Historische oder transzendentale Argumente – zur Gestaltung eines Altarraumes.

Ich hörte vor kurzem (Okt. 2017) auf der Katholischen Universität in Linz einen Vortrag und eine nachfolgende Diskussion über die neue Platzierung und Gestaltung des Volksaltares im Linzer Dom. Ich fragte mich dann: Zählen eigentlich nur mehr kunsthistorische und kunstästhetische Kriterien, symbolisch-liturgische und metaphysisch festgeschriebene Argumente, aber der, wie wollte ich sagen, a) kommunikationstheoretische Sinn, was macht wirklich eine christliche Gemeinde aus und b) der transzendentale Sinn der Erinnerung des Opfers Jesu am Altar, wird der noch herausgearbeitet?

Es war eine zum Historischen des Linzer Doms und zum liturgischen und kunstgeschichtlichen Aspekt eines Altarraumes dominierte Veranstaltung,. Allgemeinste Fragen in der Art, wie legitimiert sich das kirchliche Amt, und daraus folgend, die architektonische und liturgische Anordnung eines Altarraumes, das kam nicht zur Sprache. Mag vielleicht in diesem Fall gar nicht so relevant sein, weil ad a) die Verbundenheit mit dem Linzer Dom durch die ganze Geschichte des Dombaus und der Liebe der Oberösterreicher zu ihrer Domkirche seit jeher bestanden hat, also der kommunikationstheoretische Aspekt bis heute irgendwie passt, und ad b) der Sinn eines Altares und eines Ambos, evtl. einer Sedes, noch tief in den Herzen der Menschen verankert ist, also der transzendentale Aspekt, dass der eigentliche Hohepriester, Lehrer, Hirte, Prophet Jesus Christus selber ist, eingesehen wird.

Aber grundsätzlich wird man den Geltungsanspruch liturgischer und historischer Argumente wohl hinterfragen dürfen, denn manchmal kommt man an Grenzen der Entscheidungsfähigkeit: Es war z. B. eine Architektin aus Berlin hier, die berichtete, dass in der Neugestaltung der St. Hedwigs-Kathedrale seit zwei/drei Jahren Stagnation herrscht und keine Einigung erzielt werden kann (so zumindest die Lage Herbst 2017), wie sie umgestaltet werden soll, weil historisch-denkmalschützerische Beweggründe einer liturgischen und theologischen Neugestaltung der Kirche (mit dem großen „Loch“ in der Mitte) im Wege stünden. Ja, wenn allein historische und kunstästhetische Begründungen zählen sollen, dann wird das Argumentieren und der Geltungsanspruch einer Aussage autoritär. Ein historisches Argument steht gegen ein anderes, eine liturgische Erklärung gegen eine andere. Eine bloß historische Argumentation oder historische Lektüre von Texten, Gebäuden, Bildern, sie verlaufen irgendwann ins Bodenlose und kommen zu keiner überzeitlichen, ungeschichtlichen Wahrheit, ob das Ganze denn auch wahr sei, was hier ausgesagt, angezeigt und symbolisiert werden soll. Es müsste mindestens zusätzlich, wenn nicht sogar erkenntniskritisch dagegen, transzendentale Argumente zu den historischen kommen, die die Ausführung eines Altarraumes annähernd bestimmen können. Wir nehmen zwar sprachlich und liturgisch viel Bezug auf diese historischen Bedingungen eines kirchlichen Amtes, kennen einen Altar, eine Kanzel, eine Sedes, doch letztes, transzendentales Erkenntniskriterium der Wahrheit eines kirchlichen Amtes oder eines liturgischen Raumes sind nicht diese gesellschaftlichen oder materiellen Bedingungen, sondern überzeitliche Sinnbestimmungen.

Ich möchte, vielleicht etwas unbeholfen, den kommunikationstheoretischen Sinn eines kirchlichen Amtes einbringen – und, daraus abgeleitet, die transzendentalen Sinnbestimmung eines Altares eröffnen. (Letztere Sinnbestimmung bedürfte freilich viel weiterer Ausführungen.)

Alle Sinnstiftung eines kirchlichen Amtes liegt doch in der Bedingung der Möglichkeit, durch und mittels der göttlichen Sinnidee eine Geschwisterlichkeit unter den Menschen zu erzeugen. Die Sinnstiftung eines Altares hängt dann davon ab, wie diese Geschwisterlichkeit vorgestellt und vermittelt wird.

Die geschwisterliche Eintracht wurde seit dem Dombau 1862 – 1924 und in späteren Zeiten in der Diözese Linz gut gepflogen und repräsentiert insofern bereits eine gute Sinnidee einer Kirche. Der Altarraum wiederum, als Zentrum jeder Kirche, ist nochmals der Nukleus dieser Sinnidee.

1) Das II Vatikanische Konzil.

M. E. müsste es überzeitliche, transzendentale Gründe einer Altarraumgestaltung geben!? Diese Argumente finden sich auch in diversen liturgischen Ausführungen. Darauf jetzt einzugehen, würde mich aber viel zu weit führen. Auffallend ist mir aber immer die enge Konnotation der architektonischen Formen zu gesellschaftlichen und kirchlichen Ämterstrukturen. Die Ämter Bischof/Priester/Diakon sollen im Kirchenraum oder im Altarraum, neben der göttlichen Sinnidee und der Repräsentation Jesu Christi, ebenfalls symbolisch repräsentiert sein!?

Ich nehme jetzt einen beliebigen Text zu kirchlichen Ämtern z. B. LG 20 des II Vatikanums, der direkt natürlich in keinen Zusammenhang mit liturgischen Ausführungsbestimmungenn, geschweige mit Altarraumgestaltungen, steht, aber indirekt folgt aus der metaphysischen Festlegung gewisser Begriffe auch eine architektonisch-anschauliche Verobjektivierung.

Nach LG 20 zur Legitimierung kirchlicher Ämter werde ich verwiesen auf die Hl. Schrift und z. B. auf historische Argumentationsführungen, wie sie apostolische Väter (dankbar) bieten. Da gab es spätestens seit dem 2. Jhd. schon Bischöfe als „Hirten, Lehrer, Verkünder“, es gab Petrus, Jesus Christus selbst als Hirte, Lehrer, Prophet, Hohepriester … wie eben die ganze Hermeneutik unserer Verstehensbedingungen verläuft.

Es wird z. B. der heilige IGNATIUS von Antiochien in LG 20 zitiert: Zum Bischofsamt heißt es dort:

LG 20, 3. Absatz: „(….) Die Bischöfe haben also das Dienstamt in der Gemeinschaft zusammen mit ihren Helfern, den Priestern und den Diakonen, übernommen (47). An Gottes Stelle stehen sie der Herde vor (48), deren Hirten sie sind, als Lehrer in der Unterweisung, als Priester im heiligen Kult, als Diener in der Leitung (49). Wie aber das Amt fortdauern sollte, das vom Herrn ausschließlich dem Petrus, dem ersten der Apostel, übertragen wurde und auf seinen Nachfolger übergehen sollte, so dauert auch das Amt der Apostel, die Kirche zu weiden, fort und muss von der heiligen Ordnung der Bischöfe immerdar ausgeübt werden (50). Aus diesem Grunde lehrt die Heilige Synode, daß die Bischöfe aufgrund göttlicher Einsetzung an die Stelle der Apostel als Hirten der Kirche getreten sind (51). Wer sie hört, hört Christus, und wer sie verachtet, verachtet Christus und ihn, der Christus gesandt hat (vgl. Lk 10,16)52.

(47) Ignatius v. A., Philad., Vorrede: ed. Funk I, 264.

(48) Ignatius v. A., Philad., 1, 1; Magn. 6, 1: ed. Funk I, 264 u. 234.

(49) Clemens v. Rom, a. a. O., 42, 3-4; 44, 3-4; 57, 1-2: ed. Funk I, 152, 156, 171f. Ignatius v. A., philad. 2; smyrn. 8, Magn. 3; Trall. 7: ed. Funk I, 265 f; 282; 232; 246fu. a.; Justin, Apol., 1, 65: PG 6, 428; Cyprian, Epist. passim.

(50) Vgl. Leo XIII., Enz. Satis cognitum, 29. Juni 1896: ASS 28 (1895-96) 732.

(51) Vgl. Conc. Trid., sess. 23, Decr. de sacr. Ordinis, Kap. 4: Denz. 960 (1768); Conc. Vat. I, Sess. 4, Const. Dogm. 1 De Ecclesia Christi, Kap. 3: Denz. 1828 (3061). Pius XII., Enz. Mystici Corporis, 29. Juni 1943: AAS 35 (1943) 209 u. 212. CIC, can. 329 § 1.

Es etablierte sich offensichtlich bereits im 2./3. Jhd. eine kirchliche Ämterstruktur heraus, die bis heute gilt, und sie braucht in ihrer Begrifflichkeit nur analysiert werden. Die Bischöfe/Priester/Diakone sind „Repräsentanten“ von Gott, von Jesus Christus, überwachen die Kirche, handeln im liturgischen Akt „in persona Christi“, verkünden von der „kathedra“ wie Jesus Christus als Lehrer die Frohe Botschaft, weiden wie der gute Hirte selbst das Gottesvolk. Die Begriffe stehen fest, deshalb ist das kirchliche Lehramt/Hirtenamt/Prophetenamt wahr und gültig – und braucht analytisch nur umgelegt werden auf jede Zeit und auf jede liturgische oder architektonische Maßnahme hin.

Eine Kirche und ein liturgischer Raum soll irgendwie diese metaphysiche, göttliche Ordnung widerspiegeln, ergo sind das die Entscheidungskriterien, und das gläubige Volk oder die Kunsttheoretiker sollen sich daran halten.

Nur geben die zu analysierenden Begriffe diese sichtbare Ordnung nicht her. Ja, bekanntlich gibt es rein historisch gesehen schon eine Vielzahl von Altarräumen und Kirchenbauten-Stilen.

Deshalb müsste es eine transzendentale, aller-allgemeinste Sinnbestimmungen eines Amtes – und davon abgeleitet, eines Kirchenbaues bzw. eines Altarraumes geben!?

2) Apostolische Autorität

Wenn ich jetzt z. B. nachblättere beim heiligen IGNATIUS von Antiochien, weil er oben in LG 20 in den Anmerkungen prominent zitiert ist, so muss ich mir, a) der historisch-hermeneutischen Bedingungen bewusst bleiben, oder besser gesagt, müsste ich sie näherungsweise wenigstens kennen, unter denen er damals stand (100 n. Chr./165. n. Chr., wie immer), b) muss aber auch versuchen, die transzendentalen, überzeitlichen Bedingungen des Verstehens einzuholen, unter der sowohl der Hl. Ignatius stand wie wir heute stehen, weil ich nicht in einen totalen, postmodernen Relativismus verfallen will, nach dem es keine überzeitliche Sinneinheit und keine überzeitliche Erkenntnis einer göttlichen Wahrheit mehr gibt. So frage ich eigentlich nach den uns allen auferlegten, aller-allgemeinsten Bedingungen der Erkenntnis, wie wohl die Sinnidee eines Amtes bzw. abgeleitet eines Altares aussehen kann.

2. 1) Ich könnte durch historisches Studium und Literatur in die hermeneutische Situation der Briefe des Hl. IGNATIUS von Antiochia einzudringen versuchen: Angeblich schrieb er seine „Sieben Briefe“ auf dem Schiff nach Rom, als er seiner Hinrichtung entgegenging. Die Christen standen unter Verfolgungsdruck. Die Gefahr einer Zerstreuung der Gemeinden oder die Gefahr von Häresien war groß. Den römischen Christen sandte er einen Brief voraus, in dem er bat, sie mögen nichts für seine Freilassung unternehmen, er möge lieber „von den Zähnen wilder Tiere zermahlen werden, um ein reines Brot Christi zu werden.“ Um das Jahr 110 n. Chr. soll er dann den Märtyrertod gefunden haben. (Siehe die sehr fundierten Einleitungen in der „Bibliothek der Kirchenväter“, 1 oder siehe auch andere Meinungen: Bei Reinhard M. Hübner las ich, dass die Datierung der „Ignatianen“ sehr umstritten sei. Er plädiert für die Abfassung der Briefe erst um die Zeit zwischen 165 und 175. 2)

Die Begriffe und Wörter des griechischen Textes müssten eigentlich nach verschiedenen Textmethoden analysiert werden – wozu mir aber das nötige Wissen fehlt. (Quellenkritik, Formkritik, Literarkritik usw.). 3
Die Frage der historischen „Echtheit“ (110 n. Chr. Oder 165/175 n. Chr.) ist mir dabei gar nicht so wichtig, weil es ja generell nicht um historische Argumente gehen kann.

Aber wer kann die Fülle der rhetorischen und performativen Sprechakte in seinen Briefen, die vielen Aufforderungen, die Bitten, die Dankgebete, die Mahnungen, die Sorgen, die Emotionen in ihrer ganzen philosophischen und theologischen Relevanz auslegen? Können aus der prekären Situation der Christenverfolgung damals zentrale, transzendentale Aussagen über die Sakramentalität der kirchlichen Ämter auch heute genommen werden? Ich meine eher nicht.

2. 2) Anbei unten dann Zitate des Heiligen aus seinen Briefen – wie immer die Quellenlage beurteilt wird – , herausgesucht nach den Anmerkungen der Stellen in LUMEN GENTIUM Kap. 20 (1964) und nach der „Bibliothek der Kirchenväter“ (Anm. 3). Die m. E. typische intentionale Absicht in seinem Sprechhandeln möchte ich typographisch „fett“ hervorheben, was natürlich jetzt subjektiv bleibt! Es ist wohl unüberhörbar ein Ineinander von christlicher Glaubenserkenntnis und Ausführung dieser Erkenntnis in einer kommunikativen Lebenspraxis ausgesagt! Die Erkenntnis gibt das Handeln vor, aber das Handeln beschreibt dann weitere Formen z. B. die Form des liturgischen Vollzuges, oder konkret die Gestaltung eines Altarraumes.

Können aus der typischen Sprechsituation der damaligen Zeit abstrahierte Aussagen zum Wesen eines Bischofs, Priesters, Diakons gemacht werden? Ja und nein. Ja insofern, als es eine überzeitliche Glaubenserkenntnis geben muss, die für damals wie heute unwandelbar diesselbe ist; nein, was die handlungstheoretische Weitervermittlung dieser Erkenntnis betrifft, denn, Gott sei Dank, gibt es jetzt nicht mehr diese prekäre Situation, in der der Heilige stand.

Nach der unwandelbare Glaubenserkenntnis müsste es eine Art sakramentale, theoretisch nachvollziehbare Ableitungen aus einer Sinnidee des Propheten, Lehrers, Hirten JESUS CHRISTUS geben, mithin auch eine Sakramentalität eines Amtes und eines Kirchenraumes? Umgekehrt, so die Vorgabe des apostolischen Vaters, soll sich die Sakramentalität des Amtes in der praktischen, handlungstheoretischen Funktion eines die geschwisterliche Eintracht fördernden Dienstes bewähren.

Die sinnstiftende Mitte der Glaubenserkenntnis führt zu einem geforderten Handeln der Geschwisterlichkeit – und umgekehrt fördert (oder behindert) das Handeln die Erkenntnis. Die Glaubenserkenntnis führt weitergedacht aber auch zu notwendigen künstlerischen und architektonischen Ausgestaltungen der Sinnidee – und umgekehrt wirkt diese Ausgestaltung zurück auf die Glaubensüberzeugung (zumindest unbewusst).

Es ergibt sich eine Art gegenseitige Wechselbestimmung von Erkenntnis und Handeln, und in abgeleiteter Form auch eine Wechselbestimmung von Sakramentalität eines Amtes (Dienstes) einerseits, wie Ausdruck des liturgischen Geschehens im Kirchenraum andererseits bzw. Gestaltung des Kirchenraumes.

Eine Wechselbestimmung erklärt sich aber nicht von selbst. Es fehlt die Begründung. In aller Selbstbescheidenheit muss man wohl offen sagen, dass die Lage des Altares, des Ambos, evtl. der Sedes, der heiligmäßige Priester N.N., der gute Bischof N. N. – alle diese materiellen und personalen Bedingungen – sie können nicht selbst die sinnstiftende Glaubenserkenntnis herbeiführen. Sie können sie bestenfalls ermöglichen. Man kann ewig über historische und hermeneutische Bedingungen eines Textes, eines Amtes, eines Kirchenbaues reflektieren, man kommt differenzspezifisch an kein Ende – wird nicht der Ausgangspunkt und die Sinnidee des Textes, des Amtes, oder z. B. eines Altarraumes, transzendental festgelegt.

3) Es gibt m. E. unendlich viele Möglichkeiten den historischen „Text“ des Linzer Domes zu analysieren – und dies wurde gekonnt bei diesem Symposium auf der KU geboten.

Ich versuche hier, eher als Spiel der Möglichkeiten gedacht, die Sprechakte, die zur Legitimierung eines kirchlichen Amtes herhalten sollen, beim Heiligen Ignatius zu analysieren: Der Subtext oder das Paradigma lautet m. E. , die Einheit und Eintracht soll gewahrt bleiben. Die göttliche Sinnidee selber, die bewirkende Kraft dieser Einheit, das wäre ebenfalls ein Subtext, ein Paradigma!

3. 1)

Ignatius an die Philadelphier.

[S. 142] Ignatius, der auch Theophorus (genannt wird), an die Kirche Gottes des Vaters und des Herrn Jesu Christi, die in Philadelphia in Asien sich befindet, begnadigt und gefestigt in Eintracht mit Gott, die ohne Aufhören frohlockt im Leiden unseres Herrn und die in seiner Auferstehung vollendet ist in jeglicher Barmherzigkeit, die ich grüße im Blute Jesu Christi, die meine ewige und bleibende Freude ist, besonders wenn sie eins ist mit ihrem Bischof und seinen Presbytern und den nach Jesu Christi Willen eingesetzten Diakonen, die er nach seinem eigenen Willen in Festigkeit gestärkt hat durch seinen Heiligen Geist.

Ignatius an die Magnesier

6. Kap. Mahnung zur Eintracht.

1. Da ich nun in den genannten Personen die ganze [S. 128] Gemeinde im Glauben sah und lieb gewann, ermahne ich euch: Befleißiget euch, alles zu tun in der Eintracht Gottes, da der Bischof den Vorsitz führt an Stelle Gottes, die Presbyter an Stelle des Apostelkollegiums, und die Diakonen, die ich gar sehr liebe, mit dem Dienste Jesu Christi betraut sind,(….)

Ignatius an die Philadelphier

2. Kap. Warnung vor Spaltung und Irrlehre.

1. Als Kinder des Lichtes der Wahrheit fliehet die Spaltung und die schlimmen Lehren; wo immer der Hirte ist, dorthin folget wie die Schafe. 2. Denn viele Wölfe, die vertrauenswürdig (scheinen), fangen durch böse Lust die Gottsucher weg. Wenn ihr aber einig seid, haben diese keinen Erfolg.

Ignatius an die Smyrnäer

8. Kap. Seid eins mit dem Bischof!

1. Alle sollt ihr dem Bischof gehorchen wie Jesus Christus dem Vater, und auch dem Presbyterium wie den Aposteln; die Diakonen aber ehret wie Gottes Anordnung. Keiner tue ohne den Bischof etwas, das die Kirche angeht. Nur jene Eucharistie gelte als die gesetzmäßige, die unter dem Bischof vollzogen wird oder durch den von ihm Beauftragten. 2. Wo immer der Bischof sich zeigt, da sei auch das Volk, so wie da, wo Jesus Christus ist, auch die katholische Kirche ist. Ohne den Bischof darf man nicht taufen noch das Liebesmahl feiern;

Ignatius an die Magnesier

3. Kap. Achtung vor dem jugendlichen Bischof.

[S. 127] 1. Es ziemt euch aber, das jugendliche Alter des Bischofs nicht auszunützen, sondern entsprechend der Macht Gottes des Vaters jegliche Ehrfurcht ihm zu erzeigen, wie ich erfahren habe, dass auch die heiligen Presbyter seine offenbar in jugendlichem Alter erfolgte Erhebung nicht missbrauchen, sondern als in Gott verständige Männer in Übereinstimmung mit ihm wandeln, doch nicht mit ihm, sondern mit dem Vater Jesu Christi, dem Bischof aller. 2. Zur Ehre dessen nun, der uns erwählt hat, ziemt es sich, ohne jede Heuchelei gehorsam zu sein; denn man täuscht nicht diesen sichtbaren Bischof, sondern man spottet über den unsichtbaren. Ein solches Handeln aber bezieht sich nicht auf das Fleisch, sondern auf Gott, der das Verborgene weiß

Ignatius an die Trallianer
Ignatius, der auch Theophorus (heißt), an die von Gott, dem Vater Jesu Christi, geliebte heilige Kirche von Tralles in Kleinasien, der auserwählten und gotteswürdigen, die gefriedet ist im Fleische und im Geiste durch das Leiden Jesu Christi, der unsere Hoffnung ist in der Auferstehung zu ihm hin; sie grüße ich auch in der (Gnaden-) Fülle, nach Weise der Apostel und wünsche ihr alles Gute.

1. Kap. Des Ignatius Freude über den Besuch des Bischofs Polybius von Tralles und über den guten Stand dieser Kirche.

1. Von eurer tadellosen und in Geduld unverwüstlichen Gesinnung, die euch nicht nur durch Übung, sondern von Natur eignet, habe ich gehört aus dem Berichte des Polybius, eures Bischofs, welcher nach dem Willen Gottes und Jesu Christi in Smyrna war und sich mit mir, der ich in Christus Jesus gefesselt bin, so freute, dass ich in ihm eure ganze Gemeinde erblickte. 2. Da ich also durch ihn euer gottgemäßes Wohlwollen erfahren durfte, pries ich (Gott), da ich in euch, wie ich erkannt hatte, Nachahmer Gottes fand.

2. Kap. Mahnung zum Gehorsam gegen Bischof und Presbyterium; Pflichten der Diakonen.

1. Solange ihr nämlich eurem Bischof untertan seid wie Jesus Christus, scheint ihr mir nicht nach Menschenart zu leben, sondern nach Jesus Christus, der unseretwegen gestorben ist, damit ihr durch den Glauben an seinen Tod dem Tode entrinnet. 2. Daher ist es notwendig – wie ihr es ja haltet – dass ihr ohne den Bischof nichts tuet, und dass ihr vielmehr auch dem Presbyterium euch füget wie den Aposteln Jesu Christi, unserer Hoffnung, in dem wandelnd wir erfunden werden sollen. 3. Auch ist es nötig, dass die Diakonen, welche Geheimnisse Jesu Christi verwalten, auf jede Weise allen genehm seien. Denn sie sind nicht Diener für Speise und Trank, sondern Gehilfen der Kirche Gottes. Daher müssen sie sich vor Anschuldigungen hüten wie vor Feuer.

3. Kap. Weitere Mahnung zur Unterordnung.

1. Gleicherweise sollen alle die Diakonen achten wie Jesus Christus, wie auch den Bischof als das Abbild des Vaters, die Presbyter aber wie eine Ratsversammlung Gottes und wie einen Bund von Aposteln. Getrennt von diesen kann man von keiner Kirche reden. 2. Dass ihr dieses so haltet, davon bin ich überzeugt. (….)

7. Kap. Anschluss an den Bischof.

1. Hütet euch also vor solchen. Das wird bei euch der Fall sein, wenn ihr nicht aufgeblasen seid und euch nicht trennet von Gott Jesus Christus, vom Bischof und von den Vorschriften der Apostel. 2. Wer sich innerhalb der Opferstätte befindet, ist rein; wer aber [S. 134] außerhalb steht, ist nicht rein; das heißt: wer ohne Bischof, ohne Presbyterium und Diakon etwas tut, der ist nicht rein in seinem Gewissen.

13. Kap. Letzte Grüße und Aufträge.

[S. 136] 1. Es grüßt euch die Liebe (= Gemeinde) der Smyrnäer und Epheser. Gedenket in euren Gebeten der Kirche in Syrien, der anzugehören ich, der geringste von ihnen, nicht würdig bin. 2. Lebet wohl in Jesus Christus, im Gehorsam gegen den Bischof wie gegen (Gottes) Gebot, im Gehorsam gleicherweise gegen das Presbyterium. Und liebet alle einander in ungeteiltem Herzen. 3. Meine Seele opfert1 sich für euch nicht nur jetzt, sondern auch wenn ich zu Gott gelangt bin. Noch bin ich nämlich in Gefahr; aber der Vater ist getreu in Jesus Christus, mein und euer Gebet zu erhören; in ihm möget ihr ohne Tadel erfunden werden.


Ignatius an die Epheser

6. Kap. Den Bischof muss man achten wie den, der ihn gesandt hat; Einigkeit der Epheser.

1. Und je mehr einer sieht, dass der Bischof schweigt (nicht tadelt), um so mehr Achtung soll er vor ihm haben; jeden nämlich, den der Herr des Hauses schickt zur Verwaltung seines Hauses, den müssen wir [S. 120] so aufnehmen wie den Sendenden selbst. Daher ist es klar, dass wir den Bischof so ansehen müssen wie den Herrn selbst.


Ignatius an die Smyrnäer

9. Kap. Haltet zum Bischof; Dank für erwiesene Liebe.

1. Übrigens ist es angezeigt, zur Einsicht zu kommen und, solange es noch Zeit ist, sich zu Gott zu bekehren. Es ist gut, Gott und den Bischof zu kennen. Wer den Bischof ehrt, der wird von Gott geehrt; wer ohne des Bischofs Wissen etwas tut, der dient dem Teufel. 2. Alles möge also euch in Gnade reichlich zuteil werden; denn ihr seid’s wert. In allem habt ihr mich erquickt und euch Jesus Christus. Ob ich abwesend oder da war, ihr habt mir eure Liebe erzeigt. Vergelte es euch Gott, dem zulieb ihr alles ertraget und zu dem ihr gelangen werdet.

4) Die transzendentale Brücke zwischen historischen und transzendentalen, überhistorischen Aussagen:

Die kommunikative Referenz, die intentionale Absicht, die Bewahrung der Einheit, der rechte Gottesdienst in einem umfassenden Sinne, das alles ist wohl unüberhörbar aus diesem kostbaren Zeugnis dieser frühen Zeit des christlichen Glaubens herauszuhören. Gibt es eine transzendentalkritische Brücke einer Wissbarkeit von Inhalten, die sowohl für den Heiligen damals gegolten hat, wie für das II Vatikanum in GS 20 – und für uns heute noch gilt?

In gewissem Sinne ist diese performative Sprechsituation selbst schon eine Vorgabe einer normativen Glaubenserkenntnis, aber kann aus dieser indirekt erschließbaren Glaubenserkenntnis (aus der intentionalen Sprechsituation) die Sakramentalität des Amtes – und in weitere Folge die Gestaltung eines Kirchenraumes – abgeleitet werden? Eher nicht.

4. 1) Dazu möchte ich mich hypothetisch leiten lassen von einem „entymemischen“ (oder entymematischen) Verfahren, wie es die STOA oder das spätere Mittelalter oder DESCARTES oder FICHTE praktizierten: Das Denken in „Entymema“ ist eine rhetorisches Verfahren, wodurch durch analogisierendes und nachvollziehendes Denken eine Erkenntnis hergestellt wird, die anders gar nicht gefunden hätte werden können. Der Mittelbegriff in einem Schlussverfahren von terminus maior und terminus minor ist das argumentum, das sich in jedem/jeder, der/die diesen Erkenntnisschritt mitvollzieht, von selbst einstellt und bewährt. Ein DESCARTES wandte dieses Schlussverfahren an in seinen REGULAE4, ein FICHTE bestand darauf, dass nur durch eigenen, intelligierenden Nachvollzug und intellektueller Anschauung die WISSENSCHAFTSLEHRE verstanden werden kann. Die Einheit der Erkenntnis, worin das Wissen mit dem Sein zusammenfällt und das Wissen sich im Bilde durch das wahrhafte Sein bewährt, kann nicht faktisch und tot abgesetzt beobachtet werden, denn dann entfällt die ganze Evidenz, sie kann aber nachvollzogen und innerlich eingeschaut und überprüft werden.5

Ich setze jetzt, mit einem gewissen hypothetischen Vorbehalt, im Hinblick auf die Redeweise des 2. Vatikanischen Konzils und in Rückgriff auf IGNATIUS – oder Ähnliches wäre bei CLEMENS v. ROM oder DIDACHE zu finden? – als erkenntniskritische und zeitüberhobene, apriorische Verstehensbasis über die Zeiten und Räume hinweg als argumentum fest: die „repräsentatio deibzw. des Opfers Jesu Christi (im Heiligen Geist) sollte verkörpert und versinnbildlicht werden.

Aber gerade diese „repräsentatio dei“ ist nicht Werk eines einzelnen, wiewohl alles individuell vermittelt ist, sondern zeigt sich in einer brüderlichen (geschwisterlichen) Einheit und Eintracht. Der Endzweck der Gemeinschaft – durch die Kraft der „repräsentatio dei“ – legitimiert die kirchliche Ämterhierarchie, nicht die bloße historische Überlieferung, und schafft gewisse liturgische Rollen und in Folge architektonische Maßnahmen. Nicht von selbst, durch bloße historisch-empirische Tatsachen, beginnen die Ämter und die liturgischen Handlungen und beginnen die Steine zu reden, wenn nicht jeder Christ/jede Christin durch ein analogisierendes, nachvollziehbares Verfahren befähigt wird – oder m. a. W. kommunikationstheoretisch befähigt wird – diese „repräsentatio dei“ zu erkennen und im eigenen Leben zu bewähren.

Wenn die neue Altarraumgestaltung im Linzer Dom dieser kirchlichen Gemeinschaft dient, dann hat sie Sinn gehabt. Das Argument stammt aber aus einer gewissen zeitlosen, apriorischen Einsicht in das Wesen des christlichen Glaubens und der daraus folgenden Performanz in Liturgie, Verkündigung und Caritas. Bloß historische oder kunsttheoretische Argumente sind als solche keine Argumente, es sei denn, sie enthalten selbst diesen transzendentalen Sinn.

4. 2) Noch etwas weiter analysiert: Der Obersatz in den Briefen lautet m. E.: In der Einheit der Gemeinde leuchtet Gottes Gegenwart („repräsentatio dei“) auf bzw. ist die Gegenwart des auferstandenen Herrn zu spüren bzw. das Wirken des Heiligen Geistes. Wenn der Heilige jetzt weg sein soll, wie und wo soll Gott noch repräsentiert und erfahren werden? Das sich in verschiedenen Aussagen durchhaltende Argument scheint mir die brüderliche/geschwisterliche Einheit und Eintracht zu sein – und, weil diese Interpersonalität nicht anders als durch Individuuen hindurch machbar ist, ist die Substituierung des Heiligen durch andere Bischöfe/Priester/Diakone notwendig und geboten.

Durch schwache, sündige, sterbliche Menschen hindurch, so das Vertrauen des Heiligen, möge die Repräsentanz Gottes/Jesu Christi weiterhin gewährleistet sein. Durch ihre schwache Natur, aber auch durch ihre Freiheit, möge die Gnade Gottes sichtbar bleiben. Nicht die schwachen Menschen selbst oder die gesellschaftlich notwendige Institutionalisierung und Aufspaltung in Kleriker und Laien sind das Argument, sondern die Gegenwart Gottes (Jesu Christi) selbst ist der Seinsgrund und Erkenntnisgrund der christlichen Gemeinde und ihres Feierns.

Dieses argumentum (der Gegenwart Gottes) wird nicht direkt als Begriff formuliert oder als zweiter Mittelsatz hingestellt, wodurch der Untersatz zweifelsfrei abgeleitet werden könnte, vielmehr wird dieses argumentum zuerst unterschlagen, aber mit der Absicht, dass der Hörer des Briefes selbst dieses argumentum in seinem Geiste finden und nachvollziehen kann (in „analogia“ und in der „imitatio“).6

Der Obersatz enthält schon das Prädikat der Gegenwart Gottes, aber auch im Untersatz soll dies wahr sein, und beide Sätze werden erst durch die im Hörer selbst imitierte und nachvollzogene Argumentation verknüpft.

Der Untersatz lautet: wenn der Heilige jetzt weg ist, gäbe es eigentlich kein Subjekt mehr!? Die Gegenwart Gottes (Jesu Christi, des Heiligen Geistes) soll aber weitergehen, ergo dürfen und müssen andere Individuen und Bischöfe, Presbyter, Diakone den Heiligen ersetzen bzw. seinen Posten einnehmen, vorausgesetzt, dass für alle diese „repräsentatio dei“ erkennbar und innerlich einschaubar bleibt.

Entymemisch scheint mir das Schlussverfahren in den Briefen deshalb zu sein, weil die Repräsentation Gottes gar nicht lang und umständlich beschrieben wird – und doch alles auf diese göttliche Gegenwart und auf die daraus folgende Eintracht der Gemeinde hinweist. Die Repräsentation Gottes soll weitergehen und kann weitergehen – wie es jeder Hörer in seinem eigenen Herzen und Gewissen verifizieren bzw. falsifizieren kann, falls er/sie sich auf diese christliche Sinnidee einlässt.

Dass IGNATIUS vielleicht einem einseitig kaiserlich- gesellschaftspolitischen Modell der damaligen Zeit verhaftet war, dass er zu patriarchalisch argumentierte, dieses u. a. könnte hermeneutisch und differenzspezifisch wohl ebenfalls aus den Texten herausgelesen werden; aber mein Hauptaugenmerk fällt auf den kommunikationstheoretischen Aspekt, das jeder Christ/Christin die „repräsentatio dei“ einschauen und nachvollziehen können soll in der brüderlichen/geschwisterlichen Eintracht – und das legitimiert auch die kirchlichen Ämter.

Wenn die intellektuelle Anschauung in die „repräsentatio dei“ verloren ginge, weil diese Texte allein aus den materiellen Bedingungen ihrer Zeit zusammengesetzt sind, wie die Postmoderne eben sagen täte, so geht m. E. auch die Sakramentalität eines Amtes verloren – und in weiterer Folge die Bemessung der Gestaltung eines Kirchenraumes.

4. 3) Der Linzer Dom lebte und lebt nach wie vor durch die Verbundenheit aller Gläubigen der Diözese mit dieser Kirche und untereinander.
Eine bloß historische und kunsttheoretische Überlegung zur Verlegung des Altars im Linzer Dom, ist zwar hochinteressant – wie bei diesem Symposium geboten -, die Erreichung eines selbstständigen und intuitiven und intelligierenden Einsehens der Gegenwart Gottes und die Erfahrung von kirchlicher Gemeinschaft, das lässt sich m. E. historisch nicht erreichen. Aber sehr gut fand ich, dass überall diese neue Sinnidee verkündet bzw. beschrieben worden ist, sodass jeder/jede sie nachvollziehen konnte. 7

30. 10. 2017

© Franz Strasser, Altheim, Pfarrer.

fr.strasser@eduhi.at

1abgerufen am 29. 10. 2017 – Link http://www.unifr.ch/bkv/kapitel6.html

2Siehe REINHARD M. HÜBNER, Überlegungen zur ursprünglichen Bedeutung des Ausrucks „Katholische Kirche“ bei den frühen Kirchenvätern, in: Väter der Kirche, ekklesiales Denken von den Anfängen bis in die Neuzeit“, hrsg. Von J. Arnold, R. Berndt, R.W. Stammberger, Paderborn 2004, S 36. 37.

3Die historisch-kritische Analyse der Bibelkritik gibt uns hier hilfreiche Methode vor oder z. B. auch die poststrukturalistische Zeichentheorie. Sie hinterfragt die Möglichkeiten und Grenzen des sprachlichen Zeichens hinsichtlich der Wirklichkeitsvermittlung. Die Beziehung von Zeichen (Signifikant) und Bezeichnetem (Signifikat) wird nicht als starr, willkürlich (arbiträr) und die der Zeichen zueinander nicht absolut distinkt (abgegrenzt) aufgefasst.
Sprache ist „mehrdeutig und offen, weil die sprachlichen Zeichen sich nicht in ihrer konkreten Bezeichnungsfunktion erschöpfen, sondern miteinander kommunizieren“ und ein Gewebe bilden. Die sprachlichen Zeichen führen ein Eigenleben, sie sind mehr, als der Sprecher/Schreiber intendiert, sie streuen (Derrida: Dissémination), hinterlassen Spuren und entziehen sich vollständiger Kontrollierbarkeit. Zudem „verschieben sie den Sinn vom Bezeichneten weg auf sich selbst bzw. andere Zeichen hin“ (Derrida: differance). Jeder
Begriff ist somit in eine Kette oder ein System eingeschrieben, worin er durch das systematische Spiel von Differenzen auf andere Begriffe verweist“.

4Zum erkenntnistheoretischen Begriffsfeld einer „exercitatio“ und „analogia“ und „imitatio“ siehe REGULAE AT X, 395, 410ff) von DESCARTES.

5Natürlich ließen sich hier viele Parallelen der Philosophiegeschichte aufzählen, nicht nur die hier von mir genannten. Man denke an die Idee des Guten bei PLATON, an das argumentum bei ANSELM, an die transzendentale Freiheit bei KANT usw. Das verkürzende Verfahren zwecks Gewinnung einer eigenen Anschauung und Erkenntnis nenne ich den Gebrauch eines „entymemischen“ (entymematischen) Verfahrens. Es gäbe auch eine schlechte Art und Weise eines „entymemischen“ Verfahren, wenn die ausgelassenen Argumenten im Resultat das vorher bewusst Ausgeblendete absichtlich vergessen lassen und eine Teilerkenntnis zur Erkenntnis des Ganzen hochstilisiert werden soll. Viele Einzelwissenschaften arbeiten so. Sie erzielen Teilerkenntnisse, legen sie dann aber auf die ganze Wirklichkeit um. Wenn es um den Begriff der „repräsentatio dei“ gehen soll, so muss eine Notwendigkeit im Denken selbst liegen, dass dieser notwendig und wahrscheinlich auch subjektiv-absichtlich den Argumenten des IGNATIUS zugrundeliegt. Die Erkenntnis selbst muss dann von den Hörern nachvollzogen werden. Ich nehme mit dem Wort „entymemisch“ Bezug auf Vorlesungen von Prof. R. LAUTH bzw. Literatur von K. HAMMACHER. Letzterer siehe z. B. in: Sein, Reflexion, Freiheit. Hrsg. v. C. Asmuth, 1997, 115- 141 (bes. S 127f)

6Vgl. die angegebene Literatur von K. HAMMACHER.

7Zum entymemischen Verfahren der Logik in der Stoa oder bei Descartes siehe z. B. K. HAMMACHER in: Sein, Reflexion, Freiheit. Hrsg. v. C. Asmuth, 1997, 115- 141 (bes. S 127f) Ich möchte auch sagen, ich versteife mich nicht auf „entymemisch“ oder entymematisch, denn dies alles könnte gerade negativ besetzt sein, dass bewusst Argumente verschleiert werden .Mir geht es um dieses intuitive, intelligierende Verfahren, diese intellektuelle Anschauung, die mir durch dies stoische und descartsche Tradition angezeigt wird, zu nutzen für eine Glauenserkenntnis.

Autor: Franz Strasser

Dr. Franz Strasser

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