!“ in: Bibel und Kirche, Kath. Bibelwerk, Stuttgart, 1/2003. Schöpfung als Rhythmisierung des Lebens (Gen 1,1-2,3)

Gen 1, 1 Überschrift
Gen 1, 2 Chaosbilder als Gegensatz zu Schöpfung
1. Tag:Gen 1,3-5 Trennung von Licht und Finsternis: Zeitgröße „ein Tag“
2. Tag: Gen 1,6-8 Errichtung der Trennwand im Wasser: Ordnung des Raumes
3. Tag: Gen 1,9f Gen 1,11-13 Schaffung von Land und Meer: Ordnung des Raumes Pflanzenkleid für das Land: Ausstattung des Raumes
4. Tag: Gen 1,14-19: Lichter am Himmel: Einteilung der Zeit (Tag, Monat, Jahr, Festtage)
5. Tag: Gen 1,20-23: Luft- und Seetiere: Besiedlung des Raumes
6. Tag: Gen 1,24f: Gen 1, 31 Landtiere: Besiedlung des Raumes Menschen: Besiedlung des Raumes und Hüteauftrag umfassende Billigung durch Gott
7. Tag: Gen 2,1-3 Ruhen Gottes: Segnung u. Heiligung einer besonderen Zeit

Die Zeit- und Raum-Ordnung ist notwendige Folge der freien Selbstbestimmung – und spiegelt sich deshalb an allen „Schöpfungstagen“  wider. Abgesehen davon, dass Gen 1, 1, wo es heißt „Im Anfang“ nicht zeitlich verstanden werden darf, sondern aus einem zeitlosen, substantiellen Denk- und Selbstbestimmungsakt kommt, spricht Gen 1 ab Vers 3 bis Vers 5 sogar  von einer transzendentalen Begründungsstruktur des Strebens.

Wenn man genau hinsieht – wo kommt  es zum ersten Mal zu einer Zeiteinteilung  „erster Tag“? Im Zusammenhang der Erschaffung des Lichts.  Das ist m. e.  wörtlich gut zu verstehen. 

Gen 1,3 Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht.
Gen 1,4 Gott sah, dass das Licht gut war. Gott schied das Licht von der Finsternis
Gen 1,5 und Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte er Nacht. Es wurde Abend und es wurde Morgen: erster Tag.

Das Licht ist eine  Qualität zwecks Selbstbestimmung, eine Kraft, die befreit von der unmittelbaren Abhängigkeit in der Tastempfindung. Mittels Licht können wir uns orientieren, mittels Licht kann die Kraft des Tastsinnen angeschaut und verobjektiviert werden. A. MUES hat die transzendentalen Bedingungen der Sinnesempfindungen hervorragend herausgearbeitet. Ich verweise darauf: 1 Licht ist nicht identisch mit den übrigen Qualitäten in den Sinnesempfindungen, sondern, so paradox das klingen mag, gerade als solches nicht erlebbar, sondern wird als Wirkursache empfunden, als Anwesenheit oder Abwesenheit seiner Wirkung an anderen Gegenständen. A. MUES zeichnet fiktiv das Erleben von primitivsten Lebewesen, wie Protozoen, nach: Anfangs wird nur in Intensitätsgraden einer weißen oder schwarzen Oberfläche etwas an Tastbarem gesehen, Schritt für Schritt kann sich aber das Licht als negative Wirkursache am Tastbaren zu neuen Qualitäten aufspalten, sprich zu Farben, sobald die Kraft auf mehrere Tastqualitäten übertragen wird. Das weiße Licht rückt nochmals ab und lässt die tastbaren, farbigen Gegenstände in ihrer Farbe erscheinen. (Genauere Argumentation siehe bei A. MUES) Es ist herrlich, wie die Autoren von Gen 1 mit der nicht empfindbaren, im übertragenen Sinn geistigen „Gegenständlichkeit“ des Lichts beginnen, wodurch sich der Mensch einmal grundsätzlich (noch nicht farbig) orientieren und geistig selbstbestimmen kann. Es wird diese geistige  „Gegenständlichkeit“  „Licht“ genannt, was nochmals eine rationale und epistemische Macht ausdrückt, nämlich die vom Tastsinn herkommende verobjektivierte Kraft  weitergehend zu nutzen. Die ausdrückliche Einteilung und Benennung in „erster Tag“, mithin die Zeitanschauung, ist deshalb  a) notwendige Folge der Verobjektivierung  der endlichen Vernunft und b) Folge der Gewinnung von Freiheit  kraft der negativen Wirkursache des Lichts.

2) Aber ist das Licht wirklich die erste Wirkursache, die an einer anderen Gegenständlichkeit erlebt wird und als erstes Schöpfungswerk dargestellt  wird? So ähnlich meinen es auch die Physiker zu wissen. Geht nicht dem Sehen eine andere Empfindungsqualität voraus? Wenn wir Gen 1 hören oder lesen, so heißt es doch: „Gott sprach: ….“ Da muss implizit etwas zu hören  sein. Das ist m. E. ebenfalls wörtlich zu nehmen wie das Sehen des Lichts! Was ist das Hören? Das Gehör ist die Objektivation des Temperatursinnes2 Ein Sich-Bezug im Temperatur-Empfinden offenbart zuerst eine gewisse Abhängigkeit vom erlebten Gefühl. Der eigene Zustand wird erlebt. Im Hören ist diese Abhängigkeit aufgehoben zugunsten einer begleitenden Empfindung.

a) Da die Empfindungsqualitäten zuerst nicht als entgegengesetzte angeschaut werden, müssen sie als Folge der Qualitäten gefasst werden, die entgegengesetzten Sinnen entstammen und dadurch einen Grund repräsentieren können. b) Es entsteht eine zeitliche Folge und ein Folgesinn, um die Qualitäten aufeinander zu beziehen. c) Es ist wiederum die verobjektivierte Zeitstruktur, die real-ideale Zeiterscheinung, mithin die Anschauung von gegensätzlichen Richtungen, an denen zwei gegensätzliche Qualitätsbereiche empfindbar werden. „Dieses gesamte Anschauungsmaterial wird nun nochmals vor-gestellt (sc. beim Hören), in der Zeit, deshalb auch erlitten, mit Qualitäten, die dem Wahrnehmenden nicht entgegengesetzt erscheinen. Sie begleiten ihn in der Zeit, sind mit ihm in der Zeit vereinigt (…).“ 3 Die Qualität des Empfundenen wird nach außen gestellt, steht dem Sich-Bezug des Wissen aber nicht räumlich entgegen, sondern begleitet ihn vielmehr für eine Dauer und  ist mit ihm in der Zeit harmonisch vereinigt. 4 Je länger der Sich-Bezug währt, umso länger wird die Zeit erlebt. Die Qualität, die vermittelt wird, vermittelt einen Zustand. Es wird aber die vermittelte Qualität des Gehörten nur so gehört, dass zugleich der eigene Zustand „mitläuft“ und damit verglichen werden kann. Eine Selbstanschauung des Erleidens ist gegeben – wenn diese Selbstanschauung auch noch nicht bewusst sein mag. Eine analog zum äußeren, räumlichen Sinn des Sehens innere Distanzierbarkeit und Freiheit ist geschenkt; eine in der Zeit den Empfindenden begleitende Empfindung, „als dasselbe seiend wir er, oder besser: er der Empfindende, ist bezüglich seiner bestimmten Empfindung, dasselbe, was die Qualität ist.“ 5 Durch das Hören wird eine objektivierte Zeitstruktur geschaffen, weil begrifflich das Erleben zweier gegensätzlicher Qualitätsbereiche zusammengebracht wird, die rein begrifflich nicht möglich wäre. Ergo muss die Einheit in einer appositionellen Reihe, in einer verobjektivierten Anschauung und Synthesis gesetzt werden (initiiert durch das Hören). Das Anschauungsobjekt ist im Zeitablauf den Empfindenden real begleitend gesetzt. Es wird eine Linie nicht bloß vorgestellt und angeschaut, sie wird vielmehr in der Zeit nochmals als qualitativ empfindbar erscheinende Linie angeschaut, als lineare Empfindungsmöglichkeit. 6

3) Es folgt aber noch mehr als die bloße innere Distanzierbarkeit und eine in Kontinuität sich durchhaltende Empfindungsmöglichkeit: Das durch das Gehör vermittelte Zustandsempfinden muss nochmals verobjektiviert und reflektiert werden. Das Vermittelte des Gehörten setzt eine eigene Aktivität in der eigenen Zustandsvermittlung voraus. „Beim Hören wird in der Qualität zugleich angeschaut, dass dort mittelbar ein Zustand mir, dem Hörenden mitgeteilt wird, ein objektiver Zustand.“ 7 Die Repräsentanten objektiver Zustandsvermittlungen z. B.Töne sind nicht räumlich voneinander verschieden (und könnten als solche räumlich einander entgegengesetzt sein), sie sind objektive Zustandsvermittelnde. Ihre Beziehung zueinander wird objektiv empfunden. Gerade wegen dieser objektiven Beziehbarkeit kann aber auf Seiten des Objektiven genauer unterschieden werden: sind es bloße Töne, Geräusche, oder ist es eine Stimme, die eine Intention vermittelt? Die objektiven Zustände können verschiedene Gestalten aufweisen und können nochmals höhere Formen der Selbstbestimmung, d. h.  Intentionen vermitteln und auf andere Intention ausgehen. Das Gehör leistet über das Sehen hinaus eine nochmalige Möglichkeit der Freiheit und des Sich-Bezuges des Wissens und ist geöffnet auf einen intentionalen und interpersonalen Willensbezug hin. Die größtmögliche, unbegrenzte Empfindungssphäre ist erreicht, gegebenenfalls zu hören und sogar eine Intention zu erkennen.

Damit ist aber eine nochmalige höhere Begriffsanalyse gewonnen: Die Freiheit kann die Unableitbarkeit der Sinnesempfindungen als modal zufällig einstufen, weil die fakultative Wahlmöglichkeit in der Sinnesempfindung nicht rein determinierend erlebt wird, sondern unterschieden werden kann in natural notwendig eingestufte  und intentional zufällig eingestufte Empfindungen. Die ganze Sphäre der naturalen Sinnesempfindungen sind  modal möglich , aber  zufällig im reinsten Sinne des Wortes sind allein die  aus der eröffnete Wahlmöglichkeit kommenden,  intentionalen, freien An-Determination eines anderen Menschen. An-Determination gibt es nur im freilassenden Anruf-Antwort-Geschehen von Person zu Person. Die Sinnesempfindungen für sich betrachtet machen das reflektierende Bewusstsein von den „Zufälligkeiten“ der Qualitäten abhängig, wobei „zufällig“ hier bereits im übertragenen Sinn gemeint ist, abgeleitet aus den nicht notwendigen Bestimmungen in einem Interpersonalverhältnis. Die intentionale Bestimmung, ein Aufruf, ein Hören einer anderer Person, eröffnet das Bewusstsein  zu einem wirklichen fakultativen Ja oder Nein, zu einer frei wählbaren Verichlichung und Vereinigung – oder zur Ablehnung derselben. In der apriorischen Einheit der Sinnenwelt – aufgespalten in subjektiv einheitliche Sinnenstruktur und (durch das Hören vermittelt) objektiven Empfindungsstruktur – offenbart sich nochmals ein höherer Sinn: eine intentionale Verichlichung und Vereinigung soll aufgetan sein, eine freie Beziehung zu knüpfen. 

Die Spontaneität vermittelt a) die Sinne und die Sinnesqualitäten untereinander und erkennt die vorgegebene Vielfalt der Sinnesqualitäten als „zufällige“ Qualitäten („zufällig“ hier schon abgeleitet aus dem Interpersonalbereich) und b) strebt selbst zur formalen und materialen Einheit des apriorischen Vernunftsollens. Der durch sich selbst bestimmte reine Wille soll verwirklicht werden. Dies ist die formale und materiale Einheit des Wissens. FICHTE nennt dies auch die „materiale intellektuelle Anschauung“, sittliches, materiales Verwirklichtsein von Wahrheit und Gutsein oder mit einem anderen Wort, Verwirklichtsein von Sinn.9 Der oben in der Metaphysik des Absoluten begonnene Diskurs einer real-logischen Ursache außerhalb des Begründeten (im Bewusstsein) ist damit zu einem Ende gekommen: der deliberierend freie Wille ist durch das interpersonal zu verwirklichende materiale Soll des reinen Willens zu einem Willen geworden. Die transzendentallogische Grund-Folge-Ordnung einer real-logisch gesetzten Ursache außerhalb –  weil notwendig das Bewusstsein implikativ und appositionell zugleich aufgebaut ist –  ist das Wissen der Folge, das auch implizites Wissen des Grundes ist. Der Grund ist selbst noch Wissen für sich. Die Reduktion und Analyse des Wissens führte zum Wissen des Grundes zurück, zum substantiellen Denk- und Selbstbestimmungsakt, in dem und aus dem das „Abbild“ hervorgeht, das synthetische Nach-Bilden der freien Vernunftmöglichkeit.  Die im mageren Begriff der „Geschichte eines Verhältnisses“ (Teil 1) ausgesagte Beziehung zwischen Gott und Schöpfung ist eine zeitlich und räumlich eröffnete, objektive Liebes-Beziehung, worin es zu Bedingungen der Freiheit zu einer Verichlichung des Nicht-Ichs und Vereinigung von Willen zu Willen kommen kann und kommen soll. Deshalb die wiederholt wiederkehrende Rede vom „gut sein“ der Schöpfung, weil das Geschaffensein und die Charakteristik der Dinge aus dem guten, reinen Willen selber kommt. (Dass es auch das Böse gibt – ja das wäre dann das Thema in Gen 3) 

Ich beende hier diesen Versuch einer transzendental-deduktiven Auslegung von Gen 1 – und bin vorläufig nur bis zum ersten Tag gekommen (Gen 1, 1 – 5); es könnten die nächsten Verse ebenfalls penibel genau nach der apriorischen Sinnenstruktur und den apriorisch-logischen Gesetzen des Wissens ausgelegt werden. Die historisch-kritischen Befundungen zum Text sind ja Legion. Einfach genial leuchtet ist dieser einzigartige Text in die Zeit hinein. Er deckt sich mit allen Kriterien einer  transzendental-kritischen Exegese, sofern analytisch-synthetisch das Wesen der Erscheinung Gottes in der Schöpfung erkannt werden kann. Es kann auch nicht anders sein: Letztlich müssen sich die  transzendentalen Erkenntnisse mit den Grundaussagen der Hl. Schrift decken, sonst ergäbe sich auf irgendeiner Seite ein Widerspruch. (Fortsetzung möglich.)

(c) Dr. Franz Strasser, 15. 10. 2015
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1A.MUES, Die Einheit der Sinnenwelt, a. a. O., S 126ff.

2Vgl. A. MUES, Die Einheit der Sinnenwelt, a. a. O., S 138ff.

3Ebd. S 139.

4Es könnten hier unmittelbar die Daseinsanalysen von E. SIMONS eingebaut werden, die vom begleitenden Wort Gottes erzählen. Ebenso könnten viele Parallelen aus JESAJA oder dem Buch DEUTERONOMIUM gebracht werden, die von dieser tonhaften, wort-haften Vermittlung Gottes sprechen, insofern ein Zustand der Nähe und Weisheit Gottes geschildert wird.

5Ebd. S 143. Es müsste jetzt noch viel weiter ausgeführt werden, dass gerade dieser zeitdominante Sinn des Hörens nochmals eine höhere Begründung schafft für ein raumdominantes Empfinden und für die Raumstruktur.

6Vgl. A. MUES, Die Einheit der Sinnenwelt, ebd.,S 144. Deshalb kann auch, wie oben z. B. von Fr. JOHN richtig gesehen, der Schöpfungsbericht Gen 1 mit den Befreiungs- und Begleitungserlebnissen des Volkes Israel kombiniert werden. Das Volk Gottes fühlte sich durch das Wirken Gottes begleitet. Das setzt sich fort im übergebenen Wort Gottes am Berg Sinai oder in Gen 12 usw. Die „Priesterschrift“, wie die Redaktion der Hl. Schrift in nachexilischer Zeit von den historisch-kritischen Exegeten in einer Art Schule zusammengefasst wird, war sehr maßgeblich für die ganze Theologiegeschichte des Ersten Testamentes  – so z. B. Konrad Schmid (Siehe meinen Teil 1 und dortige Anmerkung 3).

„ Für die Priesterschrift bildet die perserzeitliche Gegenwart ihrer Autoren gewissermaßen das gottgewollte Ende der Geschichte. Die Völker koexistieren gewaltfrei in ihren Ländern entsprechend ihrer Sprache, Kultur und Religion, und im theologischen Zentrum der Welt befindet sich Israel mit dem vom Schöpfergott gestifteten Kult. Auch wenn es nicht ausdrücklich gesagt ist, so lässt sich die priesterschriftliche Organisation der Welt als Auslegung von Gen 12,3 interpretieren: An Abraham und Israel erwirbt sich die Welt ihren Segen – ohne dies notwendigerweise explizit zu wissen. Ein künftiges Gerichtshandeln Gottes an der Welt ist für die Priesterschrift undenkbar. Gott hat die Welt urgeschichtlich ein für alle Mal gerichtet, in ihrem Sintflutprolog nimmt die Priesterschrift die schärfsten Gerichtsansagen aus Amos und Ezechiel auf („Das Ende ist gekommen“ Gen 6,13, vgl. Am 8,2f; Ez 7,2f) (…)“ Konrad Schmid, Der Pentateuch und seine Theologiegeschichte.In Zeitschrift für Theologie und Kirche, Sept. 2014, S 29.

7Ebd.S 145.

9Die überindividuelle Ich-Einheit wird in den THATSACHEN DES BEWUSSTSEINS v. 1813 ausdrücklich als eine materiale intellektuelle Anschauung angesprochen. Der höchste materiale Gehalt begründet sich selbst, ist Grund und Folge ineins. Dieser Gehalt ist das Bonum, das Gute. Die Wahrheit [Verum]  bewährt sich durch das Gute und umgekehrt wird das Bonum zum Verum. Dieses Materiale hält sich selbst, ist Gewissheit seiner selbst „Durch diese Form, daß er nämlich Ausdruck ist eines allgemeinen Charakters, erhebt der Begriff sich durchaus über alle Wirklichkeit, und kann nur durch seinen Inhalt in dieselbe kommen. Dieser Begriff ist nun schlechthin, er wird nicht, und ist die intellectuelle Anschauung. Nur Er ist die intellectuelle Anschauung. In der Empirie haben wir früher auch eine intellectuelle Anschauung der bloßen Form des Bildes, als nicht des Seins aufgestellt. Alles Bewußtsein ist möglich nur durch das Verstehen des Bildes als solchen, dies ist freilich auch eine intellectuelle Anschauung; aber sie ist das bloße formale Bild der intellectuellen Anschauung, die wir hier hinstellen; dergleichen ja die Erfahrung überhaupt ist in Beziehung auf die reale Erscheinung. Unser jetziger Begriff ist durch diese Form der unmittelbare Ausdruck des überwirklichen, des reinen Charakters dessen, was absolut da ist, der Erscheinung.“ [SW IX, 452.453]

10Das Thema des Guten ließe sich hier noch weiterdenken. Bestenfalls kommt das menschliche Wollen zu einem universalisierbaren, allgemeinen Guten. Die materiale Seite des göttlichen Guten kann diese Selbstgerechtigkeit durchaus noch überschreiten – wie die positive Offenbarung in JESUS beweist.