Kann der Islam eine Offenbarung Gottes sein?

1) Offensichtlich kämpfte die Glaubensauffassung des frühen Islam mit ihrem Propheten Mohammed (oder Muhammad – versch. Lesearten) gegen die „Beigesellung“ mehrerer Götter zum einen und einzigen Gott, wie dem Christentum unterstellt, kämpfte auch gegen das Judentum und ihrer Schriftauslegung. Erst der QUR‘AN und die später folgende „Hadithe“ brachten das unverfälschte und wahre „Wort Gottes“.

Der Prophet des Islams hatte eine schlechte Kenntnis der christlichen Lehre, wahrscheinlich nur eine mündliche Kenntnis, vermutete einen Drei-Götterglauben (Vater-Jesus-Maria!), war vom Monophysitismus, Nestorianismus, Arianismus schlecht beraten, auf jeden Fall wurde die kostbare Lehre des trinitarischen Glaubens, wie er 325 u. 381 n. Chr. in Nicäa festgelegt wurde, bzw. die Zwei-Naturlehre Christi, wie sie in Chalzedon (451 n. Chr.) formuliert wurde, von ihm völlig falsch verstanden oder war ihm überhaupt ziemlich unbekannt. So entstand ein eigenartiges, neues Konstrukt eines Ein-Gott-Glaubens.

2) Ich versuchte den QUR‘AN wohl zu lesen, allein es kommen dort so viele Stimmen und angebliche Offenbarungen vor, dass es hermeneutisch schwer ist, eine einheitliche und systematische Erkenntnis daraus zu gewinnen. 1

Es gibt im QUR‘AN gewisse Texte, die einer Vernunftkritik standhalten und deshalb als positive Offenbarung angesehen werden können, aber unzweifelhaft auch grausame Stellen von Verfolgung, Unterdrückung, Erpressung, lautstarker Verfluchung, von Patriarchalismus u. a. m.

Zusätzlich zu einer historisch-kritischen Leseart, die für den QUR‘AN teilweise schon existiert, zumindest in Fachkreisen, muss es m. E. eine transzendental-kritische, vernunftkritische Leseart geben, um moralische von unmoralischen Aussagen unterscheiden zu können. Die im ISLAM hochgehaltenen Begriffe wie „Wort Gottes“, „Offenbarung“ müssen dem Vernunftanspruch der Denkbarkeit einer Glaubens-Aussage entsprechen.

3) Es trägt jede Aussage das Problem an sich, durch ein Medium (wie der Sprache, der Schrift) vermittelt zu sein, wodurch der Geltungsgrund einer Aussage verstellt werden kann. In den Spuren einer transzendentalkritischen Analyse des Wissens kann allerdings der hermeneutische Zirkel des Verstehens von innen her aufgelöst werden, weil das Sichbegreifen des Begriffes dort zum Objekt gemacht wird. Was ist die Identität eines Begriffes mit seiner Idee. 2

Da gibt es einerseits das vorausgesetzte Material, das Begriffene (z. B. eine Aussage des Korans, alle müssen zwangsweise bekehrt werden, oder Allah ist barmherzig und verzeihend), andererseits das freie Begreifen und den freien Umgang mit diesem historischen Datenmaterial.

Eine Aussage, alle Nicht-Muslime müssten zwangsweise bekehrt werden, wenn sie sich weigern, den Islam anzunehmen, führt das die transzendentale, rückbezügliche Einsicht mit sich, das ist eine göttliche Offenbarung?

Weil die Aussage als behauptete Offenbarung im Koran steht, so wird sie zwar dort so existent gedacht, aber ist noch nicht in der Einsicht begründet.
Die Existenz, da sie noch nicht in der Einsicht ist, kann im strengen Sinne nicht eingesehen werden. Es existiert schlechthin kein Wissen von der Existenz dieses behaupteten Wissens, da es
bis dato nur eingebildet ist – und dem Geltungsanspruch, dass der Prophet sie von Gott empfangen habe, liegt keine bewährend Erkenntnis zugrunde. Eher im Gegenteil, wenn nur durch Zwang die Menschen zum Islam gezwungen werden sollten, widerspricht das einer von sich her sich begründenden Wahrheit und Rechtfertigung, wie wir sie dem absoluten Geltungs-Grund, dem Willen Gottes, unterstellen müssen.

Es vermag zwar etwas als möglich in der Einsicht behauptet werden, anscheinend hat das der Prophet von Gott empfangen, aber es kann nicht behauptet werden, es liegt außerhalb und vor der Einsicht.

Sobald die Potenz der Einsicht angesetzt wird, ist klar, dass sie sich nur als Bezug und im Bezug bewähren lässt, sei es, dass das Substrat ihres aktualen Erkenntnisvollzuges wirklich existiert, was schwer zu ermitteln sein wird, oder sei es, dass es im aktualen Erkenntnisvollzug als möglich bewährt werden kann.

Der theoretische Ansatz der Möglichkeit von Selbst-Erkenntnis hat eine besondere Konsequenz. Setzt man Erkenntnis nur als Erkenntnis von Objekten an, die ihr gegenüber als selbstständig und unabhängig gefasst sind, so lässt sich theoretisch die Aktivität im Erkenntnisvorgang diesen Objekten zuschreiben. Wird aber angesetzt, dass Erkennen könne auch sich selbst erkennen, muss notgedrungen seine eigene Aktivität des Erkennens mit gesetzt werden.“ 3

Dass dieses Selbsterkennen, der Akt des Begreifens, sich selbst zum Objekt des Denkens und Einsehen machen könne, ist schlechthin Tradition seit Platon. Das Denken der Prämissen bedeutet auch deren Vollzug, das Denken der Freiheit bedeutet auch deren Sein (ihre Existenz), die Idee des Guten ist realiter Vollzug des Guten, das Begreifen ist ein Selbst-Begreifen, der Begriff ist selbstständiger Grund seines Sichbegreifens – und die Objektwelt steuert nur das materiale Substrat für den actus des Begreifens bei.

Aber diese Identität von Begriff und Idee der Sache kann in einer solchen suspekten Aussage, dass es von Gott geoffenbart ist, die „Ungläubigen“ müssten zwangsweise bekehrt werden, nicht eingesehen werden. Das würde heißen, a) dem Geltungsgrund muss selbst diese Schwäche der Nötigung zur Zwangsbekehrung unterstellt werden, was natürlich sowohl die Glaubwürdigkeit und Selbstbegründung des „Allbarmherzigen“ untergräbt, als auch jede Freiheit und Würde des Menschen aufheben würde, oder b) man könne seinem eigenen Begreifen und Glauben sowieso keine Bedeutung für die Erkenntnis der Idee beimessen, ergo sei Freiheit oder Zwang sowieso von keiner Bedeutung, leere Worte.

Gibt es aber keine Identität eines Begriffes mit seiner Idee, bleibt ewige Dichotomie zwischen behaupteter Offenbarung und vernünftigem Nachvollzug. Es fällt dann jede vernunftkritische, genetische und sich bewährende Erkenntnis weg, es entscheidet nur mehr die Macht der Waffen und der Macht des Stärkeren.

Jetzt aber weiter reflektiert: Angenommen es gibt diese genetische Lebendigkeit des Begreifens, eine Einheit von Begriff und Idee – z. B. Allah ist barmherzig und verzeihend – so ist es doch immer nur ein Bild, ein Bild einer materialen Qualität, letztlich ein Abbild des Vollzuges der Freiheit selbst für die Erscheinungsweise Gottes selbst, dem Urbild des Abbildes, als Teilrealisation dieses Urbildes als Ganzes.

Das Bild ist nicht selbst das, was es darstellt, es ist die Darstellung jenes anderen, das auch ohne Bild für sich besteht, des Abgebildeten.
Darstellung des absoluten Grundes im Begriff, aber auch differenzierte Nicht-Darstellbarkeit des absoluten Grundes der absoluten Einheit im Bilde.

Indem der Begriff sich selbst in seiner Mächtigkeit des Sich-Begreifens erkennt, aber hoffentlich auch in Selbsterkenntnis und Bescheidenheit seine Ohnmächtigkeit einsieht, von sich her den absoluten Grund seines Sich-Begreifens zu erreichen und darzustellen, kann er seinen Anteil in der wahren Erkenntnis der Erkenntnis nur beweisen durch Bewährung der Erkenntnis. Kann ein Faktum durch den Geltungsgrund in seiner Wahrheit und Glaubwürdigkeit, hier vor allem in Hinsicht seiner Barmherzigkeit und zukünftigen Erlösung und Rettung, bewährt werden, kann es ein Abbild des Urbildes Offenbarung sein, andernfalls nicht.

Der Begriff und die Aussage „Allah ist barmherzig und verzeihend“ kann die Funktion des Begriffes bewähren, Folge des absoluten Grundes zu sein.
Der Geltungsgrund dieser Aussage kann tatsächlich in Gott liegen, weil die Aussage selbst nur als Folge dieser (positiven) Offenbarung gilt und existent sein kann. Anders gesagt: Der Begriff „Allah ist barmherzig und verzeihend“ vermag die genetischen Zusammenhänge seines Begreifens als ein Begreifen des einen durch ein anderes dauerhaft zu bewähren – in concreto seiner Realisierung.
Der Begriff hingegen, es müssten alle zwangsweise bekehrt werden, offenbart nur einen versteckten Machtdiskurs und eine herrschsüchtige Seele, und vermag genetisch den Geltungsgrund nicht für das Faktum dauerhaft und in concreto zu bewähren, sondern nur durch erneuten Kraft- und Druckaufwand und durch Lug und Trug.

4) Der Prophet Mohammed begriff die (objektive und positive) Offenbarung in seinem Akt des Erkennens, und zugleich seinen (subjektiven) Akt, der sich in solchen Aussagen wie „Allah ist barmherzig und verzeihend“ darstellt als das andere durch das Bestehende der göttlichen Offenbarung, d. h. durch den Geltungsgrund seines Erkennens und Bildens. Aber kann er diesen Geltungsgrund in seiner Existenz genauso stark behaupten und bewähren, wenn ihm angeblich gesagt wurde, alle müssten zwangsweise bekehrt werden? Wohl nicht. Da müsste er doch selbstkritisch sich gefragt haben, ob er diese angebliche Einheit von Erkenntnis und Einsicht, Begriff und Idee, tatsächlich bewähren könnte? Wenn aber zwangsweise etwas erreicht werden sollte, ist das keine Bewährung und Bestätigung seiner selbst! Die genetische Erkenntnis einer Aussage, wie sie gebildet worden sein könnte oder gebildet ist, entscheidet über die Wahrheit ihrer Geltung in ihrer  Faktizität. Eine zwangsweise Bekehrung, wenn sie faktisch im Koran steht, hat nicht gleiche, sich bewährende Geltung wie eine Aussage „Allah ist barmherzig und verzeihend“, weil sie nicht genetisiert werden kann. Ein Zirkel von Begriff und Verstehen einer Aussage kann nicht wiederum durch bloße historische Daten aufgelöst werden. Er kann aber verstanden und aufgelöst werden in der genetischen Nachkonstruktion des Geltungsgrundes, der für sich unwandelbar gilt, sich aber notwendig in bestimmter Wahrheitsaussagen kundtut, in concreto und in realitate. 4

5) Der vom Christentum gefundene Weg einer trinitarischen Explikation des Ein-Gott-Glaubens in seiner pneumatologischen und ekklesiologischen Vermittlung kann vernunftmäßig einen Grund angeben, wie a) der absolute Geltungsgrund der Wahrheit als solcher, in apriorischer Vernunftoffenbarung, durch die Propheten und als ethisches Gesetz, geglaubt werden kann, ferner b) in der Inkarnation des Logos  nicht nur abstracto einer gedanklichen Vorstellung des Vollkommenen möglich ist, sondern in concreto und in geschichtlicher Weise. Alle konkreten Anschauungsbilder der Offenbarung Gottes (auch im Wort der Bibel oder des QUR’AN) sind notwendig defizient und buchstäblich vor-läufig, solange dies Ziel nicht erreicht ist. Eine zureichende Anschauung vom Zustand der vollendeten Offenbarung können wir nur haben, wenn wir ihre Vollendung in concreto sehen. Dann aber ist deren Verwirklichung unmittelbar gegenwärtig und in keiner Weise mehr erst zukünftig zu erwarten. Die begriffliche Durchdringung der positiven Offenbarung verlangt dann natürlich c) eine zeitliche und geschichtliche Verwirklichung der unwandelbaren göttlichen Wahrheit der positiven Offenbarung in Form eines pertinenten Bestimmungsgrundes, von dem aus alle Zeit und Geschichte und Kultur, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, begriffen werden können. In individueller wie gemeinschaftlicher Geschichte wird die Vollendung in Auferstehung und Wiederherstellung von allem projiziert. 

Kennt der Islam eine Offenbarung Gottes in persona und in concreto einer Person und kennt er eine pneumatologisches Prinzip, das die vernünftige Einsicht in das Wesen Gottes selbsttätig und selbsständig ermöglicht? Im metaphorischen Sinn ist im QUR’AN ebenfalls vom „Geist Gottes“ die Rede, ferner von der islamischen Gemeinschaft („umma“) – aber sind das notwendige genetische Erkenntnisse aus dem absoluten Geltungsgrund der Wahrheit selbst? Es sind Plagiate aus der Hl. Schrift und den Erfahrungen von religiösen Gemeinschaften.

Der Islam kennt nicht ein personales „Korrektiv“ einer objektiven Hoffnung und Vollendung, sondern muss sich auf ein Medium verlassen, das per se eben nicht die Vollendung repräsentiert – das Medium eines geschriebenen Wortes.  

Genetisch und vernunftkritisch den QUR’AN  auszulegen, ist dauerhaft schwer, wenn nicht ein alles bestimmender, pertinenter Bestimmungsgrund der Offenbarung Gottes gefunden ist, worauf unser ganzes Denken und Hoffen und Lieben sich richten kann. Gibt es diesen absoluten Bestimmungsgrund im QUR’AN, z.  B. den Bestimmungsgrund des Barmherzigen und Allerbarmers – und wie wird er durch Zeit und Geschichte hindurch vermittelt? 

Der ISLAM lehnt die Inkarnation explizit ab, den Kreuzestod Jesu u. a. m. Er sieht die ganze Trinität als „Beigesellung“ Gottes usw. Er beraubt sich damit vieler Vernunftgrundlagen, weil er die transzendental-kritische Einheit der Begriffe in concreto und in der Geschichte nicht lesen kann, die sich bei weitem nicht im Buchstaben der Schrift selbst finden, sondern z. B. in der Geschichten des Exodus, der Gesetzgebung am Sinai, in den tiefgründigen Gebeten der Psalmen oder in den Zeichen und Taten JESU.

Das Judentum, vor allem das Christentum, sind für mich keine reinen „Buchreligionen“, sondern Bild-Religionen auf der Grundlage der von  Menschenhand geschriebenen göttlichen Zeichen und Worten – unter göttlicher Inspiration verfasst. 

Worauf will die Vernunft im Islam zurückkommen, wenn sie als Glaubensvorlage nur das arabisch verfasste Wort des QUR’ANS hat und  ausdrücklich alle weitere bildhafte Vermittlung der Religion ablehnt?  Welchen pertinenten Bestimmungsgrund an Vollendung kennt die Vernunft, wenn sie Vollendung in concreto gar nicht vorstellen kann? Bestimmt die relative Hermeneutik der Textauslegung eine Vorstellung von Vollendung? 

6) Da wir als reflexive Vernunft der Zeit und der interpersonalen Kommunikation bedürfen, muss die implikative Grund-Folge-Ordnung eine Geltungsbegründung in eine appositionelle Reihe des Nach- und Miteinandersetzens übergehen können. M. a. W., das kategorische Verhältnis einer Gottesbeziehung und Gottesoffenbarung, wenn sie einen glaubhaften Inhalt haben soll, muss sich in einer prinzipiellen Konsequenz zeigen können, d. h. in einer Konsequenz der zeitlichen und sittlich-inhaltlichen Bewährung der Erkenntnis.  Ein implikativer Begründungsanspruch einer angeblich erfahrenen Offenbarung Gottes ist zu wenig, weil sich die angebliche Erkenntnis von selbst durchhalten und in Zeit und Interpersonalität bewähren  können muss. Wie könnte aber ein terroristischer oder frauenfeindlicher Islam den Glaubensinhalt der „Hingabe“ und des Allerbarmers und  Barmherzigen bewähren können? Eine nur autoritative Begründung von Worten, Weisungen, Aufforderungen, Mahnungen, Drohungen als „Offenbarung“ auszugeben, weil angeblich alles so im QUR‘AN steht,  ist zirkelhafte Begründung, ist reine Ideologie und Machtausübung. 

Anders gesagt: Kann der Begriff der Freiheit durch die höchste und sich selbstbegründende Evidenz des Guten und Heiligen (des Gottesbegriffes) nicht generiert werden, d. h. kann Freiheit in einer religiösen Aussage nicht erkannt werden, ist  Ideologieverdacht geboten. Ob Gott sich dem Mohammed, schriftlich fixiert dann im QUR’AN, konkret geoffenbart hat, kann vernunftkritisch nicht für unmöglich erklärt werden, sofern das Gehörte und Aufgeschriebene mit den prinzipiellen Gesetzen des vernünftigen und einsichtigen  und moralischen Denkens und in appositioneller  Weise einer sich selbst begründenden Liebe   und Bewährung vereinbar gesetzt ist.   Es muss die Evidenzmöglichkeit einer absolut sich selbst begründenden Wahrheit  a) für den Offenbarungsträger selbst und b) für den hörbereiten, gläubigen Hörer/Leser  geben, andernfalls ist daran zu zweifeln.

7) Die von Gott an MOHAMMED   angetragenen Intentionen seien keine bloß sinnlichen Empfindungen, sondern Willensäußerungen, Gemütsbewegungen gewesen – wie A. M. KARIMI einmal sagt. Der Koran ist eben deshalb ein „ästhetisches Ereignis“, ein „ existentielles Erzittern“, wie ich in der ThpQ, Linz, Nr. 164 (2016), 265-271, las. Das halte ich alles für möglich – und wenn ich arabisch könnte, hätte ich vielleicht ein ästhetisches Erlebnis beim Lesen des Korans, aber ein ästhetisches Erleben ist mehrdeutig, zumindest keine hinreichende Begründung, vorallem keine rechtliche und sittliche Begründung.  Wird die Bedeutung eines lautmalerischen Zeichens, die Bedeutung einer sprachlichen Sequenz, die Schönheit eines Versmaßes, durch eine bloße Wiederholung göttlich legitimiert und rechtlich und sittlich wahr? Da kann ich ja jeden Dichter lesen! Ein Terrorist mit einer Waffe in der Hand und für ALLAH kämpfend und vielleicht noch einen „schönen“ Vers zitierend, ist kein Dichter und ist  nicht schön. Ein Vers, eine Satzmelodie erhält nicht durch sich selbst seine/ihre Schönheit und  Bedeutung, sondern erst durch den (die), der (die) weiß, wofür das Zeichen steht und was es bezeichnet. Gibt es eine epistemologische Begründung von Schönheit und Wahrheit ohne appositionelle und reflexive Realisierung, ohne Bildlichkeit eines über das lautmalerische Zeichen hinausgehendes Lebens?

Die Wahrheitsfrage vernunftkritisch an den QUR‘AN  zu stellen, ist notwendig geboten – aber genauso gilt das für die Bibel wie für jede Wissenschaft – und gilt natürlich für jede Praxis der Religionsausübung. Ist das wahr, was gesagt wird, und wird es so gesagt, wie es wahr ist,  und soll es so sein, wie es gesagt wird und wird es so gesagt, wie es sein soll?

7. 10. 2017 © Franz Strasser
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1Generell ist die Frage der Stimme Gottes an Mohammed bereits eine äußert schwierige Frage, denn es finden sich viele Sprecher im Koran: die Stimme Gottes, die Stimme Mohammeds, die Stimmen der Gegner, von Noah, von Abraham, von Mose, von Jesus, von Engeln, von Dämonen, Frevler, Zweifler, Gerettete, Verdammte. Sie alle steuern etwas bei zum ganzen Offenbarungstext, der zu rezitieren ist. Wie der ursprünglich mündliche Text an Mohammed mit der Niederschrift im Koran zusammenhängt, und umgekehrt dann wieder ein Urbuch oder Urschrift zur sekundären Niederschrift präexistent im Himmel existieren muss, das sind komplizierte Fragen, die sowohl auf den Koran zurückwirken, als auch auf die Hermeneutik der anderen Buchreligionen, wie sie das „Wort Gottes“ verstehen.

2Vgl. J. Widmann, Die Grundstruktur des transzendentalen Wissens nach Joh. Gottl. Fichtes Wissenschaftslehre 1804/2, Hamburg 1977, S 60.

3J. Widmann, ebd., S 60.

4Zum Wissen eines Zirkels – siehe z. B. K. HAMMACHER, Der Begriff des Wissens. In: Transzendentale Theorie und Praxis. Fichte-Studien-Supplementa, Bd. 7., Amsterdam-Atlanta, 1996, 1-27.

Autor: Franz Strasser

Dr. Franz Strasser