Priesterweihe von Frauen? Exkurs zum Begriff der Repräsentation – 1. Teil

Ich sehe hinter den Begriffen „Bischof“, „Priester“, „Diakon“ zwar nicht reine Vernunftbegriffe, sie sind historisch gewachsen und entstanden, deshalb auch relativierbar, aber sie tragen eine besondere transzendentale Auszeichnung an sich, weil sie mit einer ideellen Zwecksetzung verbunden sind: Sie können eine Art „regulative“ Funktion ausüben, vorausgesetzt es liegt eine noch tiefer gehende, genetische Heils- und Sinnordnung dem zugrunde. Diese ideelle Zwecksetzung ist aber m. E. nicht an das Geschlecht gebunden.  

Ich verweise hier zuerst auf Kant: Kant hat in der KdU (1790) den Zweckbegriff in einem regulativen Sinne verstanden. Wir wissen ihn nicht genau herzuleiten, er ist eine subjektive Maxime, weder Naturbegriff noch Freiheitsbegriff, „weil er gar nichts dem Objecte (der Natur) beilegt (…)“

„Dieser transscendentale Begriff einer Zweckmäßigkeit der Natur ist nun weder ein Naturbegriff, noch ein Freiheitsbegriff, weil er gar nichts dem Objecte (der Natur) beilegt, sondern nur die einzige Art, wie wir in der Reflexion über die Gegenstände der Natur in Absicht auf eine durchgängig zusammenhängende Erfahrung verfahren müssen, vorstellt, folglich ein subjectives Princip (Maxime) der Urtheilskraft; daher wir auch, gleich als ob es ein glücklicher unsre Absicht begünstigender Zufall wäre, erfreuet (eigentlich eines Bedürfnisses entledigt) werden, wenn wir eine solche systematische Einheit unter bloß empirischen Gesetzen antreffen: ob wir gleich nothwendig annehmen mußten, es sei eine solche Einheit, ohne daß wir sie doch einzusehen und zu beweisen vermochten.“ KdU, Einleitung, Bd V, 184.

Kritisch jetzt zurückgefragt: Was nützt uns dieser „regulative“ Begriff, wenn er nicht anschauungsbezogen und konstitutiv bereits wirksam ist?

Anders FICHTE: Die Wlnm  geht von einer Synthesis des Lebens aus, die im aufsteigenden Sinne  analysiert werden kann: Es wird mit einem Zwangs- und Kraftgefühl auf der realen Seite  und einem Streben und einem Trieb der Selbstbestimmung auf der idealen Seiten angefangen (WLnm §2 ff), aber analytisch-synthetisch ist bereits alles zweckhaft von einer distributiven Einheit des Lebens und einem gegebenen Zweckbegriff bestimmt.

Das muss jetzt auf das kirchliche Leben übertragen werden: Nur durch eine distributive Einheit eines zweckgerichteten moralischen und religiösen Lebens ist ein Ineinandergreifen der verschiedensten Kräfte und Wirkungen denkbar sein. Ich denke hier an verschiedene Kräfte kirchlichen Lebens: Liturgie, Caritas, Verkündigung, Gemeinschaft – und eben auch an „regulative“ Begriffe kirchlicher Weiheämter.  

KANT verwunderte sich noch über die Notwendigkeit, eine Maxime der Zweckgerichtetheit in der lebendige Natur hineinlegen zu müssen, deren Rechtsgrund er aber nicht angegeben konnte.

Von FICHTE her muss umgekehrt gesagt werden, dass ohne konstitutiven Zweckbegriff weder eine Einheit des Begriffes „Leben“, noch eine Einheit einer intelligiblen, interpersonalen, rechtlichen, moralischen oder religiösen Welt möglich wäre.

Die positive Offenbarung, die ihren Rechtsgrund in sich hat, insofern sie eine Helligkeit des Guten und des Wahren, der Rettung und Erlösung (der Vergebung) darstellt, ist aber im Begriff und als Begriff eine intelligible und interpersonale Einheit und Gemeinschaft, mithin eine kirchliche Einheit, die ihre Evidenz mit sich führt.

Im realen Vollzug des Denkens setze ich notwendig (zweckhaft) andere vernünftiger Wesen außer mir voraus, damit ich mich aus der allgemeinen Bestimmtheit zu einer individuellen Bestimmtheit heraus-bestimmen  (abgrenzen) kann. Analog dazu: Im religiösen Leben setze ich die allgemeine Abgrenzungsbedingung einer kirchlichen Bestimmtheit voraus, damit ich mich daraus abgrenzen kann. 

Es gibt in einer Struktur transzendentalen Wissens aufgestellt eine elementare Begriffsstruktur von Zeit (=Z) und Begriff (=B) und Topos (=T) in einem allgemeinen Ordinationsgefüge (=O) der Wirklichkeit.  Es geht primär um Einheit mit Gott und untereinander – und dies ausgelegt in den verschiedensten Bereichen des geistigen und, man kann auch spezifisch sagen, geistlichen Lebens (aller Vernunftwesen). 

Es muss a) eine konkret zeitlich-geschichtliche Begründung und Rückführung dieser Heils- und Sinnordnung geben auf die reale Person JESU CHRISTI; b) die Erinnerung an JESU heilsvermittelnden Tod und seiner Auferstehung sowie der Ausblick auf seine Wiederkunft ist ein bestimmten Begriff von Erlösung und Vergebung; c) der Topos dieses Begriffes von Erlösung und Vergebung liegt in einer neuen „katholischen“ Praxis; d) das Ordinationsgefüge dieser neuen Gemeinschaft ist die Verbindung mit Gott/Jesus Christus/Hl. Geist durch Exegese, Ritus, Sakramente, Gebete herbeiführen und eine Verbindung interpersonaler, d. h. rechtlicher und moralischer und religiöser Natur.

Anders gesagt: Im Glauben an die positive Offenbarung, vermittelt durch die Kraft des Hl. GEISTES, und im geschichtlichen Festhalten dieses permanenten Bestimmungsgrundes aus der positiven Offenbarung, ist eine sakramentale und kirchliche Sinnordnung abzuleiten – oder soll zumindest der Begriff einer kirchlichen Ordnung aufgestellt werden können mit verschiedenen weiteren Begriffsfolgen wie Liturgie, Diakonie, Verkündigung.   Ein Teil davon ist eine kirchliche Ämterhierarchie, begründet und gerechtfertigt als regulativer Begriff, diese kirchliche Heils- und Erlösungsordnung zu installieren und zu repräsentieren.  

Kann jetzt eine kirchliche Ämterhierarchie als „repräsentativ“ für eine christliche Sinn- und Heilsordnung stehen? Der Begriff „Repräsentation“ ist einerseits ein wichtiger Begriff, andererseits für eine Sinn- und Erlösungsordnung nur mit genauen Einschränkungen begründbar.

(Siehe nächster Teil).

© Franz Strasser, 29. 9. 2019

Autor: Franz Strasser

Dr. Franz Strasser