Rein zum Zeitvertreib und ans Bett gefesselt las ich diesen Text – wie unten zitiert.
Ich wollte eine kurze, bündige Erklärung des Widerstandes der Piusbruderschaft gegen die röm.-kath. Kirche finden. Das fand ich nicht. So beschränkt sich meine Lektüre auf eine rein systematische Leseart.
Anbei meine unmaßgebliche Meinung und Lektüre: Rot – meine Ansicht, dazwischen in Schwarz das Schreiben von. 14. 5. 2026
(c) Franz Strasser, 19. 5. 2026
KATHOLISCHE GLAUBENSERKLÄRUNG
gerichtet an Seine Heiligkeit Papst Leo XIV.
von Pater Davide Pagliarani
Generaloberer der Priesterbruderschaft St. Pius X.
Heiliger Vater,
seit über fünfzig Jahren bemüht sich die Priesterbruderschaft St. Pius X., dem Heiligen Stuhl ihren Gewissenskonflikt angesichts der Irrtümer darzulegen, die den katholischen Glauben und die katholische Moral zerstören. Leider blieben alle geführten Gespräche ergebnislos, und alle geäußerten Bedenken erhielten letztlich keine zufriedenstellende Antwort.
Seit über fünfzig Jahren besteht die einzige vom Heiligen Stuhl ernsthaft in Erwägung gezogene Lösung offenbar in kanonischen Sanktionen. Zu unserem großen Bedauern scheint uns das kanonische Recht somit nicht dazu verwendet zu werden, im Glauben zu bestärken, sondern von ihm zu entfernen.
Mit dem folgenden Text möchte die Priesterbruderschaft St. Pius X. Eurer Heiligkeit in der gegenwärtigen Lage in kindlicher Ehrfurcht und Aufrichtigkeit ihre Treue zum katholischen Glauben bekunden, ohne dabei – weder gegenüber Eurer Heiligkeit noch gegenüber der Universalkirche – etwas zu verschweigen.
Die Priesterbruderschaft legt diese einfache Glaubenserklärung in Eure Hände. Wir halten sie für das unverzichtbare Minimum, das erforderlich ist, um in Gemeinschaft mit der Kirche zu stehen, um uns wahrhaft katholisch und folglich Eure Söhne nennen zu können.
Wir haben keinen anderen Wunsch als den, im römisch-katholischen Glauben zu leben und darin bestärkt zu werden.
„So bemüht euch – fest verwurzelt und gegründet
im wahren katholischen Glauben –, allzeit würdige Diener
des göttlichen Opfers und der Kirche Gottes zu sein, die der Leib Christi ist.
Denn wie der Apostel sagt: ‚Alles, was nicht aus dem Glauben kommt, ist Sünde‘,1 schismatisch und außerhalb der Einheit der Kirche.“2
Offensichtliches Interesse ist die Einheit – fragt sich nur, was diese Einheit ausmachen und wie sie gelebt werden soll?
Wer von “ Einheit” spricht, meint alles und nichts. Ich nehme an, dass eine höchst theologische Konnotation damit verbunden ist, abgeschaut vom Joh-Evangelium, wenn Jesus Christus von der Einheit mit dem Vater spricht (siehe dort viele Stellen). Ausgangspunkt ist die positive Offenbarung, die nach der Piusbruderschaft in eine gewisse anschauliche Form der Tradition gegossen werden soll. Der höchste Begriff der positiven Offenbarung als Anschauung von Erlösung, Rettung, soll zu einer anschaulichen Form des Denkens von Gott und Welt und Mensch umgebildet werden. Wie die Piusbruderschaft sich das vorstellt, entgeht hier meiner Kenntnis oder wird in den drei Seiten des “Glaubensbekenntnisses” nicht deutlich gesagt, was für drei Seiten auch entschuldbar ist. Trotzdem ist die Sache höchst prekär, denn mit welcher Methode und mit welcher Geltungsbegründung wird hier im Hintergrund argumentiert? Soweit ich weiß, wirft die Piusbruderschaft der r.-k. Kirche in manchen Texten d. 2. Vatikanums (1962-1965) eine Verfälschung der Lehre und der Tradition vor und will vor allem den tridentinischen Ritus der Messfeier weiterpflegen?
Es scheint mir, es läuft alles auf eine historische Streiterei hinaus.
Historische Kritik der Piusbruderschaft versus historische Erscheinung der r.-k. Kirche in den letzten 60 Jahren. Die Historie für sich kann keine Geltungsbegründung erreichen, würde nicht eine überhistorische Evidenz und Wahrheit eingesehen. Die überhistorische Evidenz eines Inhalts wird von der Piusbruderschaft – wie der r.-k. Kirche – beansprucht, dieser ändert sich nicht, womit aber nicht geklärt ist, wie die zeitliche Applikation und Apposition aussehen soll. Eine zeitliche Inkarnation muss es geben – für die r.-k. Kirche wie für die Piusbruderschaft, der Grund der Einsicht kann aber nicht selbst von einer historischen Anschauungsform abgeleitet werden. Das ergäbe stets historische, relative Zeitanschauungen ohne Erkenntniskriterium, was den der Inhalt der positiven Offenbarung wäre.
Hier hält sich die Piusbruderschaft ziemlich bedeckt, außer ein paar Beteuerungen zur Sinnidee der Erlösung. Aber ganz so ähnlich würde ich das bei der r.-k. Kirche finden. Der Inhalt kann kein Spaltungsgrund sein, offensichtlich ist die Form das Problem. Auf das Bestehen einer pertinenten Sinnidee beharrt sowohl die Piusbruderschaft als auch die r.-k. Kirche, was ganz richtig ist, denn sonst gäbe es keine Kirche. Wie wird der unwandelbare Inhalt der Sinnidee der Erlösung am besten weitergegeben?
Die Inkarnation als Fortsetzung der positiven Offenbarung muss wohl die Vielheit der Welt und die Freiheit des Menschen einbeziehen – wie das 2. Vatikanum das tun wollte – wie könnte eine nur tridentische Form des Ritus der Hl. Messe die einzige anschauliche Form sein? Das ist eine gewaltige Engführung, ist altes Standesdenken, Trennung von Klerus und Laien, kolonialistische Verkündigung u. v. m.
Das vernachlässigt nicht nur philosophisches Denken von Vielheit in der Einheit, ebenso den ganzen hermeneutischen Kontext der Verkündigung Jesu, vergisst die grundlegenden politischen und rechtlichen Grundlagen des Vernunftwesens “Mensch”, ist total überheblich und integralistisch und sehr gefährlich! Z. B. ein Kyrill II der russ.-orthoxen Kirche rechtfertigt im Namen des christlichen Glaubens den Angriffskrieg gegen die Ukraine…..
Der Inhalt der positiven Offenbarung, die Rettung der Welt, anscheinend im Denken der Piusbruderschaft beschworen – wie tridentinisch-historisiert und geschichtslos muss ich das lesen! Die Tathandlung der Sündenvergebung, die Liebespredigt, die Heilungswunder Jesu, die Verkündigung der ersten Christen, das sind totale Lebens-, Liebes-, Freiheitspredigten, nicht bloße, formale Anschauungen.
KATHOLISCHE GLAUBENSERKLÄRUNG
Im Namen unseres Herrn Jesus Christus, der göttlichen Weisheit, des fleischgewordenen Wortes, der eine einzige Religion gewollt hat, der den Alten Bund endgültig außer Kraft gesetzt hat, der eine einzige Kirche gegründet hat, der über Satan triumphiert hat, der die Welt besiegt hat, der bis zum Ende der Zeiten bei uns bleibt und wiederkommen wird,
um die Lebenden und die Toten zu richten.
Er, das vollkommene Ebenbild des Vaters, der Mensch gewordene Sohn Gottes, wurde durch die Menschwerdung und durch das freiwillige Opfer am Kreuz zum einzigen Erlöser und Retter der Welt eingesetzt. Unser Herr tut der göttlichen Gerechtigkeit Genüge, indem er sein kostbares Blut vergießt; in diesem Blut stiftet er den Neuen und Ewigen Bund und hebt den Alten auf. Er ist daher der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen und der einzige Weg, um zum Vater zu gelangen. Nur wer ihn kennt, kennt den Vater.
Das ist Johannes-Sprache, richtig, aber der hermeneutische Kontext wird in seinem Inhalt verwandelt zu einer juridische Klassifikation und Zurechenbarkeit, wie es sich die Piusbruderschaft (oder Erzbischof Levebre) ein “katholisches” Gesetz oder eine Anschauungsform geben will, analog zu Kants Selbstgesetzgebung der Vernunft als Moral- und Rechtslehre, nur religiös verbrämt.
Der Anschauungs-Inhalt der positiven Offenbarung, von dem die r.-k. Kirche wie die Piusbruderschaft ausgehen, wird zu einer fraglichen anschaulichen Form umgeformt. Natürlich muss sich die r.-k. Kirche genauso stets genetisch prüfen, ob ihre anschauliche Form noch dem Geltungsgrund der positiven Offenbarung entspricht. Sie versucht hier wenigstens einen vernunft-kritischen, kommunikativen Weg zu gehen, der von der Piusbruderschaft aber abgelehnt wird.
Durch einen göttlichen Beschluss wurde die allerseligste Jungfrau Maria unmittelbar und innig dem gesamten Erlösungswerk beigesellt; daher kommt die Leugnung dieser Verbindung – im Sinne der überlieferten Lehre verstanden – einer Verfälschung des Erlösungsbegriffs selbst gleich, wie ihn die göttliche Vorsehung gewollt hat.
Die Miterlöserschaft der allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria ist nach der P.Br. anscheinend zu wenig gewürdigt und betont, was aber nur eine liturgische Formfrage ist, die keine tiefergehenden Differenzen nach sich ziehen müsste. Oder steckt dahinter doch eine doktrinale Lehre, dass eine teleologisch-ethische Vollkommenheit einer vollkommenen Gemeinschaft “Kirche” in der Jungfrau und Gottesmutter als Symbol hypostasiert werden soll, wie das 1. Vatikanum noch die “societas perfecta” beschwörte? Die tridentinische Kirche wäre dann die durch die Jungfrau und Gottesmutter autorisierte Form?
Es gibt nur einen einzigen Glauben und eine einzige Kirche, durch die wir gerettet werden können. Außerhalb der römisch-katholischen Kirche und ohne das Bekenntnis des von ihr seit jeher gelehrten Glaubens gibt es weder Heil noch Vergebung der Sünden.
Das ist Johannes-Sprache und Sprache vieler Jahrhunderte der Kirche, nichts dagegen, doch der ganze hermeneutische Kontext dieser Reden Jesu oder Paulus oder der Pastoralbriefe ist doch reduziert auf eine äußerliche, juridische Zurechenbarkeit und Mitgliedschaft in der “katholischen Kirche” der Piusbruderschaft. Die Inkarnation Gottes in die Welt, die Rettung der Welt, des Menschen, wird zur Formfrage verwandelt – das verändert ja gefährlich den Inhalt der Botschaft Jesu?
Folglich muss jeder Mensch Glied der katholischen Kirche sein, um seine Seele zu retten, und es gibt nur eine einzige Taufe als Mittel, um in sie aufgenommen zu werden. Diese Notwendigkeit betrifft die gesamte Menschheit ohne Ausnahme und schließt unterschiedslos Christen, Juden, Muslime, Heiden und Atheisten ein.
Das Wissen um die positive Offenbarung und der Glaubensakt wird zu einer instruktionstheoretischen Erklärung der Mitgliedschaft durch Taufe. Wird hier die ganze hermeneutische Erfahrung der Taufe einbezogen, wenn es nur auf die Äußerlichkeit der Mitgliedschaft ankommt?
Der Auftrag, den die Apostel erhalten haben, nämlich allen Menschen das Evangelium zu verkünden und alle Menschen zum katholischen Glauben zu bekehren, bleibt bis zum Ende der Zeiten gültig und entspricht der absolutesten und zwingendsten Notwendigkeit, die es auf der Welt gibt. „Wer glaubt und getauft wird, der wird gerettet werden; wer aber nicht glaubt, der
1 Röm 14, 23. 2 Römisches Pontifikale, Ermahnung an die Weihekandidaten zum Subdiakonat.
wird verdammt werden.“ 3 Daher stellt der Verzicht auf die Erfüllung dieses Auftrags das schwerste Verbrechen gegen die Menschheit dar.
Der hermeneutische Kontext der eindringlichen Rede Jesu wird zu einer metaphysischen Notwendigkeit und juridischen Normativität.. Dahinter stecken m. E. subjektive Angstbedürfnisse und subjektive Machtansprüche, die in einer pluralistischen Gesellschaft für die Piusbruderschaft wohl nicht erträglich sind.
(Viele Aussagen in diesem kurzen “Glaubensbekenntnisse könnte ich psychologisch deuten!)
Die römische Kirche besitzt als einzige alle vier Merkmale, welche die von Jesus Christus gegründete Kirche auszeichnen: Einheit, Heiligkeit, Katholizität und Apostolizität.
Historisch kritisch haben diese vier wertvollen Begriffe eine lange Herleitung und müssten auf ihre hermeneutische Kontextualität hinterfragt werden. Sie scheinen mir hier bloße historische Schlagwörter zu sein ohne konkrete Anschauung und Applikation.
Ihre Einheit ergibt sich im Wesentlichen aus dem Bekenntnis aller ihrer Mitglieder zu dem einen wahren Glauben, der von der katholischen Hierarchie im Laufe der Jahrhunderte treu bewahrt, gelehrt und weitergegeben wurde.
Diese katholische Hierarchie gab es anfangs gar nicht, sondern ist selbst ein Konglomerat historischer Bildungen und Prozesse.
Die Leugnung auch nur einer einzigen Glaubenswahrheit zerstört den Glauben selbst und macht jede Gemeinschaft mit der katholischen Kirche völlig unmöglich.
Welche einzige Glaubenswahrheit ist hier gemeint? Welcher Exklusivitätsanspruch wird hier behauptet?
Der einzig mögliche Weg zur Wiederherstellung der Einheit unter Christen verschiedener Konfessionen besteht in dem dringenden und liebevollen Aufruf an die Nichtkatholiken, den einzigen wahren Glauben innerhalb der einzigen wahren Kirche zu bekennen.
Ich sehe dahinter reinen Integralismus und Machtanspruch.
In keiner Weise darf die katholische Kirche mit einem falschen Kult oder einer falschen Kirche gleichgestellt oder entsprechend behandelt werden.
Das ist irgendwie nichtssagend redundant, rein tautologisch. Wahr ist wahr, falsch ist falsch. Was ist hier die falsche Kirche?
Der römische Papst, der Stellvertreter Christi, ist der alleinige Inhaber der höchsten Autorität über die gesamte Kirche. Er allein überträgt den anderen Mitgliedern der katholischen Hierarchie unmittelbar die Jurisdiktion über die Seelen.
Das ist wieder purer Integralismus, autoritäres Denken, fernab jeder repräsentativen Würde und Stellvertretung aller Kirchenmitglieder.
„Der Heilige Geist wurde den Nachfolgern Petri nicht versprochen, damit sie unter seiner Offenbarung eine neue Lehre verkünden, sondern damit sie mit seiner Hilfe die von den Aposteln überlieferte Offenbarung, das heißt das Glaubensgut, heilig bewahren und getreu darlegen.“ 4
Ebenfalls tautologisch – oder nur polemische Formulierung.
Einem einzigen Glauben entspricht ein einziger Gottesdienst, der höchste, authentische und vollkommene Ausdruck dieses Glaubens.
Die Piusbruderschaft meint wohl den tridentinischen Ritus. (1570 bis 1962) Dieser ist selber historisch gewachsen und entspringt nicht dem Evangelium. Die hermeneutische Erfahrung dieses Ritus, warum und wie er im 16./17. Jhd. geschaffen wurde, wird gar nicht eingeholt. Es ist. so scheint mir, museale und historische Reminiszenz.
Die heilige Messe ist die Fortführung des Kreuzesopfers in der Zeit, dargebracht für viele und erneuert auf dem Altar. Obwohl auf unblutige Weise dargebracht, ist das heilige Messopfer seinem Wesen nach sühnend und versöhnend. Kein anderer Kult bewirkt die vollkommene Anbetung. Kein anderer Kult, der nicht mit ihm in Verbindung steht, ist Gott wohlgefällig. Kein anderes Mittel ist hinreichend für die Heiligung der Seelen.
Der Inhalt der Erlösung, wozu ich ganz zustimmen will, wird wieder in einen eigenartige formale Anschauung geknüpft. Das ist rein subjektivistisch ohne Bewährung im Sein. Das birgt die Gefahr einer leeren Zeremonie in sich, ist nihilistisch. Die geschichtliche Erinnerung und das Gedächtnis liegt aber in der Pertinenz einer Sinnidee, die alle Generationen und Völker und Zeiten umgreift. Die Vermittlung der Freiheitstat JESU verlangt die ganze Bandbreite der Schöpfung und des menschlich Guten wie Bösen, das in die Messfeier einfließen kann, nicht nur in eine lateinische Sprache, in klerikale Formen des Auftretens.
Folglich kann das heilige Messopfer in keiner Weise auf ein bloßes Gedächtnis, auf ein geistiges Mahl oder auf eine vom Volk gefeierte heilige Versammlung reduziert werden; ebenso wenig auf eine Feier des Ostergeheimnisses ohne Opfer, ohne Genugtuung gegenüber der göttlichen Gerechtigkeit, ohne Sühne für die Sünden, ohne Versöhnung und ohne Kreuz.
Ich weiß nicht, wogegen hier polemisiert wird. Die Pertinenz der Sinnidee der Erlösung verlangt natürlich höchste und schönste Gedächtnisformen, warum sollte aber das durch den tridentinischen Ritus gewährleistet sein?
Die Hilfe, die den Seelen durch die Sakramente der katholischen Kirche zuteil wird, ist unter allen Umständen und zu jeder Zeit ausreichend, um den Gläubigen ein Leben im Stand der Gnade zu ermöglichen.
Das klingt mir sehr nach Werkgerechtigkeit und Selbstgerechtigkeit.
Das im Dekalog enthaltene und in der Bergpredigt vollendete Sittengesetz ist das einzige, das zur Erlangung des Seelenheils taugt. Jeder andere Moralkodex – beispielsweise einer, der auf
3 Mk 16, 16. 4 Pastor Aeternus, Kap. 4.
der Achtung der Schöpfung oder auf den Rechten der menschlichen Person beruht – ist völlig unzureichend, um eine Seele zu heiligen und zu retten. Er kann das einzig wahre Sittengesetz in keiner Weise ersetzen.
Das Sittengesetz autorisiert das menschliche Freiheitsgesetz. Dieses Freiheitsgesetz ist mit ein paar Textstellen einer Heiligen Schrift nicht hinreichend auffindbar. Das Gewissen ist stets zu bilden, betrifft z. B. Bewahrung der Schöpfung, Gerechtigkeit für alle usw. Eine sittliche Wertung besteht aus beidem, aus Freiheit und göttlichem Inhalt. Der Bibeltext kann für Fragen von heute nicht buchstäblich herangezogen werden. Hier gleichen sich die auf den Buchstaben berufenden Piusbrüder den amerikanischen Freikirchen.
Nach dem Vorbild des heiligen Johannes des Täufers verpflichtet uns die wahre Nächstenliebe, die Sünder zu warnen und niemals darauf zu verzichten, jene Mittel zu ergreifen, die für die Rettung ihrer Seelen notwendig sind.
Ganz deren Meinung.
Wer den Leib unseres Herrn isst und sein Blut trinkt, während er sich im Zustand der Sünde befindet, isst und trinkt sein Verderben; und keine Autorität kann dieses Gesetz ändern, das in der Lehre des heiligen Paulus und in der Tradition enthalten ist.
Wogegen wird hier angeschrieben?
Die widernatürliche Sünde der Unkeuschheit ist von solcher Schwere, dass sie stets und unter allen Umständen vor Gott nach Strafe schreit und dass sie mit jeder Form wahrer und christlicher Liebe radikal unvereinbar ist. Daher kann eine solche „Lebensweise“ unter keinen Umständen als eine Gabe Gottes anerkannt werden. Einem Paar, das dieses Laster praktiziert, muss geholfen werden, sich davon zu befreien, und es darf in keiner Weise – weder formell noch informell – von den Amtsträgern der Kirche gesegnet werden.
Es gäbe hier zweifellos viele Bibelstellen z. B. im Römerbrief, die diese Ansicht bestätigen würden. Die Hermeneutik der Hl. Schrift kennt aber viele Zugänge und verschiedene Gewichtungen.
Die Unterordnung der Institutionen und Nationen als solchen unter die Autorität unseres Herrn Jesus Christus ist eine unmittelbare Folge der Menschwerdung und der Erlösung. Demzufolge stellt der Laizismus der Institutionen und Nationen eine implizite Leugnung der Gottheit sowie der universellen Königsherrschaft unseres Herrn dar.
Jesus wollte kein politisches Reich errichten. Die Form der Regierung und der weltlichen Institutionen ist der Freiheit des Menschen überantwortet. Wie sollte die Form einer hierarchischen Kirche, wie sie der Piusbruderschaft vorschwebt, die Inkarnation besser weiterführen als ein demokratisches Modell aktiver Partizipation?
Das Christentum ist kein bloßes historisches Phänomen, sondern die einzige von Gott gewollte Ordnung unter den Menschen.
Hen kai pan, Eins und Alles, nichts.
Nicht die Kirche soll sich der Welt anpassen, sondern die Welt soll durch die Kirche umgestaltet werden.
Ja, wenn die Kirche das direkte Sprachrohr des Heiligen Geistes wäre! M. E. verschließt sich ja die Piusbruderschaft dieser Kraft des Heiligen Geistes, dieser Vielfalt der Auslegung, dieser Vielfalt der Charismen.
In diesem Glauben und in diesen Grundsätzen erbitten wir, von Jenem unterwiesen und bestärkt zu werden, der das Charisma empfangen hat, dies zu tun. Mit der Hilfe unseres Herrn wollen wir lieber sterben, als darauf verzichten. In diesem unwandelbaren Glauben verlangen wir zu leben und zu sterben – in der Erwartung, dass er einst der unmittelbaren Schau der unwandelbaren, ewigen Wahrheit den Platz lasse.
Menzingen, 14. Mai 2026,
am Fest der Himmelfahrt unseres Herrn
Davide Pagliarani