Zum Begriff der „Transsubstantiation“.

Das ist mein Leib, das ist mein Blut – wie ist das zu verstehen?
Eine transzendentale Bibelkritik. Substanz transzendental-reflexiv gesehen.

Ich las eine kurze Beschreibung zum Begriff “Transsubstantiation”. Es geht um die Frage, wie die überlieferten Worte Jesu beim letzten Abendmahl zu verstehen sind: „Nehmt, das ist mein Leib……… Nehmt, das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.“ (Mk 14. 22. 24) (καὶ εἶπεν, Λάβετε, τοῦτό ἐστιν τὸ σῶμά μου. ….Τοῦτό ἐστιν τὸ αἷμά μου τῆς διαθήκης τὸ ἐκχυννόμενον ὑπὲρ πολλῶν.) Der Streit um die Transsubstantiation entzündete sich daran, ob die Aussage „ist“ wörtlich oder symbolisch zu verstehen sei. (…)”1

Der Satz Jesus ist überaus kostbar, denn im weitesten Sinn hängt damit der Glaube an die Menschwerdung Gottes, an sein wirkliches Leiden und Sterben (seinen Tod) und seine Auferstehung zusammen. Diskussionen, die von Anfang an die Christen geführt haben gegen die Gnosis, gegen den Doketismus und vielen anderen Häresien, die entweder die Menschwerdung, oder den leiblichen Tod am Kreuz, oder die Auferstehung Jesu leugnete. (Bekanntlich leugnet der Islam bis heute den wirklichen Tod Jesu am Kreuz. Es starb dort ein anderer.)

Der Satz (die Aussage) Jesu fasst also sein ganzes Wesen und seine Sendung hier zusammen. Wie hat er selber das verstanden?

Das kann wohl nicht psychologisch geklärt werden, grammatisch ist die Sache klar formuliert, es können zusätzlich historisch-kritische Anmerkungen aus dem Ersten Testament gefunden werden, besonders zum Verständnis des Wortes „Bund“ (Ex 24) , Stellen vom leidenden Gottesknecht nach Jesaja (Jes 53, f) können komparativ herangezogen werden u. a. m. 
Schlussendlich verlangt aber die transzendentale Hermeneutik des Verstehens und eine historische Bibelkritik eine doktrinale und kritische Erkenntnislehre. Wie ist so etwas möglich zu behaupten und für die zeitliche Aufnahme in der Eucharistie zu rezipieren im eigenen Erkenntnis- und Glaubensakt?

Der Begriff „Transsubstantiation“ bezieht sich vordergründig also nicht nur auf die Wandlung der Substanzen Brot und Wein in die Wandlung des Leibes und Blutes Christi, sondern hängt indirekt mit dem Glauben an das WIE einer apriorischen und positive Offenbarung Gottes zusammen.

Bekanntlich ziehen Judentum und Islam hier im Denken einer leiblichen Menschwerdung und im Denken eines leiblichen Todes (als Opfer verstanden) und einer leiblich-geistigen Auferstehung nicht mit, weil sie begrifflich den Leib und die Versinnlichung und Inkarnation der übernatürlichen, göttlichen Welt in die sinnliche Welt hinein nicht mehr fassen können (wollen). Die Worte der Hl. Schrift des Ersten Testamentes oder der Qu’ran, sie werden als äußere Selbstmitteilung Gottes gehört und gelesen, wodurch eine begriffliche Durchdringung der Wort-Vermittlung letztlich ausbleibt. Es muss an die Vermittlung der Worte Gottes fideistisch geglaubt werden ohne letzte verstandes- und vernunftgemäße Erklärungsmöglichkeit.

2) Mir ist aufgefallen, wenn ich die reflexiven Grundlagen des Denkens bis zur letzten Evidenz aber weiterführen will, muss ich notwendig auf ein DASS der Offenbarung Gottes kommen (apriorisch wie positiv), das mir aber zusätzlich jetzt die reflexiven Gesetze offenbart, WIE ich diese Letztbegründung in und aus der Offenbarung Gottes verstehen und einsehen kann. Die transzendentale Erkenntnistheorie begründet hier die transzendentale Hermeneutik des Verstehens, indem der Geltungsgrund in der Geltungsform reflexiver Freiheit begrifflich bestimmt werden kann.

Diese Freilegung der transzendentalen Bedingungen der Wissbarkeit von Etwas, das wende ich auf den Begriff „Substanz“ und auf den congenial gefundenen Begriff der „Transsubstantiation“ an. Im weitesten Sinne ist aber damit das WIE einer Inkarnation und Versinnlichung – und nicht nur der Glaube an eine mediale Vermittlung der Offenbarung Gottes in einem fragilen und fehleranfälligen Wort oder in einer fragilen Schrift verbunden.
(Soweit ich das verstanden habe, sprechen Judentum und Islam ebenfalls von einer gewissen „Inkarnation“ des Wortes und der Schrift, meinen aber das metaphorisch. Für den christlichen Glauben ist m. E. diese Medialisierung der Offenbarung in Wort und Schrift begründungsbedürftig, wenn auch umgekehrt die Medialisierung der Offenbarung Gottes in inspirierten Worten und in einer heiligen Schrift notwendiger Effekt des Glaubens und notwendige interpersonale Vermittlung ist.)

3) M. Bauer geht lexikonartig, sehr treffend und kurz auf die philosophiehistorische Herkunft des Begriffes „Transsubstantiation“ ein:  “Der antike und mittelalterliche Begriff der Substanz (lateinisch substantia, altgriechisch ousia) unterscheidet sich fundamental von dem neuzeitlichen.
Seit etwa dem 16./17. Jahrhundert versteht man unter Substanz etwas Materielles; zum Beispiel sprechen Chemiker von Substanzen, wenn sie bestimmte Stoffe meinen. Die Materie ist nach Aristoteles aber weitgehend unwichtig für das, was etwas (ein Seiendes, ein Etwas) ist. Entscheidend ist seine ousia, das heißt, das, was man mit der Formulierung „was ist das?“ erfragt. Dann erwartet man normalerweise als Antwort nicht, „aus welchem Material“ dieser Gegenstand besteht, sondern was der Gegenstand ist. Die übliche Übersetzung von ousia lautet Wesen. (…)”2

M. Bauer stellt dann fest (Hervorhebung von mir): “(…) (Mit dem um die Mitte des 12. Jahrhunderts neu gebildeten Begriff Transsubstantiation wird versucht zu verdeutlichen, dass es um die Verwandlung von Substanz geht und nicht um die Änderung der Akzidenzien.) Daher ist dieser Vorgang der Verwandlung nicht natürlich, sondern übernatürlich.” 3

4) Unwillkürlich wurde ich vom aristotelischen Substanzbegriff, der hier eine zentrale Rolle spielt, zu einem transzendental-reflexiven Begriff von “Substanz” geführt, wie ihn Kant und Fichte verwendet haben. Meine Frage, der ich nachgegangen bin: Taugt dieser im verstandlichen und reflexiven Denken angesetzte transzendentale Substanzbegriff für die theologische Rede von der Transsubstantiation, für eine Rede von der Realpräsenz Christi in den Zeichen von Brot und Wein?

Die Substanz der Realpräsenz, bemerkenswert von den mittelalterlichen Philosophen und Theologen formuliert, sie scheint mir in einem transzendental-reflexiven Sinn des Verstehens vielleicht? besser nachvollziehbar, als die doch eher dogmatisch und unbegründet klingende Lehre von einem Austausch oder einer Verwandlung der Substanzen.(?)

Dabei möchte ich nicht sagen, dass die transzendental-reflexive Auslegung des Substanz-Begriffes den Gehalt der mittelalterlichen Transsubstantiationlehre übertrifft. Sie stellt ihn nur anders dar!

Kant lasse ich hier einmal außen vor. Ich übersetze „Substanz“ durch das Denken nach den Prinzipien der „Wissenschaftslehren“ Fichtes:

Die Transsubstantiation oder Verwandlung der Substanzen, sie darf nicht mit natürlicher mutatio oder transformatio verwechselt werden, so schon die Vorstellung der früheren Theologie, sie ist ein übernatürlicher Vorgang, so bei M. Bauer.4

Ich paraphrasiere hier eingangs aus der „Grundlage der gesammten Wissenschaftslehre“ von 1794/95: Der auf das Nicht-Ich übertragene Begriff einer substantiellen „Realität“ ist ein implikationslogischer und! ein appositioneller Begriff, ein erscheinungsobjektiv und erscheinungssubjektiv (transsubjektiv) erscheinender Begriff der Anschauung, nicht Anschauung oder Realität an sich. Das vorstellende Ich setzt das Nicht-Ich in sich und insofern als einen bestimmten Teil; aber es setzt damit zugleich das Nicht-Ich per hiatum voraus als einen bestimmten Teil einer unbestimmten Größe, nämlich in einer Gesamtsphäre, die Ich und! Nicht-Ich umfasst in einer absolut stehenden Anschauung und in einem teilabsoluten Grund. So abgeleitet und reflexiv-bewusst bekommt das Nicht-Ich durch Übertragung eine Substantialität – und in weiterer Folge der Verstandesgrundsätze eine Kausalität (als Qualität bzw. pl. Qualitäten) und eine Wechselwirkung in der Erscheinung und für die Erscheinung.

Anders gesagt, es ist genetisch (im Aufbau des Bewusstseins) die Notwendigkeit gegeben, das Nicht-Ich in seiner notwendigen Eigenrealität gegenüber der Realität des Ichs ständig und alternativlos als wirkliches Substrat anzusetzen. Eine Substanz ist aber damit nicht etwas metaphysisch Fixiertes (Hypostasiertes), sondern etwas Gedachtes, das zwischen sich aufhebenden Qualitäten (Akzidentien) eintritt und sie zusammenhält.

In den Wln Fichtes geht es immer wieder darum, wie Denken und Sein in und aus einer disjunktionslosen Einheit hervorgehen, also deduktiv gesetzt sind, wodurch umgekehrt die Denk-Bilder (Ideen, Gesichte, Reflexionsideen) vom Sein auf ein wahres Bild-Sein des Seins (reduktiv) zurückgeführt werden können. Bei Fichte ist das herrlich immer durchexerziert: Anfang und Ausführung der Wissenschaftslehre bedingen sich gegenseitig.   In der Arbeit lernt man den Grundgedanken (sc. den deduktiven Setzungsakt) nur verstehen. Erst am Ende versteht man ihn ganz“. (WL-1812; GA II/13, 48.)

Das Denken antwortet immer in der Reflexivität des Bildens auf die sich von sich her zeigende, aufleuchtende Evidenz. Denken und Evidenz sind aufeinander bezogen und vereinigen sich zu einer synthetischen Erkenntnis a priori. Je nach Gegenstand der Erkenntnis gliedern sich dabei Evidenzformen heraus, die von verschiedener Gewichtung und Gewissheit sind: Naturevidenz, Logos-Evidenz, Rechts- und Moralevidenz, religiöse Evidenz – und die Geltungsform des Ich/der Ichheit/des reflexiven Wissens selbst, die gerechtfertigt ist im Geltungsgrund der Ur-Bildes der Erscheinung des Absoluten. Da sich der individuelle Wille in seinem Wollen auf einen allgemeinen, alle Individuen umfassenden Willen bezieht, der seinerseits unwandelbar vorausgesetzt und gewollt wird, muss er notwendig eine positive Offenbarung Gottes annehmen, denn im endlichen Denken erkennt das individuelle Wollen unmöglich den Anfangs- und Endpunkt seines Wollens.

Im endlichen, zeitlichen Zustand wird das endliche Wollen aber immer an ein Denken, nicht an ein Sein, angeknüpft.
Da das Denken von sich her die Evidenz der Sich-Erscheinung des Absoluten als apriorische und positive Offenbarung nicht erreichen kann, muss und kann die Philosophie nur hilfestellend und in klaren und distinkten Begriffen den Weg bereiten.
Apriorische Vernunftoffenbarung und positive Offenbarung sind aber ein einziges Offenbarungsgeschehen, das eine Mal notwendig apriorisch und existentiell gedacht, das andere Mal im konkreten Handeln und Wollen, also in der Zeit und Geschichte, im Leib und in Interpersonalität, notwendig praktisch gedacht.

5) Im Denken, so die Bild-Lehre Fichtes weitergeführt, kommen übernatürliche und natürliche (sinnliche) Welt notwendig zusammen, bilden eine notwendige Einheit, sonst könnte von einem Bilden  und Bildsein gar nicht gesprochen werden.
Die Funktion des Denkens als Tätigkeit ist es dann, das wahrhafte Bildsein (Erkennen) des Seins nachzubilden und vorzukonstruieren, nach idealen Gesetzen der Freiheit und des Zweckes und realen Gesetzen der Erscheinung des Absoluten.

Denken heißt Durchdringung des Sehens (Bildens) als apriorisches Sehen und als sinnliches Sehen des Gesehenen. (Siehe auch Blog “Was heißt Denken?” ) https://www.platonjgf.net/was-heisst-denken/

Ein bloß sinnliches Sehen gibt es nicht, denn alles Gesehene ist genetisch gebildet im apriorischen Sehen des Sehens. Dieses genetische Sehen erzeugt erst alle Begriffe und epistemischen Bedeutungen der Begriffe, sodass alle gegenständliche (epistemische) Bedeutung stets bedingt ist durch ein Denken seiner epistemologischen Bildung.

Die bei Kant verstandlichen Begriffe wie “Substanz”, “Kausalität”, “Wechselwirkung”, “Qualität”, “Quantität”, die Begriffe der Modalität, sie sind abgeleitete Begriffe einer Verhältnisbestimmung zwischen Denken und wissendem Sehen des Gesehenen (der Anschauung).5

Die Einheit von Denken und Sein, in intellektueller und sinnlicher Anschauung darlegbar, beruht auf einer durch die Einbildungskraft fundamental geleisteten Einheit von Denken und Sein in einer selbst unwandelbaren Einheit der Wandelbarkeit des Bewusstseins. Sie ist eine formale, quantitative Einheit. Die qualitative Evidenz kommt von der Einschauung und Anschauung des Gesehenen, je nach Bereich: Natur, Logos, Geschichte, Sinn. 6

Die Anschauung ist immer schon eine intelligierte Einheit, eine grundlegende Subjekt-Objekt-Einheit, in der Philosophiegeschichte schon oft da gewesen, aber bis Fichte nicht recht als genetische Einheit aufgeschlüsselt und begründet.

Noch etwas mehr verdeutlicht: Das Schweben (griech. dialegein) der Einbildungskraft liefert zwischen dem durch den Anstoß verendlichten und dem die Unendlichkeit ausfüllenden Ich ein Bestimmbares, das aus der übergeordneten einen Vernunft genetisiert und bestimmt wird. Von einer höchsten Einheit der Erkenntnis, die zwischen Absolutem und dem daraus genetisierten, bestimmten Wissen ( „absolutes Wissen“) liegt, verfolgt die WL die systematische Konstitution der Innen- und Außenwelt eines schließlich individuellen und endlichen Ichs. Das konstitutionsgenetische Prinzip der transzendentalen Apperzeption und die daraus folgenden Zeit- und Raumanschauung und kategoriale Anwendung der Verstandesbegriffe steht somit unter keiner Einschränkungsbedingung der sinnlichen Anschauung, wie bei Kant, sondern einzig unter der höchsten Einschränkungsbedingung des Absoluten selbst, das sich in einem vielfältigen Sinn der Realisierung der Vernunft durch menschliche Freiheit inkarnieren will. Die „transzendentale Erkenntnisart“ bei FICHTE, um im Wortlaut KANTS zu bleiben und doch den Unterschied festzumachen, ist dahingehend ausgeweitet, dass das apriorische Vorwissen der Vernunft schlechthin die Basis aller Wissbarkeit ist. Dieses apriorische Vorwissen baut auf der Basis von Einschränkungsbedingungen eines intelligiblen totums auf.

6) Jeder Begriff (oder auch als „Vernunft“ benennbar), wenn er auch „Grund der Welt ist“ (SL-1812), ist somit zurückgenommen auf eine Erscheinungsebene des Gedachtseins. Was bleibt dann für die Realpräsenz des Leibes und Blutes Christi noch übrig, wenn die Worte Jesu nachgesprochen werden, „das ist mein Leib…. das ist das Blut des Bundes…“ ? Das soll und will ja nicht in einem bloß symbolischen Sinne ausgesagt und verstanden sein, sondern in einem wahrhaften und wirklichen Sinne? (So wollten es ja die mittelalterlichen Theologen verstanden haben.)

Die „Substanz“ der Leibes und Blutes Christi soll nicht bloße Erscheinungsrealität, oder bloße Rezitation, leere Abbildung, unpersönliche Wiederholung sein. Sie ist auch nicht, wie die Theologie damals alles schon durchreflektierte, bloße mutatio, transformatio, generatio, factio. Das alles mag auf einen natürlichen Bereich zutreffen, aber hier geht es um eine wahre Trans-Substantiation im übernatürlichen Bereich.

Mir scheint, die transzendental-reflexive Begrifflichkeit der Einheit des Denkens und des Seins, wodurch der Glaube und das Denken eines übernatürlichen Bereiches des Seins in einer „Transsubstantiation“ zusammenkommen, kann als Geltungsgrund und Geltungsform in der Reflexivität des Wissens (nach Fichte) gut ausgedrückt werden: Wenn „Substanz“ ein durch Denken erzeugtes und angeschautes Etwas ist, so heißt das ja nicht, dass diese Erscheinung als bloße Erscheinung abgetan werden kann, als dialektischer Schein, sondern als Erscheinung durch den Geltungsgrund der Sich-Erscheinung des Absoluten in ihrem WIE gerechtfertigt und begründet.

Fichte analysiert oft diese Möglichkeit der Rezeption des absoluten, göttlichen Geltungsgrundes in der Geltungsform des Denkens (der Reflexivität, der Ichheit, des Sich-Wissens),  sodass von einer begründeten und gerechtfertigten Einheit von Denken und Sein ausgegangen werden kann.

6) Jede Aussage beginnt bereits mit und in einem Zustand der Apperzeption und Rezeption. Der Zustand wird dabei nicht an ein vorausgesetztes Sein angeknüpft, sondern an ein Denken:

(…) denn das endliche vernünftige Wesen denkt nothwendig nur vermittelnd und anknüpfend. Nur wird er nicht an ein anderes Seyn angeknüpft, sondern an ein Denken.“ (SL-1798; GA I/5, 53),

Die „Substanz“ der Aussage Jesu zum Brot und zum Wein bezieht sich, grammatisch wohl klar, nicht auf die atomistischen Teile von Körnern und Trauben, Konsistenz und Geschmack, die den Leib und das Blut Christi bilden, sondern auf den Geltungsgrund seiner Freiheit, seines ganzen Lebens, seines bevorstehenden Todes und seiner Auferstehung.
Der reine Wille Jesu versinnlicht sich
anschaulich in Brot und Wein, bezieht sich auf seine wahrhaftige Menschwerdung, seinen wirklicher Tod zur Vergebung der Sünden („…für viele vergossen“), auf seine erhoffte Auferstehung, ist Denken seines Wesens – und kraft partizipativen Denken dieses Wesens kann die Geltungsform der Aussage (das Denken des Herrn) nachvollzogen werden.

Anders ausgedrückt: Es ist unser Denken einer pertinenten Sinnidee, wie Jesus sein ganzes Leben und Sterben verstanden hat, ist Denken als Nachkonstruktion und Vorkonstruktion der ganzen Hingabe Jesu, die als Geltungsform und als positive Offenbarung der wahrheitsgemäßen Erscheinung Gottes in Jesus gefunden werden kann.

Mit Fichte jetzt erläutert: Das Hinschauen einer Substanz (Denken) ist, sobald reflektiert und gedacht wird, durch das innere, existentielle Leben (jedes Vernunftwesens) bestimmt als Etwas des Denkens, zugleich angesehen als Nichtsehen, wenn es im Gegensatz bestimmt werden soll.
In verschiedenen Variationen kehrt das in allen Wln wieder:
WL 1813: „Sodann, was daraus folgte: Alles Denken führt bei sich und setzt voraus in unmittelbarer Einsicht die Anschauung: ein Hinschauen des bleibenden und dauernden Etwas, das durch das in sich wandelnde, und von einem Gegensatze zum andern fließende Leben des Denkens eben bestimmt wird. (sc. eine unwandelbare Einheit wird im ablaufenden Bewusstsein notwendig durch Denken bestimmt). So in dem Falle, an welchem wir in der vorigen (/) Stunde das Denken konstruirten: ein unbestimmtes a, das im bestimmenden Denken erst angesehen werden wollte als Produkt, und daraufhin, und mit der Tendenz es in dieser Klasse unterzubringen(,) angesehen wurde, welches nicht ging, sondern die Ansicht desselben durch das eigne innere Leben des Denkens in die eines NichtProdukt verwandelte.(sc. sodass ein idealistischer Zweifel erzeugt werden kann, das ist aber künstlich.) Eben so hier, das Denken, erkennen und verstehen als Sehen, und mit diesem Charakter, setzt voraus, und wie es schlechthin gesetzt wird, bringt mit sich, die Hinschauung eines (hierinn, in der Anschauung) unbestimmten Stoffes, der im Denken angesehen werden will als Nichtsehen, welches aber nicht geht, sondern die Ansicht sich innerl. durch ihr eignes Leben verwandelt in die eines Sehens. (17. Vorlesung, GA II, 17, S. 289.)

(Weitere Analysen zum Denken – siehe Blog “Was heißt Denken?! https://www.platonjgf.net/was-heisst-denken/

7) Der Begriff „Transsubstantiation“ meint im Sinne der mittelalterlichen Theologie (mit den aristotelischen Begriffen) einen Austausch der Substanzen – nicht durch mutatio, transformatio, generatio, figural, faktisch zu beschreiben, wie M. Bauer das alles abgrenzt, sondern dem Denken nach.

In der transzendental-reflexiven Sprache wird notwendig im Schweben der ursprünglich produzierenden Einbildungskraft eine unwandelbare Einheit im Denken vorausgesetzt, um das ablaufende Bewusstsein und ein Werden begreifen zu können und eine mögliche praktische Selbstbestimmung durch Freiheit und Willen. Analog zu Aristoteles setzt das Denken im Schweben der Einbildungskraft eine (erste) Substanz voraus, positiv, als erscheinendes Sein. Das dadurch mögliche Selbst-Bewusstsein kann sich dann im Wandel seiner Bestimmungen in seinem Erkennen und Wollen-in-actu bewähren – anhand und innerhalb dieses a priori vorausgesetzem wahren Bild-Sein des erscheinenden Seins des Absoluten. Widrigenfalls entsprechen die entworfenen Bilder des Seins nicht dem wahren Sein und werden, früher oder später, widerlegt. 

Nun wird man den Worten Jesu nicht eine unlautere Absicht in seinen Abendmahlsworten unterstellen können, sondern WIE er es sagt, so IST es der Wahrheit nach. Sein apriorisches Sehen des Sehens (Denken) des Willens Gottes überträgt er auf die sinnliche Substanz des Brotes und des Weines.

Im Nachsprechen heute wird diese Geltungsform des sich bewährenden Aussagens Jesu so gut wie möglich, wahrscheinlich mehr schlecht als recht, nachgesprochen, d. h. im Denken nach-konstruiert und vor-konstruiert. Der Geltungsbezug auf den Geltungs-Grund liegt dabei in der Wahrhaftigkeit der Rede Jesu, nicht im bloßen Vollzug des Priesters. Im Wort des (sündigen) Priesters wiederholen sich die Worte Jesu in ihrer Wahrhaftigkeit und sollen in ihrer ganzen Reinheit und Wahrheit zum Ausdruck kommen.  Es vollzieht sich im Denken und als Denken (im Priester wie im gläubigen Nachvollzug jedes Beters) die Verwandlung der Substanz des Brotes und des Weines in die übernatürliche, unvergängliche, wahre Substanz des Leibes und Blutes Christi, weil eben  Jesus in seiner Wahrhaftigkeit diese verwandelte Sicht von Brot und Wein so sehen und haben wollte.  

Das Denken setzt sich selbst eine gedachte Einschränkung, eine Substanz (oder mehrere Substanzen), in weiterer Folge auch Kausalität und Wechselwirkung, um der reflexiven Freiheit die Möglichkeit der Selbstbestimmung in der Bestimmbarkeit seiner selbst zu schaffen und diese Selbstbestimmung anschauen zu können.

Die Spontaneität des eigenen Vollzuges steht unter keiner anderen Einschränkungsbedingung als unter der Gültigkeit der Einschränkungsbedingung der Erscheinung des Absoluten selbst. Weil Gott sich so offenbaren und schenken will, in dieser Geltungsform einer Person und in dieser Geltungsform der Menschwerdung, in der leiblichen Hingabe bis zum Tod am Kreuz, in der erhofften Auferstehung, vermag die reflexive Freiheit des endlichen Vernunftwesens diese Einschränkungsbedingung (kraft Gnade) ebenfalls nachzuvollziehen. Die Spontaneität der reflexiven Freiheit ist, in intellektueller Anschauung notwendig im Denken gebildet, ein Vermögen, eine Einheit zu bilden und zugleich, in der Rückkehr auf sich selbst, ins Unendliche zu teilen und zu begrenzen – in der Liebe, im gemeinsamen Willen. Siehe dazu die Ausführungen der AzsL und dort die diffizilen Unterscheidungen von Sein, Wesen, Existenz – in den AzsL – z. B. 1. Teil https://www.platonjgf.net/stichworte-zu-j-g-fichte-die-anweisung-zum-seligen-leben-1-teil/

Die Anschauungsebene soll und kann für uns endliche Vernunftwesen nicht verlassen oder idealistisch/realistisch überschritten werden, wie es die meisten machen, wenn sie nur begrifflich vom Absoluten sprechen, aber mittels der ursprünglich produzierenden Einbildungskraft in ihrem Schweben kann die Anschauung in sinnlicher und intellektueller Weise mit einem begrifflichen Grund ihrer Genesis (in der Existenz) vereint werden. Die Spontaneität der Freiheit kann durch Denken in eine Akt-Einheit und in einen Quellpunkt einer Disjunktion von unterschiedenem Denken und Sein zerlegt werden – wie oben anhand der WL-1813 kurz dargelegt. (Oder siehe auch Blogs zum Existenzdenken – z. B. Der Unterschied Fichtes zu Heidegger https://www.platonjgf.net/heidegger-und-fichte/

8) Weil Jesus in seinem wahrhaften Sein und Leben ein wahres Bild-Sein der göttlichen Erscheinung in die sinnlichen Substanzen Brot und Wein hineinlegen wollte, kann im Denken und Glauben an die Worte Jesu der übernatürliche Vorgang der „Transsubstantiation“ angenommen und mitvollzogen werden.

Wie oben kurz angedeutet: Daran hängt nicht nur das Denken der Eucharistie, sondern generell das Denken einer apriorischen und positiven Offenbarung Gottes im Fleisch und Blut.
Dazu gibt es seit gut 1900 Jahren viele Auseinandersetzungen um die Person Jesu, um seine zwei Naturen usw. – man kann jede apokryphe oder häretische Schrift z. B. der Gnostiker dazu heranziehen. Je nachdem werden dann die Abendmahlsworte hermeneutisch gedeutet, oder besser gesagt, verdreht und verkannt. 

Die Substanz der Wahrhaftigkeit Jesu will sich in den Worten des Abendmahlssaales in hinreichender, sichtbarer, sinnlicher Anschauung von Brot und Wein zeigen. Brot und Wein sind hinreichende Erscheinungsbilder einer innerlichen Freiheit Jesu – und sind kohärent zum ganzen Leben Jesu, seiner Menschwerdung, seinem Sterben am Kreuz, seiner Auferstehung. Die hinreichenden Erscheinungsebene der Person Jesu, jetzt dichterisch versammelt im Brot und Wein, kann im apriorischen Sehen des Sehens (im Denken) eingeholt werden als inneres Sehen der Erscheinung Gottes. So wollten es die Theologen des Mittelalters ja sagen, wenn ich sie recht verstanden habe (nach der Lektüre dieses Lexikonsartikels). In einem übernatürlichen Sinne geschieht die Transsubstantiation, d. h. nur im genetischen Denken einer Einheit von intelligibler wie sinnlicher Welt, im genetischen Denken einer Akt-Einheit wie einer Disjunktions-Einheit. Im vorstellenden, gesetzmäßigen Denken der Erscheinung des Absoluten und der positiven Offenbarung in der idealen Weise des Denkens von Inkarnation und Menschwerdung und Hingabe am Kreuz – und zugleich im vorstellenden Denken einer sinnlichen Anschauung. In Brot und Wein vermag eine innere Bestimmung der reflexiven Freiheit auf der Ebene der Rezeption weitergeführt werden.
Anders gesagt: Die Worte Jesu zu Brot und Wein sind für den gläubige Christen als inneres Sehen einer äußeren Wirklichkeit nicht bloß symbolisch zu verstehen – „dieses Brot ist ein Symbol für mein Leben“ – denn dann gäbe es keinen Nachvollzug der Geltungsform der Aussage Jesu und keine Geltungsbezug zum Grund der Wahrheit dieser Aussage, sondern transzendental-reflexives wahres und wahrhaftiges Wort Jesu.

9) Das verlangt jetzt weitere Schritte: Die Fortbestimmung eines inneren, geistigen Lebens und Sehens – die Anwendung einer pertinenten Sinnidee – setzt notwendig immer wieder Verleiblichungen, Versinnlichungen, Medialisierungen und verobjektivierte „Substanzen“ (mit „Akzidentien“) voraus. Sehen und Gesehenes ergeben sich genetisch aus der Akt- und Disjunktionseinheit von Denken und Sein, sind begründete Anschauuung, sind absolute Form, für sich uneinholbar, aber gesetzesartig vorgestellt und sich äußernd in intellektuellen wie sinnlichen Anschauungen (Erscheinungen).

Der aristotelische Begriff einer (ersten) „Substanz“ bietet von sich her gewisse Voraussetzungen des Denkens eines allgemeinen Etwas, d. h. er bietet die Gelegenheit, die gleichbleibende, unveränderliche Wahrheit, die ewige Wahrheit der Worte Jesu, aufzunehmen.
Durch diese Formulierung „Transsubstantiation“ übertrugen die Theologen transzendental-reflexiv ihren Glauben an die Wahrheit der Worte Jesu. Sie legten die Wahrheit in Brot und Wein hinein, weil sie von der Wahrhaftigkeit der Worte Jesu überzeugt waren. Das Was der Wahrheit war ihnen sicher, das WIE der Übertragung war ihnen vom Begriff der „Substanz“ her möglich, „Transsubstantiation“, nicht als mutatio, transformatio, generatio, factio, oder in sonstiger symbolischer oder buchstäblicher Redeweise verstanden.

Mit Fichte jetzt ausgedrückt: In der Anschauung einer übernatürlichen, unveränderlichen, ewigen Wahrheit wandelt sich, oder vorsichtiger gesagt, vermag sich das apriorische Denken, wie es in jedem Sehen und Bilden notwendig angesetzt werden muss, zu einer ausdrücklichen Fortbestimmung der Freiheit durch die geschaute Wahrheit zu wandeln.
Das durch das übernatürliche Leben fortbestimmte Denken – wenn die Freiheit sich bildlich nach einem Ur-Bild vollziehen will – ist reflexiv nicht ein leeres, nihilistisches, bloßes Reflektieren des Denkens vom Sein, sondern Denken des Seins als Genesis einer Ur-Erscheinung, ist Existenzerfahrung, ist absolutes Denken der Ur-Erscheinung des Absoluten und lebendiger Nachvollzug der Wahrhaftigkeit der Worte Jesu, Erfahrung eines übernatürlichen Willens im Vermögen des endlichen Willens.

Die Worte Jesu „Das IST mein Leib, ….. mein Blut“ sind ja performative Rede an den Glauben, die Aufforderung zum eigenen Nachvollzug, zur sensitiven Rezeption und eigenen Verwandlung.

Die Performation zielt darauf ab, wenn ich das Denken des Denkens nach Fichte durchdringen will, das Sehen des Sehens JESU nachzukonstruieren und vorzukonstruieren.
Wie eine „Substanz“ (oder Kausalität, oder Wechselwirkung) nur transzendental-reflexiv IST, so ist die „Substanz“ der Worte Jesu, weil sie ja in Wahrhaftigkeit, nicht in nihilistischer Manier gehört wird, als absolutes Sehen zu denken, wodurch ein Sein positiv gesetzt wird. Die geistige Substanz und Realpräsenz der Worte Jesu begründen die sinnliche Substanz und die Existenz der Realpräsenz Jesu in den Zeichen von Brot und Wein.

M. a. W., die „Substanz“ existiert abgeleitet im reflexiven Denken, wurde oben gesagt. Dies ist nicht leere, nihilistische Reflexionsphilosophie, sondern ein denkerisch, genetisch im Denken der Substanz mitgesetzter Grund der Wahrhaftigkeit, ist qualitative Fülle der Hingabe, der Liebe, qualitative Fülle der Menschwerdung, des leiblichen Todes, der leiblichen Auferstehung, ist pertinente Sinnidee.

Wenn das Sehen des Sehens in einer übernatürlichen Wirklichkeit begrifflich durchdrungen und gedacht werden kann, so ist im praktischen Tun ein Anfang, ein Wert, eine Liebe gesetzt, notwendig und substantiell. Eine bloß symbolische oder buchstäbliche Aussage wäre keine apriorische Begründung und Genetisierung.

Nochmals m. a. W.: Die Sinnbestimmung des Brotes und des Weines ist eine gläubige und im Denken herbeigeführte Beschränkung des Brotes auf einen absoluten Gehalt und eine göttliche, unwandelbare Anschauung hin. Im Denken wird das so angeschaut, dass positiv ein Sein gesetzt wird – vielleicht etwas umständlich ausgedrückt im Begriff der „Substanz“.

Das Bild „Brot“ bringt den Begriff „Substanz“ durch seinen anschaulichen Nährwert mit sich – und wird durch das apriorische Denken des Sehens des Sehens zu einem übernatürlichen Vorgang eines innerlichen Sehens des wahrhaftigen und göttlichen Lebens.

10) Abschließend möchte ich noch die Frage aufwerfen, inwieweit spielt a) die Rolle des Priesters eine Rolle, der, wie so oft nachzulesen, in “persona Christi” handelt und die Worte Jesu nachspricht, und inwiefern spielt b) die Rolle jedes Gläubigen eine Rolle. (Alles nur mehr sehr skizzenhaft und weiter zu explizieren!)

Ad a) Im eigenen Namen wird der sündige Mann wohl keine Kraft und Kompetenz haben, im Namen Jesu zu sprechen. Die Worte Jesu könnte im Grunde alle Welt nachsprechen. Das ist noch keine Legitimation. Die Legitimation zum Sprechen und zum Denken dieses Denkens (Sehens des Sehens) muss m. E. in Kohärenz zur Universalität der Worte Jesu und in Kohärenz zur universal (katholisch) verfassten Kirche stehen.

So bekommt alles bald einen sozialen und rechtlichen und moralisch-universalisierbaren Charakter. Ubi societas, ibi jus. Die Universalität und ekklesiologische Verkündigung ist ein vielfältiges Unterfangen formaler und inhaltlicher Art. Es wird hier viele pragmatische und systemtheoretische Regeln der Legitimation geben, die allerdings im schlechten Falle zu einem eigenen System autokratischen Strukturen führen könnten.

Ad b) Die Spontaneität des Denkens vom Denken eines apriorischen Sehens verlangt die aktive Partizipiation des Mit-Denkens jedes/jeder Gläubigen, sonst kommt die „Transsubstantiation“ und der performative Sprechakt der Worte Jesu nicht an sein Ziel.

Die Anschauung der Substanz “Brot” ist nicht selbst der hinreichende, logische Grund der Unterscheidung Leib Christi hier und gewöhnliches Brot dort, sondern erst die im Denken des Denkens gesetzten Bestimmungen wie Hingabe, Liebe, Anfang, Wert erfüllen den Sinn und die Anschauung des Brotes – und sollen die „Transsubstantiation“ des eigenen Denkaktes und die Verwandlung des individuellen Lebens bewirken. Die bloß logisch behauptete Realpräsenz und „Anbetung“ des Allerheiligsten ginge an ihrem Sinn vorbei, käme es zu keiner lebendigen Fortbestimmung und Kausalität des eigenen Denkens.

Anders gesagt: Die Wahrheit des Wortes Jesu ist an die Rezeptivität des Aufnehmens gerichtet, sowie Sehen und Existenz nur durch Sehen und Existieren gedacht werden können. Das „IST“ in den Worten Jesu ist an das „Ist“ der eigenen Existenz und an das Sehen des Glaubens gebunden.

© Franz Strasser, 22. 6. 2026

1 Martin Bauer, Lexikonartikel zu “Transsubstantiation”. In: der blaue Reiter, Nr. 29, In Bewegung, S. 89.90.

2 M. Bauer, ebd. S. 89.

3 M. Bauer, ebd. S. 89. Hervorhebung von mir. M. Bauer spricht dann noch offene Fragen an und verweist auf genauere Literatur: Jorissen, Hans: Transsubstantiation. Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Auflage, Band 10, 1993, Sonderausgabe 2009 – Laarmann, M.: Transsubstantiation. Historisches Wörterbuch der Philosophie. Band 10, 1998
– Neunheuser, B.: Transsubstantiation. Lexikon für Theologie  und Kirche. 2. Auflage, Band 10, 1965

Geprüfte Internetseiten: https://de.wikipedia.org/wiki/Transsubstantiation

4 M. Bauer. “Mit der Abwandlung der aristotelischen Lehre von der Substanz und den Akzidenzien scheint das Problem der Transsubstantiation insofern gelöst, als der Gläubige im Abendmahl unter der äußeren, durch Akzidenzien bestimm- ten Gestalt des Brotes der Substanz nach den Leib Christi empfängt, ohne dass Kannibalismus unterstellt werden muss. Erreicht wurde das durch eine wesentliche Umgestaltung der aristotelischen Lehre, denn nach Aristoteles bestehen Akzi- denzien immer nur an Substanzen, für sich selbst können sie nicht existieren. „Substanz“ bedeutet also im aristoteli- schen Sinne nicht allein „,Wesen“, das „Was“ eines Seienden oder wie Aristoteles es gerne formuliert „das Was-ist-das“, sondern dieser Begriff verweist darauf, dass etwas für sich besteht und nicht an einem anderen, wie die Akzidenzien. Daher bezeichnet der Begriff „Erste Substanz“ ein für sich bestehendes Seiendes im allgemeinsten Sinne. Der Begriff „Zweite Substanz“ bezieht sich auf die wesensmäßige Bestimmung von Seiendem in Gattung und Art. (…)”, ebd. S. 89.90.

5 “Kant, der die Kategorien ursprünglich als Denkformen erzeugt werden läßt, und der von seinem Gesichtspunkte (cf. der Kritik) aus daran völlig Recht hat, bedarf der durch die Einbildungskraft entworfnen Schemate, um ihre Anwendung auf Objekte möglich zu machen” (J. G. Fichte, “Grundriß des Eigenthümlichen der Wissenschaftslehre”, Akad.-Ausg. 1,3,189). “In der Wissenschaftslehre (cf. Als einem System der Vernunft) entstehen sie (sc. Die Kategorien) mit den Objekten zugleich und um dieselben erst möglich zu machen, auf dem Boden der Einbildungskraft selbst.” (Ebd.)

6 Der Übergang von der kategorialen Qualitätsempfindung zur quantitativen Beschränkung und Bemessung ist m. E. ein Glanzstück der transzendentalen Ableitung, wäre aber ein eigenes Thema. Der Wirklichkeitsgrund der Qualität und der Quantität, also der Möglichkeitsgrund derselben, nimmt eine genaue Stelle der Ableitung in der transzendentalen Prinzipienstruktur des Wissens ein. Siehe z. B. 26. Vortrag in der WL 1804/2. Wenn wir andere Gewissheiten setzen als die Selbstgewissheit der Wahrheit und des reinen Wollens, setzen wir anderen Inhalte, d. h. andere Qualitäten; wenn wir deren Aspekte nochmals verschieden bestimmen, bestimmen wir sie der Quantität nach. Wir erhalten so die Urformen des Phänomene des gewöhnlichen Wissens, wie sie in äußerster Kürze der 28. Vortrag der WL 1804/2 beschreibt.

Autor: Franz Strasser

Dr. Franz Strasser