Die Einheit des „Ich denke“ bei KANT

1) In einem komplexen Aufbau von empirischem Sinn, Einbildungskraft und Apperzeption (KrV A 115) 1ist für KANT eine objektive Erkenntnis möglich. Die letzte Übereinstimmung von Denken und Sein mit Referenz auf die „Erfahrung“ wird dabei durch die verstandliche Synthesis der transzendentalen Apperzeption begründet. Diese Synthesis oder Einheit ist die durchgängige, notwendige Einheit des Bewusstseins – und damit Einheit der Erkenntnis. 

Berühmt ist jene Stelle, in der es heißt; „Das: „Ich denke“, muß alle meine Vorstellungen begleiten können; (…)“ (KrV, B 132). In zahlreichen Verwendungen taucht die Synthesis der transzendentalen Apperzeption in der „Transzendentalen Analytik“, Ausgabe A der KrV, auf – und wird in der Ausgabe B § 16 ff eigens nochmals thematisiert – siehe KrV B 132ff.

KANT wollte damit die sein kritisches Geschäft leitende Frage auflösen, „ob man nicht die menschliche Vernunft zwischen diesen beiden Klippen (sc. einem dogmatischer Idealismus und einem empirischen Skeptizismus eines HUMES) glücklich durchbringen (könne) (…)“ (KrV, B 128).

a) KANT wird vor allem in der 2. Auflage der KrV nicht müde zu betonen, dass die Deduktion der apriorischen Verstandesbegriffe durch die Funktion der transzendentalen Apperzeption geleistet wird und die Kategorien nur für die „(…) Gegenstände möglicher Erfahrung“ (KrV, B 166) gelten (oder siehe § 24, KrV, B 149ff). Aber wie können die apriorischen Bedingungen der Möglichkeit von Erfahrung einsichtig im Wissen durch die transzendentale Apperzeption auf die sinnliche Anschauung bezogen werden? Es sind zwei völlig „ungleichartige“ Sphären des Verstandes und der Anschauung (vgl. KrV, B 176.177 u. a.), die aufeinander zu beziehen sind?

KANT kennt dafür die „transzendentale Synthesis der Einbildungskraft“ (KrV B 151) das Schema. Diese Synthesis der Einbildungskraft bildet eine„figürlichen Synthesis“ (synthesis speciosa) (KrV B 151 und KrV B 154), diese bestimmt sogar „den inneren Sinn sukzessive“(KrV B 154) 2.

Letztlich bleibt aber bei KANT die Synthesis der Einbildungskraft, mithin auch das Schema, rückgebunden an die sinnliche Erfahrung und Anschauung, sodass der innere Sinn der Zeitanschauung dem rationalen Denken vorgeordnet und bestimmend voraus-gesetzt bleibt. Die apriorischen Denkformen (Begriffe) und die sinnlichen Anschauungen sind zwar sekundär durch das Schema zu vermitteln versucht (Subsumtion der Anschauung unter Begriffe und Restriktion der Begriffe auf die Anschauung), aber das konstitutionsgenetische Prinzip, warum und wie das Schema Verstand und Anschauung vermittelt, bleibt ungeklärt.

Es ist zwar ein genialer Gedanke – in der Traditionsgeschichte als species sensibilis und species intelligibilis schon da gewesen – in einer Synthesis  die Mannigfaltigkeit der sinnlichen Anschauung zusammenzufassen und so zu den „species“ zu kommen, doch gerade die schematisierende Vermittlung einer intellektueller Synthesis (Apperzeption des „Ich denke“) und sinnlicher Anschauung verlangt – und damit komme ich zur Weiterführung KANTS durch J. G. FICHTE – selbst eine apperzeptive Form des Wissens, worin im Schematisieren die Zeit und der Raum hervorgeht,   anstatt bloß faktisch hingenommen zu werden.

FICHTE hat das herausgearbeitet, wie es zur Anschauung der Zeit (und des Raumes) kommt. Es ist das „Schweben der Einbildungskraft“, die in Unterschiedenheit, aber nicht in Wohlunterschiedenheit (in Unschärfe), Anschauung und Begriff vermittelt und sukzessive die Formen der Anschauung bildet.3

Die Form der Einbildungskraft bezieht sich dabei notwendig auf einen materialen, qualitativen Gehalt des Wissens – sowie KANT auf dem Prinzip der Erfahrung bestand in der Bestimmung der transzendentalen Erkenntnisart -, aber gerade an und in diesem Gehalt (Hemmung oder Anstoß oder interpersonalem Aufruf) verzeitet und versinnlicht sich  der Setzungs- und Seinsgrund des Bewusstseins.  Es ist eine Form einer sich-verzeitenden Selbstanschauung in der  Einbildungskraft – nicht unterbestimmt in der Form des objektivistisch vorausgesetzten  „inneren Sinnes“ wie bei KANT – aber auch nicht überbestimmt in der Form eines göttlichen Verstandes, der zugleich anschaut, was er begrifflich denkt. (KANT hat bekanntlich dieses Verständnis einer „intellektuellen Anschauung“ abgelehnt.) Durch das Schweben der Einbildungskraft werden Begriff und Anschauung mittels der sinnlichen Hemmung (primär als Aufruf zu verstehen, dann als sinnliche Hemmung) zu einer Anschauung verarbeitet – und sukzessive verobjektiviert und verzeitet. 

Die Anschauung im „inneren Sinn“ zu generalisieren in einen Begriff hinein und umgekehrt, den Begriff so zu restringieren, dass er auf die Anschauung im „inneren Sinn“ passt – das war das Anliegen KANTS im Denken des Schematismus, aber notwendig musste ein Graben zwischen Anschauung und Verstand bleiben, weil die Zeit selbst noch in keiner reflexiven Bestimmung (in der Form der Einbildungskraft) gefasst wurde. Durch die faktische Bestimmung des „inneren Sinnes“ in der Zeitanschauung tritt bei KANT das Dilemma ein, dass die durchgängige Einheit der Erkenntnis des „Ich denke“ selbst nicht mehr transzendental-apperzeptiv erkannt und eingeschaut werden kann. Es wird  dogmatisch, durch Selbstbeobachtung des „Ich denke“ die Einheit vorausgesetzt. KANT  bekommt dann allerhand Probleme, sodass er sich z. B. vor einer rationalen Seelenlehre im Paralogismuskapitel der „ Transzendentalen Dialektik“ abgrenzen (KrV B 399ff, A 341ff) oder den Idealismus widerlegen  muss. Bezogen z. B. auf den Paralogismus: Eine bloß logische Verwendung oder Prädizierung des „Ich denke“ genügt noch nicht, eine Seelensubstanz nachzuweisen. Dazu muss notwendig die Anschauung kommen4 Aus der Sicht des Schwebens der Einbildungskraft bei FICHTE stellen sich diese Fragen eines „Paralogismus“ nicht mehr. Durch und im Schweben der Einbildungskraft entstehen Subjektivität der Innenwelt und Objektivität der Außenwelt. Ein „Paralogismus“ ist ein Scheinproblem.  

2) FICHTE wird sowohl in der GRUNDLAGE von 1794/95 wie in der WLnm (1796 – 1799) das für die Sprachphilosophie oft so unbegreifbare Ich, d. h. die sich wissende Selbstbewusstseins-Einheit, die Reflexivität des Wissens,  in der Dialektik der Einbildungskraft, sowohl  sittlich-praktisch wie anschauend-theoretisch, bestimmen. Das Schweben (griech. „dialegein“) der Einbildungskraft liefert zwischen dem durch den „Anstoß“ 5 verendlichten und dem die Unendlichkeit ausfüllenden Ich ein Bestimmbares, das aus der übergeordneten, einen Vernunft als Selbstbewusstsein genetisiert und bestimmt wird. In und von der höchsten Einheit der Vernunft her, in einem zu erhellenden gnoseologisch sich-wissenden Setzen und einem ontologisch vorauszusetzenden Sein dieses Setzens,  verfolgt die WL die systematische Konstitution der Innen- und Außenwelt  in allen seinen Erkenntnis- und Seinsbedingungen.  

Zur nochmaligen, höchsten implikativen Begründung dieser Vernunfttendenz und des absoluten Sollens – siehe Literatur z. B. von A. SCHURR – 6  

M. a. W., das „Ich denke“ ist nach FICHTE ein prädeliberatives, willentliches Handeln und Erkennen und geht dem sekundärreflexiven Urteil des „Ich denke“ bei KANT vorher. Es ist ein reflexives Wissen, durch Selbstbeschränkung nach dem Sittengesetz gebildet. Es ist in seinem Handeln reflexiv sich wissend gesetzt, nicht blind oder bloß begrifflich. Das Ich, die Einheit des Sich-Wissens –   von Sprachphilosophen gerne in eine grammatikalische Ecke gestellt – existiert  als Reflexionsvollzug eines sich selbst bestimmenden Bestimmtwerdens, wodurch stets das Prinzipiieren und das Heraustreten bestimmter und bestimmender Prinzipiate zugleich gesetzt sind.

3) Die WISSENSCHAFTSLEHRE ist deshalb Wissenslehre, vernünftige Erkenntnis der Wirklichkeit in und aus Prinzipien der Erkenntnis – und natürlich auch Anwendung und Durchführung dieser Prinzipien! Sie ist nicht psychologische Ichlehre oder bloße Logik – wie KANT den FICHTE aus Sekundärliteratur leider missverstand – oder „Subjektphilosophie“ , auch nicht „Handlungsphilosophie“, wie mir zufällig ein Werk von WITZLEBEN in die Hände fiel. FRANK WITZLEBEN7 zerlegt den prädisjunktiven Erkenntnisakt des Setzens, wie ihn FICHTE in der „Thathandlung“ beschreibt, in einen a) Aktbegriff und in einen b) Handlungsbegriff. Den Aktbegriff möchte er für einen bestimmten Begriff der Subjektivität reservieren, worin ein Selbstbewusstsein in einer aktuellen Jetzt-Zeit denkbar gesetzt ist, der Handlungsbegriff hingegen erzeugt nach gewissen Strukturen und Dimensionen (Operation, Beobachtung, Reflexion) die Bewusstheit („Bewusstheit“ sic! bei WITZLEBEN) im Unterschied zum Bewusstsein des Wissens. Die Handlung, so meine kritische Anfrage jetzt an WITZLEBEN, bringt selbst in ihrer verschiedenen Strukturiertheit, zusammengehalten durch den Grenzpunkt eines Subjekts, ein Begriffsverhältnis oder Gegenstandsverhältnis hervor? Die Handlung gilt WITZLEBEN – in genauerer Systematik und Semantik von ihm noch aufgeschlüsselt – als Hervorbringung des Gegenstandes aus dem Begriff? Dies ist und bleibt m. E. eine Variante von Idealismus und entspricht nicht der Intention KANTS bzw. der Weiterführung FICHTES, die Erkenntnis als Hervorbringung des Begriffs gemäß und entsprechend dem wahren Gegenstand zu deduzieren. Die Relation zum Nicht-ich bzw. die Anwendung der Kategorien muss aber anschauungsbezogen, „synthetisch a priori“ im kantischen Sinne bleiben, und kann  nicht bloßer begriffslogischer Vernunftschluss sein. Die Kategorien sind nicht bloß Relationsbegriffe. 8

Die Unterscheidung WITZLEBENS zwischen Aktbegriff und Handlungsbegriff (mit weiteren Aufschlüsselungen) ist m. E.  nicht zulässig, als der Akt des Handelns hier nicht mehr substantiell verstanden wird, sondern akzidentiell, als Eigenschaft eines idealistisch/realistisch vorausgesetzten „Subjektes“. In weiterer Folge wird die „Handlung“ der Kognition eines substantiellen Akt-Wissens vorgeordnet. Das widerspricht deutlich den Aussagen FICHTES. Das handelnde Tun ist wissendes Tun,  anschaulich im performativen Sprechakt zu verstehen, nicht blind. 

Weil WITZLEBEN der dem Handeln zugrundeliegende „actus purus“ transzendentalphilosophisch unauflösbar scheint, darf die Kognition nicht zugunsten der Exekution (so sein Begriff) aufgegeben werden. Die kognitive Aussage bzw. das Wissen ist konstitutiv für das Handeln, entsteht zugleich im Entwerfen eines synthetischen Zweckbegriffes  – und nicht umgekehrt, dass zuerst gehandelt würde, ehe dann für das Wissen das Objekt des Handels bekannt werden könnte.  Das platonische Vorwissen bzw. die apriorische Wissbarkeit von allem ist konstitutive Bedingung jeder Einheit von Sprechen und Handeln, möge das Handeln dann weiter zerlegbar sein, wie es WITZLEBEN tut, oder wie Fichte selbst oft bemerkt, dass es einen Widerspruch gibt zwischen Sagen und Tun, wenn wir das von außen betrachten.  Die Einsicht in die Art der Verfasstheit der Wirklichkeit wie auch der Inhalt und die Normativität des Erforderlichen in der Wirklichkeitsveränderung bzw. Wirklichkeitserzeugung (im Bereich des Ästhetischen und Sittlich-Praktischen), das ist durch das prädisjunktive Prinzip des „Setzens“, wie es FICHTE eingeführt hat, begründet und gerechtfertigt. Alles  Sein kann nur im Sehen gesetzt und angesprochen sein – und ist nicht blind im Handeln vorausgesetzt.

4) Zurück wieder zu KANT: Es ist eine offene Frage:  Ist die Einheit des „Ich denke“ nur als formale Vereinigungsbedingung von Vorstellungen „für mich“ (KrV B 132) gemeint, oder hat diese Einheit auch eine überindividuelle und vorallem inhaltliche, materiale Bedeutung? Man lese den entsprechenden Abschnitt über die ursprünglich-synthetische Einheit der Apperzeption in § 16 KrV. 9  

Nochmals zur Erläuterung sei  F. WITZLEBEN herangezogen: Er möchte  in  seiner Handlungstheorie und Handlungsphilosophie den Akt der Spontaneität, der dieser Synthesis des „Ich denke“ zugrundeliegt, weiter aufschlüsseln, indem er die dahinterliegende Handlung dreifach strukturiert und analysiert in einen Akt der Operativität, der Beobachtung und der reflexiven Handlungskontrolle. Er gibt folgende Erklärung: „Der Akt der Spontaneität kann nur gedacht werden, wenn sie einem Selbstbewusstsein zugerechnet wird. Die Einheit des Selbst ergibt sich analytisch aus der synthetischen Einheit des Mannigfaltigen der Anschauungen und umgekehrt. Das Selbst in der formalen Einheit des „Ich, das p denkt“ hat eine Begleitfunktion, die die repräsentationale Legitimität (im erkenntnistheoretischen Sinne) von „p“ sichert.10

Aber bitte, das wäre ja die interessante Frage, 1.) wie und warum die Mannigfaltigkeit der Anschauungen – bei FICHTE als Ordnung der Bestimmbarkeit gesetzt – , angenommen werden kann und 2.) wie die synthetische Einheit dieser angeschauten Mannigfaltigkeit (Bestimmbarkeit) einsichtig, repräsentational gedacht werden kann in einem apriorischen Vorwissen? Die „analytische“ Einheit des Selbst ergibt sich nicht automatisch in und aus der „synthetischen Einheit des Mannigfaltigen der Anschauungen“ oder umgekehrt, eine „Repräsentation“, die sich als solche nicht wissen kann, ist keine Repräsentation!11

Dies kann m. E. in zweierlei Weise geschehen, gemäß den Argumentationsformen der WL: a) dialektisch-abstrakt, im Aufzeigen einer implikativen und appositionellen Synthesis der Zeit- und Raumordnung (GRUNDLAGE), worin sich Freiheit im Übergehen von Bestimmbarkeit zur Bestimmtheit im Handeln manifestiert (repräsentiert), oder b) phänomenologisch durch ein aufforderndes Soll von Ewigkeit her, vermittelt als intelligible Struktur eines „reinen Willens“ (Wlnm), der sich verzeitend ausschematisiert in den Selbstbewusstseins-Setzungen der verschiedenen Wirklichkeitsbereiche wie Natur, Sittenlehre, Rechtslehre und Religionslehre und Geschichte.
(c) Dr. Franz Strasser, 5. 11. 2015

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1 „ (…) die Möglichkeit der Erfahrung überhaupt, und Erkenntnis der Gegenstände derselben beruht (auf): Sinn, Einbildungskraft und Apperzeption“ (KrV A 115, Bd. 3, 173)

2 KANT hat in der 2. Auflage der KrV eigentlich bereits einen höheren Schematismus im Selbstbewusstsein vorausgesetzt, wenn er sagen kann, dass die Handlung des Subjekts „(…) den inneren Sinn seiner Form gemäß bestimmen, (sie) bringt so gar den Begriff der Sukzession zuerst hervor (…) KrV, B 155, Bd. 3, 151). Er betont aber dann wieder, dass die Anwendungsbedingung der kategorialen Verstandesbegriffe nur für den sinnlichen Bereich gelten, wodurch die originäre Leistung der Einbildungskraft zwar vorausgesetzt, aber nicht mehr reflektiert wird.

3 F. BADER sprach in seinen exzellenten Vorlesungen zur Zeit von einer „transzendental-apperzeptiven Zeitbestimmung.“

4 Wie ein Hegel sämtliche Referenzprinzipien auf Anschauung und Erfahrung vernachlässigt – um sie hintenherum doch wieder hereinzuholen – und weder KANT noch FICHTE folgt – beschreibt R. LAUTH einmal präzise so: „Das Ich setzt sich im Setzen des Nichtichs, das freilich ein relativ Absolutes ist, nicht als disjunktives Moment neben dem Nicht-Ich eine höhere Einheit – so will es Hegel! -sondern in eins als umfassendes und als gegenüber dem Nicht-Ich teilbares Ich. Auch ohne alle Bitte oder Gebot wird diese Grenze nie überschritten.“ R. LAUTH, Der systematische Ort von Fichtes Geschichtskonzeption in seinem System, a. a. O., 101.

5 Die basale sinnliche Hemmung oder „Anstoß“ müsste jetzt weiter interpretiert werden: Der Anstoß kann nur durch eine höhere intentionale Hemmung verstanden werden, wodurch FICHTE nicht durch Zufall auf den Mangel der Ableitung der Interpersonalität bei KANT gestoßen ist. Der intentionale d. h. interpersonale Anstoß ist notwendige Konstitutionsbedingung, damit ein substantielles Sich-Wissen und Sich-Bestimmen möglich ist.

6  A. SCHURR, Der transzendentale Gedanke, S 371f . Die Aufforderung in der Wechselwirksamkeit von Individualität und Interpersonalität muss auch verstanden werden. Das Verstehen setzt aber wiederum einen Zweckbegriff voraus, und bedeutet ein transzendierendes über sich Hinausverwiesen-Sein zu einem absoluten Bestimmtsein. Im absoluten Bezugspunkt liegt der Sinn menschlichen Existenzvollzuges, die tragende Gemeinsamkeit alles kommunikativen, sittlichen Austausches. Dieses Grundsein als Grundlage jedes Selbstvollzuges des Bewusstseins muss deshalb in einem fraglosen Seinsollen begründet sein – das im Gegensatz zu jedem faktischen Bestimmtsein nur als nicht-wandelbar gedacht werden kann –, weil eine gegenteilige Annahme von der Undenkbarkeit ausgehen müsste, dass ein absolutes Grundsein beides setzen könne, ein sich selbst begründendes und ein nicht sich selbst begründendes Bestimmtsein. A. SCHURR, ebd. 37.

 7 FRANK WITZLEBEN, Bewußtheit und Handlung. Zur Grundlegung der Handlungsphilosophie. Fichte-Studien, Supplementa Bd. 9, Amsterdam-Atlanta, GA 1997.

8  Sehr erhellend ist hier für mich ein Artikel zur Sprechakttheorie und zur WL Fichtes von Peter Baumanns, Der transzendentale Gedanke, Hamburg 1981, ebd. S 175 ff .

9  Es gibt durchaus Aussagen bei KANT, die die transzendentale Einheit des „Ich denke“ als „numerische Identität“ (siehe Paralogismuskapitel B 399ff) verstehen, als überindividuelle Einheit des Vernunft, worin die ganze Wirklichkeit der erscheinenden Welt in übergeordneter Einheit gebündelt wird.  Zumindest zeugt  sein Opus Postumum, dass er sich mit seiner Variante des Bezuges des Erkenntnisvermögens auf die Gegenstände der Erfahrung nie endgültig zufrieden gegeben hat. Siehe dazu, MANFRED ZAHN, Selbstvergewisserung, Würzburg 1998, und den darin befindlichen Aufsatz zu Kants Opus postumum.

10  F. WITZLEBEN, Bewußtheit und Handlung. Ebd. S 12.

11 Soweit ich Aussagen von M. FRANK gelesen habe, scheinen mir dort die Dinge um die leidige Subjektivität der Erkenntnis ähnlich zu liegen!? Siehe dazu interner Link zu einem Blog zu M. Frank. 

 

Autor: Franz Strasser

Dr. Franz Strasser

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