Zum Begriff des Transzendentalen – 2. Teil

Die überdisjunktive, disjunktionslose Wahrheit wird gesucht:

Mit FICHTES Wln gesprochen: Das in und aus dem Absoluten hervorgehende Wissen einer alles konstituierenden, d. h. einer alles begründenden und rechtfertigenden Einheit von Wissen und Sein – die platonische Idee des Guten – erlaubt in und aus dieser intellegierenden Quelle des Lichts, immer im selben Genus, die Teilbestimmungen des Seins wie des Wissens, als teilverabsolutierte Bestimmungen eines realistischen wie idealistischen Denkens, in Struktur und System, zu verstehen und zu explizieren.(WL 1804/2) Die voraussetzunglose Einheit einer relationslosen Identität, die im Selbstbewusstsein von sich her in ihrer Erscheinungsform aufscheint, gibt ein transzendentales Verstehensprinzip an die Hand, alle ontologischen Verabsolutierungen zu durchschauen, falls sie nicht analytisch wie synthetisch in und aus der Einheit des Prinzips (von Denken und Sein) explizit deduziert werden können.

Nochmals mit PLATON (oder DESCARTES) gesprochen: Das in Einheit eingesehene Wissen des Absoluten ist Bedingung der Möglichkeit jedes weiteren Wissens „von Erkenntnis und Wahrheit“ (ebd.), es verleiht dem Erkennenden das Vermögen zur Erkenntnis und gewährt die Erkennbarkeit der Wahrheit. Die Wahrheit dieses Guten (letztlich: DER GUTE), steht begrifflich jenseits einer subjektiv-objektiven Disjunktion, und muss doch transzendental dem Wissen nach im Wissen implizit bekannt sein.

Es sei hier von mir deutlich einbekannt, dass dies die Hauptschwierigkeit sein wird, dass einerseits das Transzendentale und transzendentale Wissen auf eine relationslose Einheit hinauslaufen muss, andererseits aber gerade deshalb das Wissen nur im Gegensatz zu dieser relationslosen Einheit als eine reflexive Zwei-Einheit (analytisch-synthetische Einheit) als wahr gerechtfertigt und begründet werden kann. Die Erkenntnis der Erkenntnis aller empirischen und geistigen Begriffe – das ist eine unendliche Aufgabe und mein Geist hier hier von geringer Einsicht. Aber jeder empirische Begriff hat apriorische Grundlagen (er ist nie nur induktiv), jeder mathematische Begriff beruht auf formalen Anschauungen, jedes Wort der Sprache hängt  mit einer apriorischen Kommunikationsstruktur zusammen. Die Immanenz eines Gewussten (Erkannten) liegt  begründet in der Transzendenz und umgekehrt ist alle Transzendenz als Sollensforderung der Wahrheit nur im reflexiven Vollzug auf allen empirischen, moralischen, dialogischen, rechtlichen, religiösen Ebenen  erkennbar. 

Autor: Franz Strasser

Dr. Franz Strasser

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